13 March 1820

Ninth Subscription Concert

 

Munich

Programme

*AriaMlle MetzgerRossini
*AriaSignor RubiniRadicati
*Clarinet ConcertoMr. SchottSchott
*Piano Variations on a Folk SongMr. MoschelesMoscheles
*Violin Concerto in D minorMr. MoliqueSpohr
Part I  
Overture, Cyrus und Astyages Mosel
Part II  
Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
Principal Vocalists: Mlle Metzger; Signor Rubini
Principal Instrumentalists: Messrs. Molique, Moscheles, Schott

———————————

Review

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (April 11, 1820): 358-360.

München.

Im 13. März das neunte abonnirte Konzert. Es ward mit der Ouverture aus E zurr Opera: cyrus und Astyages, von Hrn. V. Mosel, eröffnet. Fürwahr ein neuer Stern am östlichen Kunsthorizonte, dessen glänzender Schimmer bisher noch nicht zu uns gedrungen war. Die feyerliche Einleitung, an welche sich das Allegro in verwandtem, gleich besonnenem Style anschließt, stimmt das Gemüth zu großen, ernsten Erwartungen, und steht mit jenem würdig einem Heldenstücke voran. Hr. v. Mosel gab uns hier kein bloßes Aggregat von Ideen, er wußte sie mit strenger Konsequenz durch herrliche Mittelsätze und Verbindungen an einander zu reihen, und so verbunden zur geschlossenen Einheit, breit und originell durchzuführen. Er hat die Instrumente alle in voller Gewalt und verstand sie in schöner, wirksamer Bewegung zu erhalten, damit jedes das Seinige thue, bis alle zuletzt zur kühneren Masse zusammenströmen und mit gewaltigem Schlug das Ganze zu Ende führen. Es ist eine gediegene Arbeit diese Ouvertüre, darin sich Hr. v. Mosel als ein tüchtiger Künstler bewährt hat. Die Ausführung von Seitendes k. Orchesters gelang vollkommen, Hr. v. Mosel selbst müßte lieg bezeugen, hätte er sie mit anhören können.

Hr. Schott gab in seinem Klarinet-Konzerte manchen schönen Beweis der Bärmannischen Schule, vorzüglich im Adagio, darin sein Vortrag am meisten entsprach; doch fehlt ihm der zartere Ton des Meisters, auch wollte die Monotonie seiner Passagen im Allegro, ein ewiges Auf- und Abwogen der Töne, kein rechtes Glück machen.

Hr. Rubini sang eine Arie von Radicati mit großem Beyfalle, dessen er sich, seiner ungemein zarten Stimme wegen, durch die Leichtigkeit seiner Modulationen, womit er einen rührenden Ausdruck zu verbinden weiß, stets zu erfreuen haben wird.

Hr. Moscheles erhöhte die Freude dieses Abends. Wir hatten ihn schon am Sonnabende zuvor in einem kleinen Konzerte auf dem neuen Museums-Saale gehört. In seinem Sextette, seinen beliebten Variationen über den Alexander-Marsch, in einer Kaprice mit Violoncell-Begleitung und in seinen freyen Phantasien über ein gegebenes Thema, gab er uns den ganzen Umfang seines Genies zu erkennen. Das Sextett ist Meisterhaft gearbeitet, die Mannigfaltigkeit in der Bewegung der übrigen Instrumente mit der Hauptstimme ungemein zart, gefällig und wirksam verflochten. Er selbst als Virtuos einzig, unübertroffen. In der schwierigen Kaprice begleitete ihn Hr. Philipp Moralt auf dem Violoncelle wahrhaft con Amore.

Von nicht minder ausgezeichnetem Werths waren die Produktionen des Hrn. Moscheles im Konzerte am 13. Seine Variationen über ein beliebtes Volkslied waren von ganz eigenem Style. In seinen freyen Phantasien am Schlüsse der zweyten Abtheilung zeigte sich wieder Alles neu und originell, als hörte man ihn zum ersten Mahle. Neue Modulationen und Ligaturen, neue Weisen im Vortrage mit neuen Schwierigkeiten und unbegreiflicher Leichtigkeit, Stärke, Reinheit und Präcision ausgeführt. Hr. Moscheles wurde mit dem lautesten Beyfalle belohnt.

Hr. Molque spielte ein Violin-Konzert aus D-moll von Spohr. Spohr’s Kompositionen für die Violine gehören unstreitig zu den besten. Sie sind ein für sich bestehendes Ganzes, planmäßig angelegt und durchgeführt, aber zugleich auch dem Umfange, der Kraft und Wirkung des Instrumentes vollkommen angemessen. Mirtelgedanken, Solo und Ritornelle, alles ist darin zur Einheit verknüpft, keines ist für sich da, sondern Alles zugleich nothwendig zu einem geschlossenen Ganzen. Heut zu Tage Machen es sich viele unserer Virtuosen bequemer. Was sie zu leisten vermögen, das wird zuerst von ihnen selbst in Passagen gebracht und dann, wohl auch von einem Andern, mit Nebengedanken und Tutti so austaffirt, daß es einem Ganzen ähnlich sehen soll. Da will es nun aber oft nicht recht zusammenpassen. Wir müssen es. daher vor Allem an Hrn. Molque rühmen, daß er sich zunächst an Spohr’s treffliche Kompositionen hält.

Die darin vorkommenden Schwierigkeiten überwand er mit spielender Leichtigkeit. Aber auch in dem einfachen Satze müssen wir Molique’s breitem Vortrag, wodurch er mit Vermeidung abgenützter Tyraden und barocker Schnörkel durchaus mehr Gefühl, als Bewunderung zu erregen sucht, als ein ausgezeichnetes Verdienst seines Spieles rühmen.

