3 December 1846

Eighth Abonnement Concert

Leipzig: Gewandhaus

Time: Evening, Half Past Seven o’Clock

Programme  

Part I  
Symphony No.8 in F major Beethoven
AriaMiss SchlossSacchini
Piano Concerto No.3 in C minorMr. MoschelesBeethoven
Part II  
Overture, Idomeneo Mozart
Motet, ‘Ave verum corpus’ChoirMozart
Overture and scenes, AlcesteSolos: Miss Vogel, Mr. SalomonGluck
Principal Vocalists: Miss Schloss
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles
Conductor: Mr. Felix Mendelssohn

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Moscheles [17 February 1847]: Im Gewandhaus hatte ich aus Gefälligkeit für die Direction gespielt, Was ich dadurch bewies, dass ich das Honorar zurückschickte und dem Pensionsfonds bestimmte, auch in der Kammermusik hatte man mich gehört, das ist genug. [AML II, 170.]

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Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 1, 1846): 3773.

Achtes.

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Donnerstag den 3. December 1846.

Erster Theil: Symphonie von Beethoven. F dur (Nr. 8).—Arie von Sachini, gesungen v. Frl. Schloss.—Concert für Pianoforte von Beethoven (C moll), vorgetragen von Hrn. Professor Moscheles.

Zweiter Theil. Ouverture zur Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart.—Ouverture, Introduction, Scenen und Chöre aus dem ersten Acte der Oper Alceste von Gluck.

Die Ausführung der Chöre hat eine Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore gütigst übernommen.

Billets à 2/3 Thlr. sind in der Musikalien-Handlung von Fr. Kistner, bei dem Castellan im Gewandhause und am Eingange des Saales zu haben.

Das neunte Abonnement-Concert ist Donnerstag den 10. December 1846.

Einlass 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr. Ende 1/2 9 Uhr.

Die Concert-Direction

Leipziger Zeitung (December 1, 1846): 6066.

Achtes.

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Donnerstag den 3. December 1846.

I. Theil.

Symphonie von L. van Beethoven. F dur (Nr. 8).—Arie gesungen von Frl. Schloß.—Concert für Pianoforte (C moll) von L. v. Beethoven, vorgetragen vom Hrn. Professor Moscheles.

II. Theil.

Ouverture zu Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart. —Ouverture und mehrere Scenen aus dem ersten Act der Oper Alceste von Gluck.

Die Ausführung der Chöre hat eine Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore gütigst übernommen.

Billets à 2/3 Thlr. sind in der Musikalienhandlung von Fr. Kistner, bei dem Castellan im Gewandhause und am Eingange des Saales zu haben.

Das 9. Abonnement-Concert ist Donnerstag den 10. December 1846.

Einlaß 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr. Ende 1/2 9 Uhr.

Die Concert-Direction.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 3, 1846): 3794.

Achtes.

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Donnerstag den 3. December 1846.

Erster Theil: Symphonie von Beethoven. F dur (Nr. 8).—Arie von Sachini, gesungen v. Frl. Schloss.—Concert für Pianoforte von Beethoven (C moll), vorgetragen von Hrn. Professor Moscheles.

Zweiter Theil. Ouverture zur Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart.—Ouverture, Introduction, Scenen und Chöre aus dem ersten Acte der Oper Alceste von Gluck.

Die Ausführung der Chöre hat eine Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore gütigst übernommen.

Billets à 2/3 Thlr. sind in der Musikalien-Handlung von Fr. Kistner, bei dem Castellan im Gewandhause und am Eingange des Saales zu haben.

Das neunte Abonnement-Concert ist Donnerstag den 10. December 1846.

Einlass 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr. Ende 1/2 9 Uhr.

Die Concert-Direction

Reviews

Deutsche Allgemeine Zeitung (December 5, 1846): 3006.

Leipzig, 4. Dec. Unser achtes Abonnementconcert am 3. Dec. wurde unter Gade’s Leitung mit Beethoven’s Symphonie Nr. 8 eröffnet, die treflich executirt, den lebhafteften Beifall fand. Fräul. Schloß fang hierauf eine Arie von Sacchini und leistete Vorzügliches. Zum Schlusse dieses Theiles spielte Prof. Moscheles Beethovens herrliches C-moll-Concert; er wurde empfangen und nach jedem Sage rauschend applaudirt. Im zweiten Theile kamen zur Aufführung: Ouverture zu Idomeneo von Mozart, Ave verum corpus, Chor von demselben, endlich Ouverture, Introduction, Scene und Chöre aus dem ersten Arte der „Alcste“ von Gluck, das letztgenannte Werk unter Mitwirkung des Fräul. Vogel, welche ihre schwierige Partie ansprechend fang, des Hrn. Salomon und einer Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore. Das sehr zahlreich besuchte Concert zeichnete sich aus sowol durch die Wahl bedeutender classischer Compositionen wie durch vorzügliche Ausführung, und hinterließ den wohlthuendsten Eindruck.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 5, 1846): 3814.

Achtes Abonnement-Concert

am 3. December.

