26 October 1844

Ignaz Moscheles’ Second Concert

Stuttgart: Räumen des obern Museums

Programme

Piano Concerto No.3 in G minorMr. MoschelesMoscheles
Piano Fantasia, The Recollections of Ireland, with Orchestral AccompanimentsMr. MoschelesMoscheles
Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Charlotte: Man macht einen Abstecher nach Baden-Baden und dann geht’s fort nach Stuttgart. Dort sind die Aufforderungen zu einem zweiten Concert nach dem ersten sehr dringend, aber in Augsburg ist Moscheles schon angekündigt. [AML II, 119.]

Charlotte: In Stuttgart sind Lindpaintner, Max Bohrer, Pischek, Molique, mit denen viel privatim musicirt wird, und die den Concerten doppelten Glanz verleihen; es sind vortreffliche Dilettanten dort, und die Aufnahme bei ihnen so herzlich dass man sich am 27. October ungern trennt, um nach München zu gehen. [AML II, 120]

Reviews

Der bayerische Volksfreund Zeitung (October 30, 1844): 1034.

München, 29. Oct…Der berühmte Moscheles, welcher so eben in Augsburg mit enormem Succeß concerirte, wird uns dafür entschädigen. Dieser ausgezeichnete Pianist, welcher bereits hier angekommen ist, hat schon vor 22 Jahren, wo das Virtuosenthum noch in der Kindheit schwebte, einen außerordentlichen Ruf genossen. Die Augsburger und Stuttgarter Blätter beartheilen den gefeierten Künstler in der ehrenvollsten Weise und stellen ihn an die Spiße aller jeßigen Klavier-Virtuosen. Der Stuttgart Verkündiger schreibt unter Anderm; Professor Moscheles lieferte die vollgiltigsten Beweise, daß er nicht nur einer der ersten jeßt lebenden Claviervirtuosen genannt zu werden verdient, sondern daß er auch ein Tonsetzer von seltener Gediegenheit und tiefem Gefühle ist. Ja, wir sprechen es ganz offen aus, daß wir ihn, was Klarheit, guten Geschmack und Anmuth betrifft, noch weit höher stellen, als viele bis in die Wolken erhobene Virtuosen. Die es häufig nicht verschmähen. Durhc Kunst- und Wagestücke, welche zwar Staunen erregen, das Gemüth aber unbefriedigt lassen, den tobenden Beifall der Menge im Sturmschritt zu erobern. Wie herllich gedacht, die meisterhaft vorgetragen war nicht das Konzert (G-moll) des Hrn. Moscheles; wie finnig und gemüthlich, wie melodisch und dabei doch pikant die große Fantasie: „Erinnerungen an Irland“? Auch nicht eine Note seines ausdrucksvollen, zum Herzen sprechenden Spieles ging verloren! In der zum Schlusse vorgetragenen, glänzenden Improvisation zeigte der große Meister, daß auch er, wenn er nur will, troß jedem Andern, auf den Standpunkt sich zu schwingen vermag, den der Geschmack unserer Tage so hoch gestellt hat und daß er, was die sogenannte Bravour betrifft, im Stande ist, mit vielen unserer Copyphäen in die Schranken zu treten.

Münchener Tagblatt (October 30, 1844): 1323.

Moscheles, der gefeierte Pianist und Kompositeur, dessen Ruf seit 2 Dezenien Europa durchglänzt, ist hier angekommen und wird ein Konzert veranstalten. Aus Stuttgart, wo derselbe so wie in Augsburg die brillantesten Triumphe feierte, wird unter anderm geschrieben. Den einzigen interessanten Stoff in der Kunstwelt bietet uns gegenwärtig der Name „Moscheles“, der heute Samstag sein zweites Conzert im Lokale des obern Museums gibt, nachdem wir ihn vor acht Tagen (bei aufgehobenem Abonnement) im K. Hoftheater zum Erstenmal bewunderten. Hr. Professor Moscheles, ein Prager, ist längst schon sowohl in Deutschland als im Auslande als ausgezeichneter Componist und, einer der allerersten Clavier-Virtuosen bekannt, dessen Spiel und Werke sich den größten Meistern dieses Instrumenfes anreihen. Der gediegene Satz seiner Compositionen, die originellen Empfindungen der reichen Melodiensätze, die zweckmäßige und reine Harmonie der Instrumentirung und Vertheilung der Instrumente; sein schöner Anschlag im Spiele, seine Fertigkeit und Sicherheit in den schwierigsten und entferntesten Sprüngen, seine außerordentliche Gewandtheit der rechten so wie der linken Hand in den chromatischen Läufern, und endlich die Präcision und Sicherheit in den Texten-, Serten- und Octavgängen rechtfertigen die Größe seines Ruhmes. Da er jede Charlatanerie verschmäht, so ist er ein Künstler für alle Zeiten. In diesem Sinne bezeichnen wir seine sämmtlichen Kunstleistungen hinsichtlich des Spieles und der Compositionen, von welch letzteren wir insbesondere sein Cmoll-Conzert (mit Orchesterbegleitung) als höchst ausgezeichnet hervorheben. Hr. Moscheles wurde nach jeder Piece stürmisch applaudirt und vier Mal hervorgerufen.

Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, und geselliges Leben (November 4, 1844): 1088.

(Moscheles,) der gefeierte Pianist und Compositeur, dessen Ruf seit zwei Decennien Europa durchglänzt, ist in München angekommen.–Aus Stuttgart, in welcher Stadt derselbe, so wie in Augsburg, die interessantesten Triumphe feierte, wird unter Anderem geschrieben: Den einzigen interessanten Stoff in der Kunstwelt bietet uns gegenwärtig der Name „Moscheles,” der heute Sonnabend sein zweites Concert in den Räumen des obern Museums gibt, nachdem wir ihn vor acht Tagen (bei aufgehobenem Abonnement) im k. Hoftheater zum ersten Male bewunderten. Hr. Professor Moscheles, ein Prager, ist längst schon sowol in Deutschland, als im Auslande als ausgezeichneter Componist und einer der allerersten Claviervirtuosen bekannt, dessen Spiel und Werke sich den größten Meistern dieses Instrumentes anreihen. Der gediegene Satz seiner Compositionen, die originellen Empfindungen der reichen Melodiensätze, die zweckmäßige und reine Harmonie der Instrumentirung und Vertheilung der Instrumente; sein schöner Anschlag im Spiele, seine Fertigkeit und Sicherheit inden schwierigsten und entferntesten Sprüngen, seine außerordentliche Gewandtheit der rechten, so wie der linken Hand in den chromatischen Läufen, und endlich die Präcision und Sicherheit in den Terten-, Serten- und Octavgängen rechtfertigen die Größe seines Ruhmes. Da er jede Charlatanerie verschmäht, so ist er ein Künstler für alle Zeiten. In diesem Sinne bezeichnen wir seine sämmtlichen Kunstleistungen hinsichtlich des Spieles und der Compositionen, von welch letzteren wir insbesondere sein Cmoll-Concert (mit Orchesterbegleitung) als höchst ausgezeichnet hervorheben. Hr. Moscheles wurde nach jeder Piece stürmisch applaudirt und vier Male hervorgerufen. (Münch. Tagbl.)

Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, und geselliges Leben (November 9, 1844): 1108.

(Moscheles.) nachdem er zwei Mal in Stuttgart und zwei Mal in Augsburg mit großem Beifalle sich hören ließ.

Bohemia, ein Unterhaltungsblatt (November 10, 1844): 4.

Wir dürfen hoffen, daß unser berühmter Landsmann, der Pianist und Compositeur J. Moscheles, auf seiner Kunstreise über Wien hier eintreffen, einige Zeit sich hier aufhalten und an seiner Kunst, das Publikum theilnehmen lassen wird. Moscheles (bekanntlich ein geborner Prager) ist nicht nur in Bezug auf das ausübemde Clavierspiel unter den jetsigen großen Virtuosen einer der ersten, sondern als Compositeur unbedingt der erst, sogar der einzige, wenn man Etuden- und Phantasien- (d. i. Variationen-) schreiben gar nicht für Componiren gelten lassen will. Als Pianist steht er durch Klarheit, Seschmack und Anmuth weith höher, als die meisten unserer Zeit, als Compositeur reihen ihn feuriger Schwung der Conception, Adel und Gediegenheit in der Ausführung den allerbesten Tonseßern für das Clavier an. In Stuttgart und in Augsburg gab Moscheles eine Reihe von Concerten mit dem glänzendsten Erfolge; die vortigen Blätter stellen ihn an die Spitze aller jetzigen Pianisten, da er in einer glänzenden Improvisation bewies, daß die auf die Spitse cultivirte mdoerne Technik ihm nicht unerreicht blieb, sondern daß er sie verschmächt. Gegenwärtig gib Moscheles in München Concert. B. S.

Der Humorist (November 14, 1844): 1099.