Mlle. Metzger sang eine Arie von Rossini. Wir freuen uns hier der guten Gelegenheit, einmahl etwas Ausführlicheres über diese, in jeder Hinsicht ausgezeichnete Sängerinn sagen zu können.— Die Natur hat an Mlle. Metzger Alles gethan, um sie zu einer Sängerinn zu bilden, wie wir nur wenige haben. Frühzeitig nahm sie der k. Kapellmeister Ritter von Winter in Pflege und Unterricht, unter dessen Leitung sie bald so ausgezeichnete Fortschritte machte, daß sie zu grossen Erwartungen Anlaggab, und Winter schon, als sie in München kaum eine Probe ihrer Geschicklichkeit abgelegt hatte, mit ihr eine Kunstreise nach Italien unternahm. In Mayland trat sie zuerst mit großem Beyfalle auf, doch in Genua stieg ihr Ruhm auf die höchste Stufe. Schwerlich dürfte je eine deutsche Sängerinn in Italien so viel Glück gemacht, so ausgezeichnete Ehren genossen haben, als Mlle. Klara Metzger*).

Seit jener Zeit ist nun Mlle. Metzger in unserer Mitte, und die Lust der deutschen Oper und des Konzertes. Ihre Stimme umfange über zwey volle Oktaven (vom tiefen G bis in’s hohe G). Doch nicht in diesem Umfange liegt der wesentliche Vorzug; es ist vielmehr ihr Ton und dessen ganz eigenes Metall, was sie vor den meisten Sängerinnen auszeichnet. Eine unbeschreibliche Leichtigkeit des Vortrages, der zwischen edler Einfachheit und geschmackvoller Rüancirung, ohne Überladung der Töne, ein glückliches Mittel hält; der reinste, sicherste Anklang aller Töne, der zarte Übergang aus ihrer sonoren Tiefe bis zur höchsten Höhe bey durchaus vollem, rundem Klange der Stimme, die Deutlichkeit der Deklamation, die richtige Betonung jeder Sylbe, das Alles find die Früchte des Unterrichts und ihres eigenen Fleißes. So dringt sie stets im rührendsten Ausdrucke der Empfindung tief in die Seele ein, und kein Herz vermag diesem Zauber zu widerstehen.

Den Schluß des Sangen machte Hrn. Moscheles ländliche Ouverture. Ein erfreuliches Tongebilde, darin das Muntere mit dem Besonnenen, das Zarte mit dem Großen und Kräftigen in glänzenden Gegensätzen meisterhaft durchgeführt ist.

*) Nebst mehreren deutschen Sängerinnen, welche früher in Italien ausgezeichnet wurden, hatte vorzüglich Dlle. Bäfer sich außevorentlicher Ehrenbezeigungen in Rom und Reapel zu erfreuen.

11 March 1820

Ignaz Moscheles’ Fourth Concert

 

Munich: Gesellschaft des Museums—Saale

Tickets: 1 florin, 12 kreuzer

Programme

Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
Grand Piano Variations on a Military
March (Alexander Variations)
Mr. MoschelesMoscheles
[Grand Sextuor for Piano, Violin, Flute,
Two Horns and a Violoncello (Op.35)]
Mr. Moscheles, [?], [?], [?],
[?], Mr. Moralt
Moscheles
Principal Instrumentalists: Messrs. Moralt, Moscheles

———————————

Advertisements

Baierische National-Zeitung (March 8, 1820): 236.

Künftigen Sonnabend den 11. März 1820 wird Hr. Ignaz Moscheles, Klavierspieler und Kompositeur aus Wien die Ehre haben, mit gütiger Genehmigung der Gesellschaft des Museums in ihrem neuen Saale eine musikalische Abendunterhaltung zu geben.

Der Anschlagzettel wird das Nähere mitthellen.

Eintritts-Karten à 1 fl. 12 kr., sind sowohl bei dem Hrn. Sekretär des Museums im Museums-Gebäude, als auch in Her Wohnung des Hrn. Moscheles in der Kühgasse im gräflich Waldkirchischen Hause Nro. 524… über eine Stiege zu haben.

Baierische National-Zeitung (March 10, 1820): 240.

[Same as issued in Baierische National-Zeitung on March 8]

Baierische National-Zeitung (March 11, 1820): 246.

[Same as issued in Baierische National-Zeitung on March 8]

Reviews

Baierische National-Zeitung (March 13, 1820): 251.

(München.) Concert. Hr. Ignaz Moscheles, Clavierspieler und Compositeur aus Wien, welcher sich in seinem frühern Concert im großen k. Theater allgemeinen Beifall erworben hatte, gab am verflossene Sonnabend den 11. März ein zweites Concert im Saale des Museums, das sehr zahlreich besucht war. Dieser interessante Künstler, der mit einer außer ordentlichen Geschickligkeit eine große Bescheidenheit vereinigt, wurde auch diesesmal in seinen verschiedenen Vorträgen auf dem Pianoforte mit dem allgemeinsten Beifall und mit Bewunderung gehört. Es ist schwer auf diesem Instrument so viel allgemeine Theilnahme zu erregen, als durch Virtuosität auf manchem andern, aber Hr. Moscheles hat das Geheimniß gefunden, mit seinen schmeichelnden Tönen das Ohr zu bezaubern, und das Gefühl des Herzens zu wecken. Er wird überall, wo er die Töne seines Instrumentes anschlägt, eine günstige Aufnahme finden, wie er sie hier gefunden hat, wo alle Freunde der Kunst ihn mit Vergnügen hörten.

Baierische National-Zeitung (March 24, 1820): 292.

Der Unterzeichnete, dem die gütige Aufnahme, die er in hiesiger Residenz-Stadt gefunden hat, immer unvergeßlich bleiben wird, stattet hiermit den Mitgliedern der königlichen Hof-Kapelle, welche die Güte hatten, seine öffentlichen Produktionen zu unterstüzen, seinen innigsten Dank ab, und versichert, daß, wenn seine hohe Achtung vor dieser so berühmten Kapelle noch einen höhern Grad erreichen könnte, sie durch die Gefälligkeit und Bereitwilligkeit gesteigert werden müßte, mit der ein so vortreffliches Ganze und so würdige einzelne Talente dem fremden Kunstverwandten freundlich an die Hand gehen.

München den 23. März 1819.

Ignaz Moscheles,

Klavierspieler und Kompositeur

aus Wien

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (March 25, 1820): 197-199.