Gluck’s Name und seine Werke sind für die jetzige Generation fast schon zur Tradition geworden; seine über 50 componirten Opern find alle in Vergessenheit gekommen und (nur vier derselben, Alceste, Armida, Iphigenia in Aulis und Iphigenia in [*] haben sich erhalten, die dem Musiker etwa noch erkannt find und die seinen Ruhm bis auf unsere Zeit fortpflanzen. Die Hoftheater unserer zwei Nachbarstädte, Berlin und Dresden, führen hin und wieder eine dieser genannten Opern auf, müssen aber, da beide Bühnen jetzt einer wirklich geschulten Sängerin ermangeln, die zugleich die Gabe plastischer Darstellung und dramatischer Declamation in sich vereint, davon abstehen. Mad. Schröder-Devrient, die letzte gefeierte Repräsentantin der Iphigenia, entbehrt schon seit längerer Zeit der breiten Tonfüllt, die sie früher besaß und die für Gluck’sche Musik durchaus nothwendig ist, und der Kampf mit ihren jetzigen Stimmmitteln läßt es, trotz ihrer immer noch großen Vorzüge, zum eigentlichen Kunstgenusse nicht mehr kommen. Es flüchtet sich deshalb die verhüllte Muse dieses deutschen Genius, der im jahre 1774 in Paris trotz aller Vorurtheile den Sieg über den damaligen Geschmack für Italienert, unter welchen Piccini sein hauptsächlicher Gegner war, davon trug und dessen Name dann durch ganz Europa schallte, zu Zeiten und gern in Räume eines Concertsaales, da einzelne Bruchstücke wengistens zu Gehör zu bringen. Muß man auch absehen von den großartigen Eindrücken, die eine gesungene theatralische Aufführung genannter Opern hinterläßt, so erfreut man sich an der Wahrheit und Einfachheit der Empfindung, die zugleich in großem Styl gehalten nur noch einmal und zwar in Mozarts Idomeneo wieder zu finden ist, dessen Ouverture den zweiten Theil dieses Concerts begann. Wir sind deshalb der Direction zu Dank verpflichtet, daß sie zum würdigen Schluß des Concerts Ouverture, Introduction, Scene und einige Chöre dieser fast ganz vergessenen Oper Alceste zur Auffu2hrung bringen ließ, an der sich eine Anzahl Dilettanten bezeitwilligst betheiligt hatten. Die Leistung des Chorpersonals war im Ganzen lobenswerth; was den Gesang der Alceste betrifft, so würde selbst ein mildet Tadel hier am unrechten Plaße sein, da eine gethame Gefälligkeit solchen immer verdietet.—Außerdem wurde noch ein Chor von Mozart, ave verum corpus, aufgeführt, das wohl eigenlich in ein Concert spirituel gehören dürfte.—Die heitere F dur-Sinfonie Beethoven’s eröffnete unter Direction [*] Herrn Gade das Concert. Trefflich executirt verschaffte sie den Zuhörern immer wieder neuen Genuß. Fräulein Schloß sang eine Arie von Sacchini. Die Coloraturen und Verzierungen älterer Compositionen wollen breiter und ausgeprägter gehalten und gesungen sein, als es von unserer Sa4ngerin geschah, wie sie überhaupt für das Trille, die schönste, [*]. Aber auch schwerste Zierde, ganz besonderer Studien noch zu machen hat. Herr Moscheles spielte das C moll-Concert von Beethoven. Dieser Altmeister des Clavierspiels, mit dem die Kritik längst gebührenden Applaus. Eingedenk früherer Erinnerungen konnte ich mich nicht von der Ansicht trennen, das der Virtuos ein Ergebniß seiner Zeit ist, mit der er fällt und steigt, die ihn hebt und trägt und, wie sie selbst, auch verschwinden läßt.—m

Allgemeine musikalische Zeitung (December 9, 1846): 821-823.

Leipzig, 1846. Achtes Abonnement-Concert im Saale des Gewandhauses, Donnerstag, den 3. December.—Symphonie von L. v. Beethoven, F dur (Nr. 8).—Arie von Sacchini, gesungen von Fräul. Schloss.—Concert für Pianoforte, C moll, von L. v. Beethoven, vor getragen von Herrn Professor Moscheles.—Ouverture zu Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart.—Ouverture, Introduction, Scene und Chöre aus dem ersten Act der ,,Alceste“ von Gluck.—

Die Symphonie in F dur von Beethoven ist vielleicht die einzige, in welcher sich eine Ungleichheit der Wirkung und des Werthes der verschiedenen Sätze gegen einander bemerkbar macht. Das Allegro und die Menuett wiegen nicht so schwer als das Andante Scherzando und das Finale. In jenen ertönt die irdische Freude, in diesen der himmlische Humor. Dort freuen wir uns wohl mit, hier sind wir entzückt. Das Andante namentlich ist ein wunderbares Wesen; es verlangt Thränen, aber unter Lächeln dargeboten. Wir sperrten uns sehr gegen diese alle Würde verletzende Zumuthung, mussten aber Einen Theil der Schuld trug das Orchester. Nie haben wir eine so vollkommene fein nuancirte Ausführung gehört. Es war, als spielten fünfzig Gebrüder Müller aus Braunschweig.

In der Arie von Sacchini, dieses 1787 bereits verstorbenen Componisten, welche Fräul. Schloss, den Triller abgerechnet, ganz gut vortrug, konnte man erkennen, wie Gesang zu accompagniren, dass der Ausdruck befördert werde, ohne die Stimme zu überdecken. Hinter dem Berge der Zeit wohnen auch Leute, und es ist ein grosser Fehler der Musikstrebenden, dass sie nur die Gegenwart und nicht auch die Vergangenheit über die ächten Kunstmaximen um Rath fragen. Das erste Gebotin dem Katechismus des Componisten heisst: Du sollst keine Melodie tödten; das lernt man leichter aus alten bestaubten Werken, als aus jungen blanken, die ihrem Schicksale auch nicht entgehen. Ach, die blühendste, gefeiertste Partitur wird alt mit der Zeit, stirbt und wird begraben in den Archiven, diesen Ungeheuern, die so vielen Menschengeist schon verschlungen haben und unersättlich immer nach neuem Raub gieren!

Das Beethoven’sche Cmoll-Concert, von Herrn Professor Moscheles mit tiefstem Verständniss und Gefühl vorgetragen, brachte einen schönen Kunstgenuss. Leise Trübung für uns kam hinein durch die grosse Cadenz am Schlusse des ersten Satzes. So schön ein solches Einschiebsel sein kann, es erscheint uns stets als das Resumé einer Rede, die Jedermann schon vollständig verstanden und ausgenossen hat. Nachdem ein schönes Da sein geendet, wird es noch einmal aufgalvanisirt zu nach träglichen Zuckungen. Gute Cadenzen sind nur an schlechten Werken zu entschuldigen, als Entschädigung für gehabten Verdruss. An guten sind sie des Guten zu viel. Ein Hors d’oeuvre.

Der ganzen Musik zur Oper Idomeneo hört man ihre Zeit an. Nur die Ouverture ist weit vorausgeeilt, und darum noch lebenskräftig in der unserigen angekommen. Sonderbar bleibt es, dass dieses Werk des grossen Meisters niemals einen Zeitpunct gefunden, dem es ganz genügen konnte. Es war für den, wo es erschien, doch schon zu neu, und für den darauf folgenden bereits zu alt. Mozart selbst aber trägt die Schuld davon. Er öffnete und steigerte in seiner nächsten Oper, der Entführung, den Sinn für blühende Melodieen so plötzlich, dass kein Zwischenraum blieb, in welchem Idomeneo als Ueber gang allgemeine Aufnahme hätte gewinnen können.