(Moscheles.) Da dieser ausgezeichnete Künstler noch im Laufe dieser Woche hier einzutreffen gedenkt, und Concerte geben wird, so glauben wir alle Kunstfreunde auf diesen gediegensten aller Klavierspieler der Gegenwart nicht genug aufmerksam machen zu können. Der Stuttgarder „Verkündiger“ schreibt unter Anderm: „Professor Moscheles lieferte die vollgiltigsten Beweise, daß er nicht nur einer der ersten jetzt lebenden Klaviervirtuosen genannt zu werden verdient, sondern daß er auch ein Tonsetzer von seltener Gediegenheit und tiefem Gefühle ist. Ja, wir sprechen es ganz offen aus, daß wir ihn, was Klarheit, guten Geschmack und Anmuth betrifft, noch weit höher stillen, als viele bis in die Wolken erhobene Virtuosen, die es häufig nicht verschmähen, durch Kunst- und Wage-Stücke, welche zwar Staunen erregen, das Gemüth aber unbefriedigt lassen, den tobenden Beifall der Menge im Sturmschritte zu erobern. Wie herrlich gedacht, wie meisterhaft vorgetragen war nicht das Concert (G-moll) des Hrn. Moscheles; wie finnig und gemüthlich, wie melodisch und da bei doch pikant die große Fantasie: „Erinnerungen an Irland?“ Auch nicht eine Rote seines ausdrucksvollen, zum Herzen sprechenden Spieles ging verloren! In der zum Schlusse vorgetragenen. glänzenden Improvisation zeigte der große Meister, daß auch er, wenn er nur will, trotz jedem Andern, auf den Standpunkt sich zu schwingen vermag, den der Geschmack unserer Tage so hoch gestellt hat, und daß er, was die sogenannte Bravour betrifft, im Stande ist, mit vielen unserer Coryphäen in die Schranken zu treten.

Allgemeine Wiener Musik-Zeitung (November 16, 1844): 552.

[Stuttgart, im November]…Moscheles hat nach einer langjährigen Ruhe sich aufgerafft und den Continent wieder betreten. Er fand, wie allenthalben, so auch hier in zwei Konzerten eine sehr warme Aufnahme. In finanzieller Hinsicht wird Deutschland ihm wohl keine brillanten Resultate liefern, doch hat sein persönliches Wiedererscheinen wenigstens den positiven Vortheil, daß er dadurch seine beinahe verschollenen älteren und seine neuesten Compositionen auffrischt und zur Empfehlung bringt. Moscheles ist ein aus gezeichneter Pianospieler; immer noch bedeutende Fertigkeit, der bekannte wunderbare Anschlag, der eleganteste Vortrag, aus einer soliden Schule hervorgegangen, welche die üppigen Auswüchse und Zuthaten der modernen Claviervirtuosität weder zuläßt, noch kennen lernen mag. Moscheles wird nun wohl schon bei Ihnen sein; ihm folgt in den nächsten Tagen ein tüchtiger Violinspieler aus der hiesigen Hofkapelle Hr. Keller, der zum erstenmal die Schwingen nach dem Ausland regt. Er wird als Künstler in Wien Gelegenheit finden, die Stufe, auf der stein Talent steht, genau zu ermitteln, und als Mensch—barocke Ansichten abzuschleifen.

[18/19] October 1844

Ignaz Moscheles’ Concert

Stuttgart: Hoftheater

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Charlotte: Man macht einen Abstecher nach Baden-Baden und dann geht’s fort nach Stuttgart. Dort sind die Aufforderungen zu einem zweiten Concert nach dem ersten sehr dringend, aber in Augsburg ist Moscheles schon angekündigt. [AML II, 119.]

Moscheles [from a letter to his wife]: Nachts 10 Uhr. Nachdem mein Programm gemacht war, ging ich in’s Theater, um mich meinen Sängern vorzustellen. Der Director Legler empfing mich mit offenen Armen, das schon costümirte Personal nicht minder Titus war „elemente“, Vitellia lächelte herablassend, Sextus im Tricot (also günstiger für die Entfernung berechnet) näherte sich mir demungeachtet und erinnerte mich daran, dass wir uns schon aus Wien kennen. Wer aber fällt mir als Chordirector in die Arme? Hummel’s Sohn, der mir gleich seine Dienste als Accompagnateur anbot. Ueber hiesige Familien und meine gute Aufnahme bei ihnen übermorgen mündlich. O wie schön!. [AML II, 119-120.]

Reviews

Münchener Tagblatt (October 30, 1844): 1323.

…Aus Stuttgart, wo derselbe so wie in Augsburg die brillantesten Triumphe feierte, wird unter anderm geschrieben. Den einzigen interessanten Stoff in der Kunstwelt bietet uns gegenwärtig der Name „Moscheles“, der heute Samstag sein zweites Conzert im Lokale des obern Museums gibt, nachdem wir ihn vor acht Tagen (bei aufgehobenem Abonnement) im K. Hoftheater zum Erstenmal bewunderten.

Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt für Kunst, Literatur, und geselliges Leben (November 9, 1844): 1108.

(Moscheles.) nachdem er zwei Mal in Stuttgart und zwei Mal in Augsburg mit großem Beifalle sich hören ließ…

Allgemeine Wiener Musik-Zeitung (November 16, 1844): 552.

[Stuttgart, im November]…Moscheles hat nach einer langjährigen Ruhe sich aufgerafft und den Continent wieder betreten. Er fand, wie allenthalben, so auch hier in zwei Konzerten eine sehr warme Aufnahme.