[See Concert 23 February 1820]

Den 16. März 1820

….Recht sehr freut es mich, dass ich meine Correspondenz gleich mit Mittheilungen über einen höchst ausgezeichneten Künstler beginnen kann. Dieser Künstler ist Ihr achtungswerther Landsmann, der berühmte Clavierspieler Herr Ignaz Moscheles.—Wir haben diesen durch ausgezeichnetes Talent und bescheidenes Benehmen gleich liebenswürdigen jungen Mann, nachdem er die Ehre gehabt hatte, im Cabinet Ihrer königl. Majestäten zu spielen, in vier öffentlichem Concerten, und mehreren Privat Zirkeln gehört, und es wäre schwer zu bestimmen, ob der Anmuth oder dem Brillanten seines Vortrages der Preiss zuerkannt werden soll!

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (April 11, 1820): 358-360.

München.

…Hr. Moscheles erhöhte die Freude dieses Abends [13 March 1820]. Wir hatten ihn schon am Sonnabende zuvor in einem kleinen Konzerte auf dem neuen Museums-Saale gehört. In seinem Sextette, seinen beliebten Variationen über den Alexander-Marsch, in einer Kaprice mit Violoncell-Begleitung und in seinen freyen Phantasien über ein gegebenes Thema, gab er uns den ganzen Umfang seines Genies zu erkennen. Das Sextett ist Meisterhaft gearbeitet, die Mannigfaltigkeit in der Bewegung der übrigen Instrumente mit der Hauptstimme ungemein zart, gefällig und wirksam verflochten. Er selbst als Virtuos einzig, unübertroffen. In der schwierigen Kaprice begleitete ihn Hr. Philipp Moralt auf dem Violoncelle wahrhaft con Amore.

9 March 1820

Ignaz Moscheles’ Third Concert

 

Munich

Programme

Piano and Violoncello PotpourriMessrs. Moscheles, Moralt
Free Piano Fantasia, incl. a theme by RossiniMr. Moscheles
Principal Instrumentalists: Messrs. Moralt, Moscheles

———————————

Charlotte: Moscheles beginnt das Jahr in Wien, von wo aus er sich zunächst nach München wendet. Er betheiligt sich dort an grösseren Aufführungen und lässt dann selbst zwei Concerte folgen. Seine Briefe [Empfehlungsschreiben] führen ihn beim Prinzen Eugen von Leuchtenberg und bei Hofe ein. Der alte König Max ist gut und liebenswürdig gegen ihn; erst hat er Audienz, dann spielt er vor den Majestäten im Hofzirkel, wird nochmals in einer Audienz empfangen und mit einem Brillantring beschenkt. Eine Nadel mit einem brillantenem E. auf grünem von Brillanten eingefassten Grunde (ein Geschenk des Prinzen von Leuchtenberg) wird noch mit Pietät bewahrt. [AML I, 37-38.]

Reviews

Münchener politische Zeitung (March 10, 1820): 285-286.

München, den 9. März. Mr. Moscheles, Klavierspieler und Compositeur aus Wien, hatte am 1 d. M. das Glück, sich in einem Hofkonzerte vor JJ. KK Majestäten und der Königl. Familie hören zu lassen. Seine Variationen über den Alexander Marsch haben den seinem leßten großen Konzerte auch dem allerhöchsten Hofe so sehr gefallen daß er sie an diese Abend wiederholen mußte. Nach einem Potpourri für das Klavier und das Violoncell, welches von ihm und Hrn. Moralt meisterhast vorgetragen wurde, erhielt Hr. Moscheles von J. Maj. der Königin ein Thema von Rossini, worüber er auf der Stelle eine freye Phantasie spielte und somit die günstige Meynung rechtsertigte, die man von ihm als überaus erfindungsreichen Compositeur mit so vielem Recht hegte. Se. Majestät der König hatten die Gnade, dem ausgezeichneten Künstler zum Beweise Ihrer allerhöchsten Zufriedenheit einen sehr Kostbaren Brillantring durch den Konigl. Hofmusik-Intendanten Irenherrn v. Rummling, zustellen zu lassen.

Er wird unserin Musikliebenden Publikum angenehm, senn zu vernehmen, daß Mr. Moscheles nächsten Samstag Abends im neuen Museums-Saale eine musikalische Akademie geben und unter andern auch die beliebten Variationen über den Alexander-Marsch wieder spielen wird.

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (March 25, 1820): 197-199.

[See Concert 23 February 1820]

Musikalischer Bericht aus München.

Den 16. März 1820

….Recht sehr freut es mich, dass ich meine Correspondenz gleich mit Mittheilungen über einen höchst ausgezeichneten Künstler beginnen kann. Dieser Künstler ist Ihr achtungswerther Landsmann, der berühmte Clavierspieler Herr Ignaz Moscheles.—Wir haben diesen durch ausgezeichnetes Talent und bescheidenes Benehmen gleich liebenswürdigen jungen Mann, nachdem er die Ehre gehabt hatte, im Cabinet Ihrer königl. Majestäten zu spielen, in vier öffentlichem Concerten, und mehreren Privat Zirkeln gehört, und es wäre schwer zu bestimmen, ob der Anmuth oder dem Brillanten seines Vortrages der Preiss zuerkannt werden soll!

….Stimmen so sehr für sich, dass er von da an [nach den erste Konzert], jedes mahl wenn er spielte, von dem gesammten Publicum, schon ehe er sich an’s Instrument setzte, mit rauschendem Beyfalle empfangen wurde; und wenn gleich eine solche ehrende Aufnahme die Begeisterung des Künstlers auf’s Höchste spannt, so ist doch nicht zu läugnen, dass sie auch die Erwartungen der Zuhörer höher stellt, und es daher eine schwere Aufgabe für den Vortragenden wird, solchen stets gesteigerten Erwärtungen in die Länge zu genügen.

Herrn Moscheles gelang es, diese Aufgabe auf die befriedigendste Art zu lösen, und nicht nur in  vier öffentlichen Concerten sich in gleichem Beyfalle zu erhalten, sondern im dritten abonirten Concerte, wo er dem Vernehmen nach zum letzten Mahle spielte, diesen Beyfall durch den Vortrag einer freyen Phantasie zu einem Enthusiasmus zu steigern, dessen nur wenige ausübende Künstler sich in solchem Masse hier zu erfreuen gehabt haben mögen.