Das Ave verum corpus desselben Meisters trägt keine Elemente in sich, welche in dem Concertsaale eine besondere Wirkung hervorzubringen geeignet wären.

Alceste hat in unserer Zeit, und namentlich in kleineren Gaben dargereicht, ein viel besseres Schicksal in dem Concertsaale zu erwarten, als auf der Bühne, und die heutigen Bruchstücke fanden, durch die ausgezeichnete Ausführung der Chöre und Solopartieen noch begünstigt, eine sehr beifällige Aufnahme.

Gluck beklagte sich seiner Zeit mehrfach und ziemlich bitter über die geringe Theilnahme, mit welcher das Publicum diese Oper empfangen. Es ist des Nachdenkens werth, wie ein so tiefdenkender, scharf und hellsehen der Geist doch ganz blind sein und dem Publicum eine Schuld aufbürden konnte, die er allein zu tragen hatte. Wenn gleich jede einzelne Scene seines Buches treffliche Momente für die Musik hat, bilden alle zusammen doch die unglücklichste Aufgabe, die je einem Componisten geboten worden, da die ganze Oper von Anfang bis zu Ende fast nichts als Jammer und Klage ist. Also kann sich der denkendste Künstler in der Wahl seines Gegenstandes total vergreifen! Hierin liegt eine inhaltsschwere Mahnung für Jeden, der ein grosses, zusammengesetztes Werk in Arbeit nehmen will, von den Einzelnheiten zuerst abzusehen und nach dem Wesen und Leben des Ganzen zu fragen, in wiefern dieses nämlich sich zu dem Verlangen der Zeit und der menschlichen Seele verhält. Welche Kraft in dem Totale, ob eine fesselnde, oder gleichgiltig lassende, oder gar abstossende liege, das klar zu erkennen, ist die Hauptsache. Ein Irrthum hierin begangen, und ein Theil des Künstlerlebens ist nutzlos verschwendet! Alceste ist Gluck’s bestes Werk unter seinen schlechten, und das schlechteste unter seinen guten. Dieses reformatorische Genie griff mit grosser Entsagung und Kühnheit alle kleinen langweiligen Gewohnheiten in den einzelnen Stücken, den Arien, Duetten, Chören an, und liess das grosse träge Thier, monotoner Plan genannt, ruhig fortschnarchen. Und dann wurde er doch böse, wenn das Publicum sympathetisch mit einschlif. Er versprach, der Natur und Wahrheit alle Convenienzen zu opfern, hat aber in der Alceste noch grosse Fehler dagegen begangen, und die ärgsten in den Scenen, welche heute zur Aufführung kamen.—Der geliebte König liegt im Sterben. Das Volk ist vor dem Schlosse versammelt, erkundigt sich ängstlich, wie es um ihn stehe, klagt, jammert und zürnt über die grausamen Götter. Es mag alles Dieses thun, nur aber ja still, im bang verschlossenen Herzen, höchstens in leisem, dumpfem Gemurmel unter sich. Gegen alle Natur und Wahrheit aber ist es, dass der Componist den Chor alles Dieses laut, forte und fortissimo singen lässt. Die Gefühle sind wahr in Hinsicht auf die Natur des Herzens, aber ganz falsch in Hinsicht auf die Natur der Situation. Wenn der Tod fertig ist mit seinem furchtbaren Werke, bricht der Schmerz der zurückbleibenden Lieben unverhohlen, laut und mächtig aus; so lange jener noch im Arbeiten bebriffen, wagt kein Sterblicher in der Nähe laute Aeusse rungen, auch schon deshalb nicht, weil eine dem Ster benden zu Ohren komm ende Wehklage ein Todesurtheil ist. Jede Sünde gegen die Natur aber erinnert uns an die Kunst, und jede Erinnerung an die Kunst schwächt deren Wirkung. So kann sich das Volk in der Wirklichkeit nicht benommen haben, sagt der Verstand augenblicklich, und gleich wird auch das Gefühl vor Täuschung gewarnt und bewahrt. Die Grösse Gluck’s ist bekannt und genugsam auseinandergesetzt worden. Wir machten auf einige Schwächen von ihm aufmerksam, nicht um den Meister herabzuziehen, sondern zu zeigen, welcher Vergehungen sich auch die bedeutendsten Geister in der Kunst schuldig machen können, und anzureizen zum immerwährenden Studium der Natur, damit man alle Kunstdarstellung nach ihren ewigen Gesetzen nur behandele. Ausserhalb dieser Grundmaxime liegt kein Heil und keine ächte, dauernde, nachhaltige Kunstwirkung.

Berliner musikalische Zeitung (1846): [3]  

Leipzig. Moscheles lässt sich fleissig öffentlich hören. Im achten Abonnementsconcert spielte er das C-moll-Concert von Beethoven.

Signale für die musikalische Welt (1846): 401-402.  

Achtes Abonnementconcert im Saale des Gewandhauses zu Leipzig.

(Donnerstag, den 3. December.)

Ein sehr classisches Concert von gediegenster Auswahl; lauter guter alter Rhein wein mit ein wenig Monte-Fiascone. Zuerst die prächtigklare, frühlingsheitere F dur Symphonie Beethovens, unter Herrn Gades Direction vortrefflich einstudirt, und ebenso wiedergegeben. Hierauf Arie von Sachini „Resta, ingrata, io parto, addio,“ gesungen von Fräul. Schloß. Der Vortrag dieser einfach heroischen, und ganz der Stimmlage der Sängerin angemessenen Arie gelang ihr vollkommen, abgerechnet etwa die letzten Triller, in welchen die Sängerin allerdings nicht besonders stark zu sein scheint. Dann erfreute uns der Altmeister des eleganten Pianofortespiels, Herr Prof. Moscheles durch den Vortrag des Cmoll-Concertes für Pianoforte von Beethoven, jener so überaus tiefen und innigen Composition, in welcher der Genius des großen Meisters eine seiner schönsten Schäferstunden mit der Muse gefeiert und verewigt hat. Was das Spiel des Herrn Moscheles betrifft, so war ebenso sehr seine würdige Auffassung als seine geschmackvolle Ausführung zu loben, an welcher man die Volubilität der Jugend kaum vermißte. Auch verdienten die beiden im ersten und im letzten Satze eingelegten Cadenzen (in der zweiten war das Thema des ersten Satzes geistvoll wieder eingewebt) sowohl in Bezug auf Anlage als auf Technik volle Anerkennung, die ihnen denn auch, so wie der ganzen Leistung überhaupt, durch rauschenden Beifall zu Theil wurde. Das kurze Präludium zu Anfange jeden Satzes wäre vielleicht besser zu unterlassen gewesen, um die Einheit des Ganzen nicht zu verletzen. Uns haben die paar Accorde nicht gestört. Im zweiten Theile hörten wir die kräftig-kurze heroische Ouverture zu Idomeneo, welche indeß mehr einer Introduction gleicht, und wie mit einem Fragezeichen schließt. Als Antwort an dieses Fragezeichen reihete sich nicht passend der wunderschöne, milde, tief katholische Chor „Ave verum corpus“ von Mozart, welcher, obwohl von Singacademie und Thomanerchor vortrefflich ausgeführt, auf eine das höhere ästhetische Gefühl verletzende Weise zwischen zwei Tonstücken von völlig antikem Charakter eingeklemmt war. Denn es folgten nun unmittelbar Ouverture, Introduction, Scene und Chöre aus dem ersten Act der Alceste von Gluck, eine Musik, welcher das herbe Feuer der antiken Tragödie characteristisch ist. Die Chöre waren ausgezeichnet; in dem Chor: „Geschick! du bestrafst uns hart,“ fiel besonders der Alt bei den Worten „Ha noch nie habt ihr, ewige Rächer,“ äußerst präcis und kräftig ein. Herr Salomon hatte die Partie des Herold übernommen, und trug sie mit seiner schönen klangreichen Baßstimme sehr wacker vor. Frl. Elise Vogelsang die Alceste. Konnte sie auch mit ihren übrigens schönen Mitteln den hohen tragischen Ausdruck, welchen diese Partie vorzugsweise fordert, nicht vollkommen wiedergeben, so hat sie doch durch reine Intonation und durch gefühlvollen Vortrag die großen Schwierigkeiten, die in Dieser Art von Recitativen liegen, ganz glücklich überwunden, und überhaupt mit sehr dankenswerthem Streben das Möglichste geleistet.

Uebrigens—so trefflich die Auswahl dieses Concertes, welches wieder einmal die Devise des Saales „Res severa est summum gaudium“ recht bethätigte—sind wir der Meinung, daß etwas von Mendelssohn aufgeführt werden muß. W. L.

23 November 1846

Benefit Concert for the Orchestra Pension Institute Fund

Leipzig: Gewandhaus

Time: Evening, Half Past Seven o’Clock

Tickets: 20 ngr

Programme  

Part I  
Overture, Struensée Meyerbeer
Recitative and AriaMiss SchlossRicci
Andante and Scherzo for ViolinMr. JoachimDavid
Poem by Schiller, Dithyrambe,
composed for Choir and Orchestra
Solos: Messrs. Behr, Henry, Salomon, Schneider, Choir, OrchestraRietz
Part II  
Overture, Nachklänge von Ossian Gade
Piano Fantasia, The Recollections of Ireland, with Orchestral Accomp.Mr. MoschelesMoscheles
DuetMiss Vogel, Miss Schloss 
Barcarole Variations for Two Violins, Viola and VioloncelloMessrs. David, Joachim, Gade, WittmannGroß
Principal Vocalists: Miss Vogel, Miss Schloss; Messrs. Behr, Henry, Salomon, Schneider  
Principal Instrumentalists: Messrs. David, Gade, Joachim, Moscheles, Wittmann
Conductor: Mr. Felix Mendelssohn

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Moscheles [letter to Charlotte on 3 January]: Um 2 Uhr zurück nach Leipzig. Concert-Anstalten für den 7. d. M. In der Kammermusik mein Trio gespielt mit Wittmann und David. Alle andern Stücke mit Andacht angehört und aufgefasst. [AML II, 132.]

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Leipziger Zeitung (November 17, 1846): 5841.

Concert-Anzeige.

Am Montage den 23. November wird im Saale des Gewandhauses das Concert zum Besten des Orchester-Pensions Fonds stattfinden. Fräulein Schloß und Fräulein Vogel, sowie die Herren Moscheles, Gade, Joachim, David, Wittmann, Schneider, Henry, Behr und Salomon werden dasselbe zu unterstützen die Güte haben.

Billets zu 20 Ngr. und Sperrsitzkarten zu 5 Ngr. (welche den geehrten Abonnenten bis Sonnabend Abends reservirt werden) sind in der Musikalienhandlung des Herrn Fr. Kistner zu haben.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (November 22, 1846): 3687.

Concert

zum

Besten des Orchester-Pensions-Instituts-Fond Montag den 23. November 1846

im Saale des Gewandhauses.

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Erster Theil: Ouverture zur Tragödie Struensee, componirt von G. Meyerbeer. (Neu, Mserpt.)—Arie von Ricci, gesungen von Fräul. Schloss. (Neu).—Andante und Scherzo für Violine von F. David, vorgetragen von Hrn. J. Joachim.—Auf Verlangen Dithyrambe, Gedicht von Schiller, componirt für Chor und Orchester von Jul. Rietz. Die Soli gesungen von den Herren Schneider.

Leipziger Zeitung (November 23, 1846): 5929.

Concert

zum Besten des

Orchester-Pensions-Instituts-Fonds.

Montag den 23. November 1846

im Saale des Gewandhauses.

Erster Theil.

Ouverture zur Tragödie Struensee, componirt von G. Meyerbeer. (Neu, Mserpt.)—Andante und Scherzo für Violine von F. David, vorgetragen von Hrn. J. Joachim.—Auf Verlangen Dithyrambe, Gedicht von Schiller, componirt für Chor und Orchester von Jul. Rieß. Die Soli gesungen von den Herren Schneider, Henry, Behr und Salomon. (Die Ausführung des Chors haben kunstgeübte Dilettanten im Berein mit dem Thomanerchore zu übernehmen die Güte gehabt.)

Zweiter Theil.

Ouverture (Nachklänge zu Ossian), componirt von Riels W. Gade.—Erringerungen an Irland, Concert-Fantasie für das Pianoforte, componirt und vorgetragen von Herrn Professor J. Moscheles.—Duettinen am Pianoforte, gesungen von Frl. Vogel und Frl. Schloß.—Variationen über eine Barcarole für 2 Violinen, Viola und Violoncell, componirt von J. B. Groß, vorgetragen von den Herren Concertmeister David, Joachim, Musikdirector Gade und Wittmann.