Diese Phantasie erfüllte aber auch nicht nur all sich alle Bedingungen, welche die strengste Kritik machen kann, sondern war noch überdiess in Beziehung auf Anmuth, Feuer und Präcision des Vortrages zu dem Vollendetsten zu rechnen, was je auf diesem Instrumente gehört worden seyn mag.

n.d. ii) February/March 1820

Ignaz Moscheles’ Second Concert

 

Munich

Programme

Piano PieceMr Moscheles 
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

———————————

Charlotte: Moscheles beginnt das Jahr in Wien, von wo aus er sich zunächst nach München wendet. Er betheiligt sich dort an grösseren Aufführungen und lässt dann selbst zwei Concerte folgen. Seine Briefe [Empfehlungsschreiben] führen ihn beim Prinzen Eugen von Leuchtenberg und bei Hofe ein. Der alte König Max ist gut und liebenswürdig gegen ihn; erst hat er Audienz, dann spielt er vor den Majestäten im Hofzirkel, wird nochmals in einer Audienz empfangen und mit einem Brillantring beschenkt. Eine Nadel mit einem brillantenem E. auf grünem von Brillanten eingefassten Grunde (ein Geschenk des Prinzen von Leuchtenberg) wird noch mit Pietät bewahrt. [AML I, 37-38.]

Review

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (March 25, 1820): 197-199.

Musikalischer Bericht aus München.

Den 16. März 1820

….Recht sehr freut es mich, dass ich meine Correspondenz gleich mit Mittheilungen über einen höchst ausgezeichneten Künstler beginnen kann. Dieser Künstler ist Ihr achtungswerther Landsmann, der berühmte Clavierspieler Herr Ignaz Moscheles.—Wir haben diesen durch ausgezeichnetes Talent und bescheidenes Benehmen gleich liebenswürdigen jungen Mann, nachdem er die Ehre gehabt hatte, im Cabinet Ihrer königl. Majestäten zu spielen, in vier öffentlichem Concerten, und mehreren Privat Zirkeln gehört, und es wäre schwer zu bestimmen, ob der Anmuth oder dem Brillanten seines Vortrages der Preiss zuerkannt werden soll!

n.d. i) February 1820

Ignaz Moscheles’ Performance for the Court

 

Munich: At the Court

———————————

Charlotte: Moscheles beginnt das Jahr in Wien, von wo aus er sich zunächst nach München wendet. Er betheiligt sich dort an grösseren Aufführungen und lässt dann selbst zwei Concerte folgen. Seine Briefe [Empfehlungsschreiben] führen ihn beim Prinzen Eugen von Leuchtenberg und bei Hofe ein. Der alte König Max ist gut und liebenswürdig gegen ihn; erst hat er Audienz, dann spielt er vor den Majestäten im Hofzirkel, wird nochmals in einer Audienz empfangen und mit einem Brillantring beschenkt. Eine Nadel mit einem brillantenem E. auf grünem von Brillanten eingefassten Grunde (ein Geschenk des Prinzen von Leuchtenberg) wird noch mit Pietät bewahrt. [AML I, 37-38.]

Letter: Ignaz Moscheles to Mme Rosalide de Levy

Munich, 26 February 1820.

Schätzenswertheste Frau!

Verehrte Freundinn!

….Die Umstände mit der Mordthath im Paris, und einer kleinen Unpässlichkeit des Königs (von Bayern) waren Ursache dass ich nicht vorher bey Hof spielte…Ich bliebe nur noch eine kurze Zeit hier, um ab zu warten ob ich nicht einem Hof-Konzerte eingeladen werde; zu Einem 2te Konzerte wurde ich zwar von Vielen aufgefordert, ich werde es aber nicht geben wen ich nicht vorher bey Hof gespielt habe

[See Concert 23 February 1824 for the complete letter]

[H. R.]

23 February 1820

Ignaz Moscheles’ First Concert

 

Munich: Königliche Hof- und Nationaltheater

Programme

Part I  
Overture Moscheles
Piano Polonaise in E flat major with
Orchestral Accompaniments
Mr. MoschelesMoscheles
  
AriaMiss RegerPäer
Grand Piano Variations on a Military March with
Orch. Accomp. (Alexander Variations)
Mr. MoschelesMoscheles
Part II  
Clarinet VariationsMr. BaermannBaermann
TrioSignors Ronconi,
Rubini, Zuccoli
Cimarosa
Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
Principal Vocalists: Miss Reger;Signors Ronconi, Rubini, Zuccoli
Principal Instrumentalists: Messrs. Baermann, Moscheles

———————————

The Piano Polonaise was later added as the third movement ‘Allegretto. Tempo di polacca’ Moscheles’ Piano Concerto No.2 in E flat major.

———————————

Charlotte: Moscheles beginnt das Jahr in Wien, von wo aus er sich zunächst nach München wendet. Er betheiligt sich dort an grösseren Aufführungen und lässt dann selbst zwei Concerte folgen. Seine Briefe [Empfehlungsschreiben] führen ihn beim Prinzen Eugen von Leuchtenberg und bei Hofe ein. Der alte König Max ist gut und liebenswürdig gegen ihn; erst hat er Audienz, dann spielt er vor den Majestäten im Hofzirkel, wird nochmals in einer Audienz empfangen und mit einem Brillantring beschenkt. Eine Nadel mit einem brillantenem E. auf grünem von Brillanten eingefassten Grunde (ein Geschenk des Prinzen von Leuchtenberg) wird noch mit Pietät bewahrt. [AML I, 37-38.]

Letter: Ignaz Moscheles to Mme Rosalide de Levy

Munich, 26 February 1820.

Schätzenswertheste Frau!

Verehrte Freundinn!