Billets à 20 Ngr., sowie Sperrsißkarten à 5 Ngr. Sind in der Musikalienhandlung des Herren Fr. Kistner zu haben. An der Casse kostet das Billet 1 Thlr. Anfang halb 7 Uhr.

Reviews

Deutsche Allgemeine Zeitung (November 25, 1846): 2917.

Leipzig, 24. Nov. Das gestern im Gewandhaussaale stattgehabte Concert zum Betten des Orchester-Pensions-Institus-Fonds wurde im weiten Theile mit einem Werk echter Poese, der Ouverture „Nachklänge zu Offian“ von  Niels W. Gabe. im ersten Theile mit einer Neuigkeit, der Ouverture zur Tragödie „Struenfee“ von G. Meyerbeer, eröffnet, Ungeachtet der sehr gelungenen Ausführung fand letzteres Werk wenig Anklang; es fehlt ihm der küstlerische Schwerpunkt, welchen nie Instrumentaleffecte, seien sie von noch so überraschender Art, zu ersehen vermögen, wie überhaupt das Gewandhaus nicht der Ort ist, wo Meyerber‘s Muse sch heimisch fühlen und jemals heimisch werden kann. An Gesangsvorträgen bot Frl. Schloß Recitativ und Arie von Ricci und im Vereine mit Frl. Vogel zwei Duettinen von Mendelssohn; Hr. Jof. Joachim spielte ein Scherzo für Violine von F. David ganz im Sinne seines Meisters und mit wohlverdientem Beifall, und Prof. Moscheles erfreute das Publicum durch den Vortrag der von ihm componirten Concertphantase für Pianoforte: „Erinnerungen an Irland“, wobei er von neuem alle glänzenden Eigensehasten entfaltete, die seinem Spiele so hohen Werth verleihen: einen Vortrag, eben so ausgezeichnet durch Correctheit und Eleganz als durch Innigkeit der Empfindung. Außerdem spielten die HH. David, Joachim, Gabe und Wittmann Quartettvariationen von J. B. Groß in der bekannten meisterlichen Weife. Besonderes Interesse erregte das von Jul. Rich für Männerstimmen, Chor und Orchester componirte Gedicht von Schiller „Dithyrambe“, welches Werk bereits zur Feier des Schillerfestes im hiesigen Theater aufgeführt wurde. Als Musikstück bietet es viele gute Momente und wird deshalb im Concertsaale, für welchen es vorzugsweife bestimmt ist, stets gern gehört werden; was die Bearbeitung des Gedichts in ästhetischer Hinsicht anlangt, so liegt die Weife, in welcher sie vom Componisten gesehene, nicht in ihm begründet und erfüllt hierin weniger die Anforderungen der Kritik als im rein musikalischen Theile. Die Ausführung des Werkes, wobei die HH. Schneider, Henry, Behr und Salomon die Solopartien übernommen hatten. war unter Gade’s Leitung gleichfalls trefflich. Das Programm des Concerts war sehr reichhaltig und bot für einen Abend fast des Guten zu viel; der Hörer konnte kaum Alles in sich aufnehmen. ohne von dem Genuß erschöpft zu werden. Es ist dies ein Punkt, welcher jedenfalls Berücksichtigung verdient, ein Punkt, den wir deshalb nicht unberührt lassen mögen: der Totaleindruck des Concerts wäre ohne Zweisel noch ein größerer und anregenderer gewesen, hätte es nicht so lange gedauert.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 2, 1846): 804-806.

Leipzig, den 23. November 1846. Concert zum Besten des Orchester-Pensions-Instituts-Fonds, im Saale des Gewandhauses.—Ouverture zur Tragödie Struensee, componirt von G. Meyerbeer (neu).— Recitativ und Arie von Ricci, gesungen von Fräul. Schloss.—Andante und Scherzo für Violine, componirt von Ferd. David, vorgetragen von Herrn Joseph Joachim.—Dithyrambe, Gedicht von Schiller, für Männerstimmen, Chor und Orchester, componirt von Julius Rietz, die Solopartieen vorgetragen von den Herren Schneider, Henry, Behr und Salomon.—Ouverture (Nachklänge zu Ossian), componirt von Niels W. Gade.—Erinnerungen an Irland, Concert-Fantasie für das Pianoforte von J. Moscheles, vorgetragen von dem Componisten.—Duettinen am Pianoforte, gesungen von Fräul. Vogel und Fräul. Schloss.—Quartett-Variationen über eine italienische Barcarole für zwei Violinen, Viola und Violoncell, componirt von J. B. Gross, vorgetragen von den Herren Concertmeister David, Joachim, Musikdirector Gade und Wittmann.

Meyerbeer hat hier, so viel uns bekannt, zum ersten Male eine Ouverture in guter, vollständiger Form, mit festgehaltenen, thematisch verarbeiteten Gedanken gegeben. Man hört ihr an, dass sie für Deutschland geschriehen, ohne dass des Componisten bekannte Darstellungs weise etwa einen totalen Umschwung erlitten hätte. Das Werk hat Geist und Feuer, und wenn man mit dem Studium der Partitur die Kenntniss des Trauerspiels verbindet, und dadurch in die Intentionen des Meisters ein dringt, ergibt sich ein wohlgedachtes und wirkendes Tonstück. Da unser Correspondent aus Berlin das ganze Werk gehört und in der vorigen so wie dieser Nummer besprochen, so hat der Leser ein Bild davon, so weit es durch Worte zu geben ist. Hören wird und muss er es selbst.

Recitativ und Arie von Ricci sang Fräul. Schloss mit schöner Stimme, nur oft eine leise Schwebung zu tief. Die Ehrfurcht erlaubt uns nicht, über die Composition etwas zu sagen.

Wir würden als Violinspieler vor Allen die David’schen Compositionen wählen, da sie den Virtuosen geistreich, gefühlvoll, humoristisch, überhaupt sehr mannichfaltig und stets interessant reden lassen und ihrer Würde als deutsche Tonstücke doch nichts vergeben. Herr Joachim spielte heute mit vielem Gefühl in den zarten und mit Laune in den neckischen Stellen. Die Zukunft wird auch ihre Männer haben.