Dieser Zeiten schreibe ich im Gefühle der höchsten Zufriedenheit in der ich mich hier befinde. Alles hat sich bis jetzt vereint, am mir den Aufenthalt in München angenehm zu machen. Zu diesem glücklichen Zustande haben Ihre Briefe das Meiste bey getragen. Das Haus der Herren Kaula beithet Alles auf um mir zu beweisen welche Wichtigkeit Sie in eine Empfehlung von Ihnen legen. Ich wohne bey Ihnen, und geniesse allen Lebensbedarf, mit einer unbeschreiblichen Gastfreundschaft.

Meine Briefe verschafften mir bald entrée in den ersten Häusern, und ganz unewartet bekam ich durch [*] der königlichen Hofmusik die Erlaubniss im neunen Hoftheater ein Konzert zu meinem Vortheile zu geben.

Die Umstände mit der Mordthath im Paris, und einer kleinen Unpässlichkeit des Königs (von Bayern) waren Ursache dass ich nicht vorher bey Hof spielte. Jedoch waren die Königinn, die Prinzen und Prinzessinner und der Prinz Eugéne im Konzerte. Wie es von meiner Seite ausfield muss ich schon den Urtheile anderer Bericht-Abstatter überlassen, nur bemerke ich dass ich entzückt und begeistert war von einem Vereine der ausgezeichnetesten Künstler, umgeben, und begleitet zu seyn. Das Haus selbst, welchem an Majestät schwerlich ein Theater gleich komt trug viel zu meine Begeisterung bey. Die berühmte Dell Mazger sollte in meinem Konzerte singen, ist aber durch einen Karthar davon abgehalten gewesen.

Ich bliebe nur noch eine kurze Zeit hier, um ab zu warten ob ich nicht einem Hof-Konzerte eingeladen werde; zu Einem 2te Konzerte wurde ich zwar von Vielen aufgefordert, ich werde es aber nicht geben wen ich nicht vorher bey Hof gespielt habe.

Geschützteste Freundinn! ich sehe jetzt um so Sehnsuchtsvoller einer Nachricht von Ihnen entgegen, weil ein Gericht hier verbreitet, das die veränderlich Jahreszeit in Wien manche Uebel nach sich ziehe.

Das Beste hoffend verbleibe ich Hochachtungsvoll

Ihr Ergebeuster Freund

I Moscheles.

[H. R.]

Advertisements

Baierische National-Zeitung (February 19, 1819): 176.

Herr Ignaz Moscheles, Klavierspieler und Kompositeur aus Wien wird die Ehre haben, künftigen Mittwoch den 23. Februar 1820 ein großes Vokal-und Instrumental-Konzert im neuen k. Hoftheater zu geben. Des Anschlagzettel wird das Nähere anzeigen.

München den 19. Febr. 1820.

Baierische National-Zeitung (February 21, 1819): 180.

[Same as issued in Baierische National-Zeitung on February 19]

Baierische National-Zeitung (February 22, 1819): 180.

[Same as issued in Baierische National-Zeitung on February 19]

Reviews

Münchener politische Zeitung (February 26, 1820): 229.

München, den 25. Febr. Hr. Moscheles hatte in seinem am vorigen Mittwoch im neuen königl. Hoftheater stattgehabten großen Vokal- und Instrumental-Konzerte die Erwartungen, die wir uns von ihm als fast einzigen? Klavierspieler und ausgezeichneten Kompositeur machten, nicht nur befriedigt, er hat sie übertroffen. Eine solche Stärke im Großen und dann wieder ein solcher Zauber im Lieblichen und Zarten, ein so inniger, seelenvoller Ausdruck, eine solche Präcision und Gewandtheit schienen uns noch durch keinen Künstler auf diesem Instrumente hervor gebracht worden zu seyn. Dazu kommt noch der wahrhaft dichterische Geist seiner Kompositionen, die, voll origineller Phantasieen, uns bald zur Bewunderung hinreißen, bald mit süßer Rührung erfüllen und in keiner Hinsicht die vom Künstler beabsichtigte Wirkung verfehlen. Von dieser Art waren vorzüglich die Variationen über den Alexander-Marsch und die Phantasie. Der Beyfall, der ihm geworden, konnte nicht glänzender mehr seyn und mußte auch diesem Künstler die Ueberzeugung gewähren, daß den wahren Genie bey unserin kunstsinnigen Publikum die verdiente Huldigung niemals entgehe.—Würdig zu einem solchen Genuß auch das Seinige benzutragen, war Hrn. Bärmanns meisterhaftes, unübertreffliches Spiel auf der Klarinette, welches gleichfalls den rauschendsten Beyfall erhielt, und es war nicht unangenehm, zur Abwechslung auch ein paar Gesangstücke recht gelungen von einigen-Sängern vortragen zu hören.

Baierisches National-Blatt (March 1, 1820): 137-138.

Am 23. Februar hatten wir das Vergnügen, den hochgepriesenen Klavierspieler, Herrn Moscheles, im Königl. neuen Hoftheater zu hören. Der Ruf, welcher ihm vorausgieng, hatte unsere Erwartung schon hoch, man kann sagen, außerordentlich hoch gespannt, und wir freuten uns, daß wir nicht getäuscht wurden; denn die Kunstfertigkeit des Herrn Moscheles erregte volle Bewunderung, so wie die Art und der Ausdruck im Vortrage allerdings den Meister bewährt, wenn wir auch nicht das Urtheil unterzeichnen, daß Er der erste. Klavierkünstler seyn soll, und nicht auch andere – selbst hierorts—im seelevollen [sic] Spiel so viel und vielleicht mehr leisten möchten als er. Besondern Genuß gewährte die Ouverture von seiner Composition durch kunstreiche Ausführung, vortreffliche Instrumentirung und das Gepräge einer heitern, klaren Phantasie, gleich den übrigen Produktionen seiner Schöpfung, wobey wir jedoch nicht unbemerkt lassen können, daß im Concerte selbst die Neuheit der Instrumenten-Verbindung und des Satzes sich als gesucht leicht offenbarte.

Diese musikalische Unterhaltung verschönte noch Dem. Reger durch eine Arie von Paer, die sie mit einem—unüberladenen—reinen, gefälligen Gesange vortrug, und gab neuerdings die treffliche Schule zu erkennen, aus der sie her vorgieng.