In der Musik zu der Schiller’schen Dithyrambe von Rietz pulsirt ein frisches, warmes Leben. Sie ist der geistreichste Missgriff, dem wir seit lange in der Tonkunst begegnet sind. Wenn der Dichter den Plural im Anfange hätte haben wollen, so hätte er ihn hingeschrieben, und dann wäre der Chor am Platze gewesen. Eben darin aber, dass in der einsamen Halle des Dichters durch Bachus Vermittelung der ganze Chor der Himmlischen erscheint, liegt die Idee dieses Gedichtes mit. Und welche Wirkung hätte der Mehrgesang gemacht, wenn er erst bei der Götterrede:

Reich’ ihm die Schaale!

Schenke dem Dichter,

Hebe, nur ein !

Netz’ ihm die Augen mit himmlischem Thaue,

Dass er den Styx, den verhassten, nicht schaue.

eingetreten wäre!

Uebrigens macht der Anfang dieses Gesanges auch jetzt noch eine schöne Wirkung. Aber nun lässt der Componist diesen einfachen und kurzen Befehl so breit, lang und oft wiederholen, dass man einen schlimmen Begriff von der Redeweise und Macht der Götter bekommt. Ist denn Hebe ein so verdrossenes Mensch gewesen, dass ihr so lange zugeredet werden musste, bis sie dem Dichter die gefüllte Schaale reichte? Gegen nichts sündigen die Vocalcomponisten häufiger, als gegen das natürliche Verhältniss der Momente.

Bei der Stelle: „Sie rauschet und perlet“ u. s. w. wird man wirklich ergriffen, und es ist ärgerlich, dass

das Gefühl sich in eine Ecke verkriechen muss, damit der Verstand es nicht ausschelte über die eitle Lust.

Lange nicht sind wir in eine so weiche süsse Empfindung aufgelöst worden, als bei den aus nebelgrauer

Zeitenferne herüberwehenden kriegerischen Klängen und liebesehnenden Melodieen der Gade’schen Ouverture. Das, was durch thematische Arbeit sich im Geiste um einen Hauptgedanken gruppirt und zu einem festen Leibe concentrirt, hat diese Ouverture nicht, aber gerade diese etwas zerflossene Form kommt ihr zu Gute und macht ein characteristisches Moment derselben aus. Wir begreifen nun die Neigung der Leipziger zu diesem jungen nordischen Barden.

Die Concert-Fantasie von J. Moscheles brachte nicht blos Erinnerungen an Irland, sondern auch an die ziemlich verschwundene Periode gediegener Compositionen für Pianoforte mit vollem Orchester. Wenn auch bei dem Spiele des verehrten Meisters die Verwunderung nicht mehr aufwacht, die wohl überhaupt für die Pianoforte-virtuosen schlafen gegangen ist, so wird doch das Herz bewegt und in der Einbildungskraft regen sich angenehme Bilder.

Die Duettinen gefielen uns, obgleich der Name des Componisten nicht genannt war. Erst später erfuhren wir, dass sie von Mendelssohn waren. Fräul. Schloss und Fräul. Yogel sangen sie mit schönen Stimmen, letztere Dame mit warmem Gefühl.

Die Quartett-Variationen über das Lied: ,,Mein Schiff zog durch die Wellen“ sind weniger auf überraschende Virtuosenkünste als auf angenehme Compositions-effecte angelegt. Interessante Stimmengespräche, blühende Modulationen, piquante Figuren, und viel Gelegenheit zu ausdrucksvollem und fein nuancirtem Vortrage, welches Alles von den Ausführenden aufs Trefflichste benutzt wurde.

Neue Zeitschrift für Musik (December 12, 1846): 194.

Concert für den Orchesterpensionsfonds. Euterpe.

Auch das Concert zum-Besten des Orchester-Pensions-Instituts-Fonds am 23sten Nov. war eben so interessant durch die Wahl, als die Ausführung der Musikstücke. Außer Gade’s trefflicher Ouvertüre „Nachklänge zu Ossian“ und der Rietz’schen Composition des Schiller’schen Gedichtes „Dithyrambe“, welche bereits  zur Feier des Schillerfestes aufgeführt wurde, brachte es  als Neuigkeit Meyerbeer’s Ouvertüre zur Tragödie „Struensee“, ferner Quartetvariationen von I. B. Groß, von den Herren David, Joachim, Gade und Wittmann gespielt, und an Solovorträgen die Concert-phantasie für Pianoforte: „Erinnerungen an Irland“ von I. Moscheles, vom Componisten,—und Andante und Scherzo für Violine von David, von Hrn. Joachim vorgetragen; Frl. Schloß sang Recitativ und Arie von Ricci, und mit Frl. Vogel zwei Duettinen von Mendelssohn. Dies das für einen Abend fast zu reichhaltige Programm. Die beiden erstgenannten Werke machten sehr gute Wirkung, besonders die acht poetische Ouvertüre von Gade, wo hingegen Meyerbeer’s Ouvertüre nicht vermochte, mehr als einen flüchtigen Eindruck zu hinterlassen; es fehlt ihr dazu die Weihe der Begeisterung, die künstlerische Einheit. Daß sie als eins der letzten Erzeugnisse eines in der Gegenwart renommirten [*] [*] Aufführung gewablt worden, billigen wir eben so, als daß im Allgemeinen Meyerbeer’s Musik vom Repertoire der Gewandhausconcerte ausgeschlossen ist, denn so sehr dieselbe auch für die Zeit von Bedeutung sein mag: für die Kunst, die eigentlich wahre, ist sie es nicht. Der Vortrag des Hin. Prof. Moscheles erfreute durch die diesem Meister eigenthümliche Correctheit und Eleganz, Joachim’s Spiel durch Anmuth und feine Abrundung. Die Duettinen und Quartettvariationen waren eine angenehme Zugabe.— Der seil vielen Jahren hier bestehende Musikverein Euterpe hat gleichfalls seine Abonnementconcerte eröffnet und bis jetzt deren drei veranstaltet. Wenn seine Leistungen im vorigen Winter nicht der Art waren, daß sie den Ansprüchen immer genügten, die man billiger Weise machen konnte, so ist dies weniger dem Vereine selbst, als vielmehr den mancherlei mißlichen Umstanden zuzuschreiben, mit denen er zu kämpfen hatte. Denn außerdem, daß er fast nie einen bestimmten Abend für seine Concerte, die erforderliche Zeit für die Proben gewinnen konnte, fehlte es ihm auch an einer tüchtigen  Leitung des musikalischen Theils, wie an zuverlässigen Kräften für Ausführung der Gesangsstücke. Dies Alles hat sich seitdem durch die Bemühungen der Direction, welche auch diesmal Hr. Fr. Hofmeister übernommen, sehr zu seinem Vortheile geändert: als Musikdirector ist Hr. Pros. Lobe, für den Gesang Frl. Schwarzbach vom hiesigen Theater engagirt, für die Concerte der Sonnabend festgesetzt worden. Hieraus erhellet deutlich, wie angelegen sich der Verein sein läßt, seine frühere Bedeutung wieder zu erhalten und den Anforderungen des Publicums, das ihm stets eine rege Theilnahme zollte, allenthalben nachzukommen. Ueberblicken wir die Leistungen, welche er in den drei ersten Concerten geboten, so läßt sich in der That recht Günstiges berichten und ihm für die Zukunst ein erfreulicher Erfolg seines Wirkens zugestehen. Je mehr aber seine Leistungen einen strengeren, höheren Maßstab der Beurtheilung vertragen,  je mehr uns selbst daran liegt, daß sich seine Thätigkeit zu immer größerer künstlerischer Bedeutsamkeit steigere, um so mehr werden wir auch, sein Bestes im Auge behaltend, neben den Vorzügen die Mängel hervorheben,  die uns entgegentreten, und so zu deren Beseitigung, was an uns ist, beizutragen bemüht sein

10 January 1845

Musical Gathering

Berlin: At Hermann Härtel

Time: Morning

Programme

Etudes (MS) [Op.111]Mr. Moscheles 
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Moscheles [letter to Charlotte on 10 January]: Freitag früh spielte ich bei Härtel vor einigen Künstlern und Freunden die Manuscript-Etüden, die ich bei Kistner zur Herausgabe für die Mozart-Stiftung lasse. [AML II, 135.]

Advertisement

Berliner musikalische Zeitung (January 18, 1845): [3].

Moscheles befindet sich jetzt in Berlin.

18 October 1832

Matinee

Berlin: Königliches Opernhaus

Programme

Sonata No.7 in C minor for Piano and Violin (Op.30, No.2)Messrs. Mendelssohn, RiesBeethoven
TrioMr. MoschelesMoscheles
Principal Instrumentalists: Messrs. Mendelssohn, Moscheles, Ries

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Charlotte: On the following day, the last that Moscheles spent in Berlin, there was a matinée at Mendelssohn’s. Felix played, with the violinist Ries, Beethoven’s C minor Sonata, and Moscheles his Trio, the scherzo of which he was obliged to repeat. At dinner, the whole family begged him to play once more at the Opera House, and Felix jumped up from table to ask Redern if a concert could be arranged by Sunday. The answer was that it could not be done before Wednesday, and this confirmed Moscheles in his resolve to leave Berlin immediately, but not before he got from Felix a promise, with reference to an expected event, that he would come to London and be sponsor to a child, which, if a boy, was to bear the name of Felix”. On arriving at Leipzig, Moscheles found two hundred. [RMM, 183.]

17 October 1832

Ignaz Moscheles’ Concert

Berlin: Königliches Opernhaus

Programme

Free Piano Fantasia, incl. ‘Che farò senza Euridice’,
‘Voi che sapete’ and ‘O namenlose freude’
Mr. Moscheles 
Piano Concerto No.5 in C majorMr. MoschelesMoscheles
Piano Fantasia, Souvenirs de DenmarkMr. MoschelesMoscheles
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Programme Notes: The piano brand was Érard owned by F. Mendelssohn.

Profit: 301 Thalers

Moscheles: My third of the receipts amounts to 301 thalers net. Graf Redern, Intendant of the Royal Opera, met me in a very friendly manner, and the public so heartily applauded my C major Concerto, the Danish Fantasia, and an improvisation upon Che farò, Voi che sapete, and Namenlose Freude, that I was in great delight, especially as my mother and my wife were both present at my triumph. Felix supped with us at Jagor’s. He was in high spirits. [RMM, 183.]

Moscheles: I practice daily on Felix’s magnificent Erard, and he is going to lend it to me for the concert. [RMM, 182.]

Letter: F. Mendelssohn to I. Moscheles.

Berlin, 3 September 1832

Concerning the concert, I have made inquiries of those in a position to know, and, taking the lowest average, it seems to me you can rely on taking at least one hundred Louis d’or, as I am told that even a tolerably well-attended concert produces that amount, and you can reckon on the presence of the Court, which usually sends twenty Louis d’or to artists of high standing. The time when you ought to give your concert coincides with our Art Exhibition, when Berlin is fullest; it would be the first grand concert of the year, and they say that receipts amounting to one hundred Louis d’or may be expected, and even guaranteed. The cost of the large hall of the theatre is forty Louis d’or, all included (bills, porterage, etc.).  The room in the Sing-Akademie is little more than half that sum, but it seems that the Court does not care to go there. The concert-room of the theatre ranks highest, and is considered the most aristocratic; so, at any rate, it would be more advisable for you to take that. All agree on that point. If you deduct forty Louis d’or from the total receipts, there remain, say, sixty Louis d’or. There is no doubt that this is amply sufficient to cover the expenses of posting from Hamburg to Berlin and back, and of making a fortnight’ s stay with your whole family at the hotel here; and I would not enter into so much detail had not Neukomm mentioned yesterday that when he told you he estimated the net receipts at sixty Friedrich d’or, you thought there would be a risk in undertaking the journey. Let me show you, then, that two post-horses, including fee to post-boy, make one thaler per German mile; so the journey there and back, a distance of thirty-nine miles, and a night’s quarters, would come to a little more than one hundred thalers. How you could manage to spend the balance, namely, two hundred thalers, in a fortnight, I cannot see, unless you organized a popular fête on a small scale; that, however, probably not forming part of your programme, and your hotel expenses certainly not amounting to more than eight to ten thalers per day, your outlay would surely be covered. According to my estimate, you would have a surplus. To be sure, I admit, unforeseen circumstances might interfere with my calculations; but on the other hand the receipts may be far greater than I have assumed, and at any rate I, for one, have no doubt that your travelling and hotel expenses will be amply covered. I need not tell you that I give the Berliners credit for sufficient musical taste to expect a crowded concert-room, nor need I say what my wishes on the subject are. The time to come would be between the end of this month and the end of October. The Art Exhibition is then open, and that draws many people to Berlin, and altogether it is the height of our season and the pleasantest time coming.