Herr Bärmann riß uns, obgleich sein Instrument sich anfangs widerspenstig zeigte, dennoch wieder durch den Schmelz seiner Töne hin.

Zu beklagen war übrigens an diesem Abende, daß, nicht unwahrscheinlich veranlaßt durch das Terzett der zweyten Abtheilung, welches unbefriedigt lassen mußte, schon unter dem Spiele des Alexander-Marsches, einer auszeichnenden Kunst fertigkeit im Vortrage, am Schluße der ersten Abtheilung Unruhe durch Abgehende entstanden ist, die gewiß geblieben wären, hätte man statt jenes Terzetts eine ausgezeichnete Symphonie zum Schluße gewählt.

Iden.

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (March 8, 1820): 158-160.

Musikalischer Bericht aus München *).

Der uns durch seinen Ruf und seine Werke schon längst auf die vortheilhafteste Art bekannte Virtuose auf dem Pianoforte, Herr Moscheles aus Wien, hat uns endlich vorige Mittwoche den 23. Februar im neuen Theater ein grosses Concert gegeben, und den Genuss ihn zu hören gewährt. Schon erfüllte sein Lob jeden Mund; es war nur von ihm die Rede in den brillantesten Zirkeln unserer Residenz, zu welchen seine Empfehlungen dem seltenen Künstler den Eintritt gebahut hatten; doch wurden unsere sehr hoch gespannten Erwartungen nicht allein erfüllt, sondern selbst auf das Angenehmste über troffen. Die Intendanz der königl. Hofmusik bewies ihre gewohnte, preiswürdige Liberalität, indem sie für diesem Abend das neue Hof-und National-Theater Herrn Moscheles überliess, und I. I. M. M. beehrtem diess hohe Musik-Fest mit ihrer Gegenwart. Ein gewähltes, zahlreiches Publicum hatte sich auch eingefunden; die Versammlung war glänzend, die Einnahme ergiebig.

Hier die Bestandtheile des Concertes. Erste Abtheilung. Grosse Ouverture von Moscheles. Concert-Polonaise für das Pianoforte mit Orchester-Begleitung, componirt und vorgetragen vom Concertgeber. Arie von Paer, gesungen von Mlle. Reger. Variationen über den Alexander-Marsch, componirt und vorgetragen von Moscheles. Zweyte Abtheilung. Variationen für die Clarinette, componirt und vor getragen von Bärmann. Terzett von Cimarosa, gesungen von den Herrn Rubini, Ronconi und Zuccoli, und zum Schlusse eine freye Phantasie auf dem Pianoforte, gespielt von Moscheles.

Statt meines Urtheiles darüber, sende ich Ihnen, Verehrtester, folgenden in unserer politischen Zeitung enthaltenen Ausspruch über den trefflichen Künstler, ich stimme ihm von Herzen bey. „Herr Moscheles hatte in seinem am vorigen Mittwoch im neuen königl. Hof-Theater Statt gehabten grossen Vocal- und Instrumental-Concerte die Erwartungen, die wir uns von ihm als fast einzigem Clavierspieler und ausgezeichnetem Compositeur machten, nicht nur befriedigt, er hat sie übertroffen. Eine solche Stärke im Grossen und dann wieder ein solcher Zauber im Lieblichen und Zarten, ein so inniger, seelenvoller Ausdruck, eine solche Präcision und Gewandtheit schienen uns noch durch keinen Künstler auf diesem Instrumente hervorgebracht worden zu seyn. Dazu kömmt noch der wahrhaft dichterische Geist seiner Compositionen, die, voll origineller Phantasien, uns bald zur Bewunderung hinreissen, bald mit süsser Rührung erfüllen und in keiner Hinsicht die vom Künstler beabsichtigte Wirkung verfehlen. Von dieser Art waren vorzüglich die Variationen über den Alexander-Marsch und die Phantasie. Der Beyfall, der ihm geworden, konnte nicht glänzender mehr seyn, und musste auch diesem Künstler die Überzeugung gewähren, dass dem wahren Genie bey unserm kunstsinnigen Publicum die verdiente Huldigung niemahls entgehe.—Würdig zu einem solchen Genuss auch das Seinige beyzutragen, war Herrn Bärmanns meisterhaftes, unübertreffliches Spiel auf der Clarinette, welches gleich falls den rauschendsten Beyfall erhielt, und es war nicht unangenehm zur Abwechslung auch ein Paar Gesang-Stücke recht gelungen von einigen Sängern vortragen zu hören.”

Mögen wir eines solchen Genusses ja bald wieder theilhaftig werden. Ich werde mich beeilen, Ihnen das Nähere sogleich mitzutheilen. Ihr

W. v. F.

*) Wir beeilen uns, diesen Artikel zur Kenntniss des Publicums zu bringen. Herr Moscheles hat in unsern Mauern seine musikalische Bildung vollendet, er gehört uns an durch vielfach verschlungene Bande; wir können seine künstlerische Laufbahn nur mit dem grössten Interesse verfolgen, und jeder seiner im Auslande errungenen Triumphe ist auch ein Sieg für uns, an dem wir Theil nehmcu müssen.

Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt (March 9, 1820): 120.

München. Hr. Moscheles hatte in seinem am 23. Febr. im neuen königl. Hoftheater Statt gehabten großen Vocal- und Instrumental-Concerte die Erwartungen, die wir uns von ihm als Clavierspieler und ausgezeichneten Compositeur machten, nicht nur befriedigt, er hat sie übertroffen. Eine solche Stärke im Großen und dann wieder ein solcher Zauber im Lieblichen und Zarten, ein so inniger, seelenvoller Ausdruck, eine solche Präcision und Gewandtheit schienen uns noch durch keinen Künstler auf diesem Instrumente hervorgebracht worden zu seyn. Dazu kommt noch der wahrhaft dichterische Geist seiner Compositionen, die, voll origineller Phantasien, uns bald zur Bewunderung hinreißen, bald mit süßer Rührung erfüllen und in keiner Hinsicht die vom Künstler beabsichtigte Wirkung verfehlen. Von dieser Art waren vorzüglich die Variationen über den Alexander-Marsch und die Phantasie. Der Beyfall, der ihm geworden, konnte nicht glänzender mehr seyn und mußte auch diesem Künstler die Überzeugung gewähren, daß dem wahren Genie bey unserm kunstsinnigen Publikum die verdiente Huldigung niemahls entgehe.—Würdig zu einem solchen Genuß auch das Seinige beyzutragen, war Hrn. Bärmann’s meisterhaftes, unübertreffliches Spiel auf der Clarinette, welches gleichfalls den rauschendsten Beyfall erhielt, und es war nicht unangenehm, zur Abwechslung auch ein Paar Gesangstücke recht gelungen von einigen Sängern vortragen zu hören.

Morgenblatt für gebildete Stände (March 21, 1820): 276.

[Korrespondenz aus München, am Ende Februars] …Dem Hrn. Moscheles aus Wien verdanken wir ein vortreffliches Konzert, worin uns dieser große, vielleicht der größte jetz [sic] lebende Künstler auf dem Fortepiano zur Bewunderung und zu einem Beyfalle hinriß, den unser Publikum nur selten hören lässt. Er spielte dreymal. Zuerst eine Konzert-Polonoise mit Orchesterbegleitung, dann Variationen auf den Alexander-Marsch und endlich seine eigene freye Phantasie. Es wird mir schwer zu entscheiden, was ich an seinem Spiele mehr rühmen soll, ob die Präcision des Vertrags, seine ausnehmende Reinheit und Nettigkeit, oder die bewundernswürdige Fertigkeit, die dem Künstler nur ein leichtes Spielscheint. Durch seine Phantasie bewies Hr. M. sein musikalisches Dichtertalent, dem es auch bey dem zweyten Stücke leicht wurde, etwas Bekanntes zu unerwarteter Höhe empor zu heben und zu adeln. Wir hoffen, daß es Hrn. M. gefallen möge, uns den Genuß eines zweyten öffentlichen Konzerts zu geben.

Baierische National-Zeitung (March 13, 1820): 251.

(München.) Concert. Hr. Ignaz Moscheles, Clavierspieler und Compositeur aus Wien, welcher sich in seinem frühern Concert im großen k. Theater allgemeinen Beifall erworben hatte…

Baierische National-Zeitung (March 24, 1820): 292.

Der Unterzeichnete, dem die gütige Aufnahme, die er in hiesiger Residenz-Stadt gefunden hat, immer unvergeßlich bleiben wird, stattet hiermit den Mitgliedern der königlichen Hof-Kapelle, welche die Güte hatten, seine öffentlichen Produktionen zu unterstüzen, seinen innigsten Dank ab, und versichert, daß, wenn seine hohe Achtung vor dieser so berühmten Kapelle noch einen höhern Grad erreichen könnte, sie durch die Gefälligkeit und Bereitwilligkeit gesteigert werden müßte, mit der ein so vortreffliches Ganze und so würdige einzelne Talente dem fremden Kunstverwandten freundlich an die Hand gehen.

München den 23. März 1820.

Ignaz Moscheles,

Klavierspieler und Kompositeur auch

Wien.

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (March 25, 1820): 158-160.

Musikalischer Bericht aus München.

Den 16. März 1820

….Recht sehr freut es mich, dass ich meine Correspondenz gleich mit Mittheilungen über einen höchst ausgezeichneten Künstler beginnen kann. Dieser Künstler ist Ihr achtungswerther Landsmann, der berühmte Clavierspieler Herr Ignaz Moscheles.—Wir haben diesen durch ausgezeichnetes Talent und bescheidenes Benehmen gleich liebenswürdigen jungen Mann, nachdem er die Ehre gehabt hatte, im Cabinet Ihrer königl. Majestäten zu spielen, in vier öffentlichem Concerten, und mehreren Privat Zirkeln gehört, und es wäre schwer zu bestimmen, ob der Anmuth oder dem Brillanten seines Vortrages der Preiss zuerkannt werden soll! Schon im erstem öffentlichen Concerte, welches Herr Moscheles im neuen königl. Hof-Theater gab, gewann derselbe durch den unübertrefflichen Vortrag einer Concert-Polonaise und der eben so lieblichen als brillanten Variationen über den Alexander-Marsch alle. Stimmen so sehr für sich, dass er von da an, jedes mahl wenn er spielte, von dem gesammten Publicum, schon ehe er sich an’s Instrument setzte, mit rauschendem Beyfalle empfangen wurde; und wenn gleich eine solche ehrende Aufnahme die Begeisterung des Künstlers auf’s Höchste spannt, so ist doch nicht zu läugnen, dass sie auch die Erwartungen der Zuhörer höher stellt, und es daher eine schwere Aufgabe für den Vortragenden wird, solchen stets gesteigerten Erwärtungen in die Länge zu genügen.

Herrn Moscheles gelang es, diese Aufgabe auf die befriedigendste Art zu lösen, und nicht nur in  vier öffentlichen Concerten sich in gleichem Beyfalle zu erhalten, sondern im dritten abonirten Concerte, wo er dem Vernehmen nach zum letzten Mahle spielte, diesen Beyfall durch den Vortrag einer freyen Phantasie zu einem Enthusiasmus zu steigern, dessen nur wenige ausübende Künstler sich in solchem Masse hier zu erfreuen gehabt haben mögen.

Diese Phantasie erfüllte aber auch nicht nur all sich alle Bedingungen, welche die strengste Kritik machen kann, sondern war noch überdiess in Beziehung auf Anmuth, Feuer und Präcision des Vortrages zu dem Vollendetsten zu rechnen, was je auf diesem Instrumente gehört worden seyn mag.

In ein Detail dessen einzugehen, was das Spiel des Herrn Moscheles Eigenthümliches hat, würde zu einer unnöthigen Weitschichtigkeit führen, da den meisten Lesern dieser Blätter sein Talent ohne hin bekannt ist, oder bald bekannt werden wird, und es genüge daher zu sagen, dass wir in seinem Vortrage manche Formen von Passagen gefunden haben, die uns ausser ihrer eigenthümlichen Schön heit auch durch den Reitz, der vollkommenstem Neuheit mächtig anzogen.

Ausser den Clavier-Compositionen dieses Künstlers, die ohnehin allgemein bekannt und mit Recht geachtet sind, haben wir auch noch zwey Ouverturen von ihm gehört, welche beyde beyfällig auf genommen wurden, und von reicher Phantasie, Besonnenheit in Anlage des Planes, und einer nicht gewöhnlichen Kenntniss der Harmonie zeugen.

Herr Moscheles wird uns dem Vernehmen nach bald verlassen, um seine weitere Reise fortzusetzen, aber das Andenken an die köstlichen Genüsse, die uns sein Talent verschafft hat, wird nicht in uns erlöschen, und auch er wird sich hoffentlich immer freundlich einer Stadt erinnern, in der er eine eben so ehrenvolle als verdiente Aufnahme gefunden hat.

Von dem Zustande und dem Wirken unserer beyden Opernbühnen, von den grossen abonirten Concerten, von unsern Kirchenmusiken, und von dem Sinne der Bewohner Münchens für die Musik überhaupt, werde ich Ihnen in künftigen Berichten Nachricht geben.

Freyherr von Poissl.

Oesterreichischer Beobachter (March 12, 1820): 352.

Hr. Moscheles, welcher gegenwärtig auf einer Kunstreise durch Deutschland nach Frankreich und England begriffen ist, hat sich in München hören lassen, und allgemeinen Beifall und Bewunderung eingeerntet. Münchener Blätter vom 25. Febr. melden darüber Folgendes: „Hr. Moscheles hatte in seinem am vorigen Mittwoch im neuen königl. Hoftheater Statt gehabten großen Vocal- und Instrumental-Concerte die Erwartungen, die wir uns von ihm als fast einzigen Clavierspieler und ausgezeichneten Compositeur machten, nicht nur befriedigt, er hat sie übertroffen. Eine solche Stärke im Großen, und dann wieder ein solcher Zauber um Lieblichen und Zarten, ein so inniger, seelenvoller Ausdruck, eine solche Präcision und Gewandtheit schienen uns noch durch keinen Künstler auf diesem Instrumente hervorgebracht worden zu seyn. Dazu kommt noch der wahrhaft dichterische Geist seiner Compositionen, die, voll origineller Phantasien, uns bald zur Bewunderung hinreißen, bald mit süßer Rührung erfüllen, und in keiner Hinsicht die vom Künstler beabsichtigte Wirkung verfehlen. Von dieser Art waren vorzüglich die Variationen über den Alexander-Marsch und die Phantasie. Der Beifall, der ihm geworden, konnte nicht glänzender mehr seyn, und mußte auch diesem Künstler die Überzeugung gewähren, daß dem wahren Genie bei unserm kunstsinnigen Publicum die verdiente Huldigung niemals entgehe.—Würdig zu einem solchen Genuß auch das Seinige beizutragen, war Hrn. Bärmanns meisterhaftes, unübertreffliches Spiel auf der Klarinette, welches gleich falls den rauschendsten Beifall erhielt, und es war nicht unangenehm, zur Abwechslung auch ein Paar Gesang stücke recht gelungen von einigen Sängern vortragen zu hören.”—Hrn. Moscheles ward auch das Glück zu Theil, bei Hofe vor Ihrer Maj. der Königinn zu spielen, und mit einer kostbaren Dabatiere beschenkt zu werden.

Oesterreichischer Beobachter (April 9, 1820): 462.

Der berühmte Tonkünstler Hr. J. Moscheles, welcher in München von der königlichen Familie mit Gnadenbezeugungen überhäuft, und vom Publicum mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommen wurde, seßte seine Kunstpreise durch Deutschland fort, und hat seinen Plan dahin abgeändert, daß derselbe erst in den Herst-Monaten zu Paris einzutreffen, und inzwischen mehrere der berühmtesten Städte Deutschlands, besonders in den Rhein – Gegenden, und dann die Niederlande zu besuchen gedenkt.

Allgemeine musikalische Zeitung (April 19, 1820): 266-267.

Nach ihm (23sten Februar) Herr Moscheles aus Wien, ein Heros auf seinem Instrumente, dem alle bisher bekannten und nicht bekannten Schwierigkeiten, die man auf dem Pianoforte hervorzubringen vermag, ein Spiel sind. Er bequemt sich nach den Forderungen seiner Zeit. Kein grosses Concert in bisher eingeführter Form! Dafür ein Rondeau im polnischen Styl, Variationen über ein hier bisher wenig bekanntes Thema, Alexandermarsch genannt, mit Doppelgriffen, Octavengängen und andern Kunstsachen, die manches Zuhörers Begriffe über ihre mögliche Ausführung überstiegen. Der Triumph seiner Kunst! Endlich eine freye Phantasie, vielleicht wegen schon er schöpfter Kunstanstrengung weniger interessant. Oft hob der Künstler seine Hand über die Tastatur des Instrumentes hoch empor, um den also hervorgebrachten Tönen mehr Schwungkraft zu geben: eine Spielart, welche man auch an Vogler, Maierbeer [sic], Carl Maria von Weber, und auch an Almeida, einem Portugiesen, der vor mehret Jahren hier durchkam. (denn Hrn. Dussek führte sein Gestirn nie in unsere Gegend), nicht immer wohlgefällig bemerken wollte; doch kam auch wieder vieles vor, eben so zart und geschmackvoll gespielt, als man es von dem ungefähr vor zwanzig Jahren hier anwesenden Herrn Cramer aus London gehört hatte, dessen gebundener, gesangnachahmender zusammenhängender Vortrag noch Vielen im Gedächtnisse ist, welche auch meinen, dass die Kunst, das Pianoforte zu behandeln, wenn gleich vielfach vorgeschritten, doch dem guten Geschmack und der Natur des Instrumentes seitdem nicht näher gekommen. Die Ouverture dieses glänzenden Concertes war von Hrn. Moscheles selbst componirt: ein schöner Beleg seiner gründlichen Kenntnisse in der Tonsetzkunst. Er sollte nicht säumen, durch mehre Arbeiten dieser Art sieh hervorzuthun.