Now, whatever you decide, let me know without delay, so that in case you do not come, I may leave off rejoicing at the prospect, and that if you choose the better course,—better for us,—I may prepare everything  for you to the best  of my abilities. In that case I should beg of you to let me know the day of your arrival, date of the concert, etc., and I could get through all the preliminaries, the engagements to singers, and so on, before you were here. But all this is quite understood’.

[Felix Moscheles, ed., Letters of Felix Mendelssohn to Ignaz and Charlotte Moscheles, trans. Felix Moscheles (Boston: Ticknor and Company, 1888), 32-35.]

Letter: F. Mendelssohn to I. Moscheles.

Berlin, 17 September 1832

‘I gave him [Count Redern, the Director and Autocrat of all dramas and operas in Berlin] to understand that you were not disinclined to take Berlin on your way, and to arrange a concert with the authorities of the Opera House, but that you could only remain for a few days. He seemed greatly pleased, as well he might be, and no thanks to him. He said that during your former stay you had given a concert with the Directors of the Opera, and requested me to ask in his name whether the same terms as those stipulated on that occasion, namely, one third of the total receipts, would meet your views. He also proposed one half of the net receipts; but as these much depend on the expenses incurred, which can be made to attain a considerable figure, I advised the other arrangement, especially as the Opera House holds nearly two thousand persons. I begged him to ascertain from the books the exact terms of the former arrangement and let me have them in writing. This document was not completed until last night, and I forward it to you now. It is certain that you can expect good receipts, these however depending more or less on the piece to be acted, and on the general support given by the managers of the theatre. The authorities are always ready with the finest promises; but until the day of your concert is actually fixed, you can expect nothing definite from them.

[Letters of Felix Mendelssohn to Ignaz and Charlotte Moscheles, 39-40.]

Letter: F. Mendelssohn to I. Moscheles.

Berlin, 26 September 1832

DEAR MOSCHELES!

That’s a flourish of trumpets joyfully announcing that you have at last consented to come. It is too delightful to think that we are going to see you and have you here; and what spirits the bare thoughts puts me in, I need not say.

In fact, I only write that you may answer and let me know exactly what I am to do for you here. First, have you quite decided to stay in a hotel (my offer does not seem acceptable to you), and should I not rather take rooms for you by the week? To do so, I ought to know the day of your arrival, and what accommodation you require. Secondly, you speak of putting yourself on good terms with the singers. Have you any special wish that I can communicate to Count Redern in reference to performers or programme? What do you say to having your Symphony performed? But then the whole orchestra should be on the stage, and you should conduct. Thirdly, I will see Count Redern to-day and let him know the good news that you have decided on coming. He must have the newspaper advertisements inserted, and I shall recall to his memory the “appropriate and interesting piece” to be performed. Fourthly, you say “What piano? that is the question!” I answer: “There be none of Beauty’s daughters with a magic like Erard’s.” Now, my instrument left Hamburg a week ago. I expect it every minute; and as you have already played upon it at your concert in London, I should take it as a great kindness and a good omen if you would inaugurate it here in public. That the instrument is good, you know; so pray say, “Yes.” But if perchance you would rather not, then there is my youngest sister’s new piano that is to arrive tomorrow or the day after,—a “Graf” which they write wonders about from Vienna. She sends you word that it would be conferring the greatest favour on her, on the piano, and on Mr. Graf, if you would be the first to play upon it in public here. In addition to this, I know for a certainty that all the Berlin pianoforte-makers will besiege your door and go down on their knees to you. There are pear-shaped instruments; there are some with three legs; some with a pedal for transposing and with a small writing-desk inside; some with four strings, others with only one; giraffe or pocket size; black, white, and green. You will have the trouble and toil of selection, so you will have full scope for reflection. Where then is the question?

Advertisement

Die Bayerische Landbötin (October 16, 1832): 1001.

Clavierspieler Moscheles ist aus London in Berlin angekommen.

Reviews

Allgemeiner Musikalischer Anzeiger (November 8, 1832): 179.

Moscheles hat am 17. October ein Concert im königl. Opernhause zu Berlin gegeben. Er spielte sein fünftes Concert, eine Phantasie, worin Motive dänischer Lieder vorkamen, und eine freye Phantasie.  Daß den großen Virtuosen der ausgezeichnetste Beyfall lohnte, brauchen wir nicht erst zu sagen.

The Harmonicon, vol. 10 (November 1832): 281.

MR. MOSCHELES’ RECENT TOUR.

To the EDITOR of the HARMONICON.

SIR,                                                                                                                             Nov. 22, 1832

HAVING been in communication with the Continent during the time Mr. Moscheles was making his tour, I am enabled to send you a sketch of his operations; and as all matters tending to advance the respectability of the art, and give éclat to its professors, ever find a worthy place in your publication, I am inclined to hope that this may contribute in aid of your known views.

On the 17th of October, Mr. Moscheles gave his first concert at the Opera House in Berlin, where he performed his last concerto before a numerous and splendid audience with complete success. His other performances were Recollections of Denmark and an extemporaneous fantasia.

I am, Sir, yours, &c.

C. F. W.

The Harmonicon, vol. 10 (November 22, 1832): 283.

[FOREIGN MUSICAL REPORT.]

…. M. Moscheles gave a concert at the Opera House here on the 17th October, in which he played a new concerto of his own composition and an extemporaneous fantasia, which were received in the most flattering manner.

Allgemeine musikalische Zeitung (November 28, 1832): 800-801

Berlin, den 5ten November…Moscheles erfreute uns durch sein ausdrucksvolles, ungemein fertiges Pianofortespiel, indem dieser berühmte Virtuos sich am 17ten v. M. im Königl. Opernhause auf einem englischen Flügel-Pianoforte von mehr intensiv vollem, als hell ausgebendem Tone, mit einem neuen Concerte von seiner Composition in C dur, einer Phantasie über dänische Volkslieder, mit Orchesterbegleitung, und in einer freyen Phantasie allein hören liess. Es scheint, dass der geachtete Künstler in seinem Spiele die Bahn des Auffallenden, Bizarren und nach Effect strebenden verlassen hat, und mehr seinen Vortrag auf Tiefe des Ausdrucks, schönen Ton und gleichmässige Fertigkeit beyder Hände richtet. In seinen Compositionen wechselt gründliche Kenntniss der Harmonie und feiner Geschmack mit einiger Neigung zum Sonderbaren und Elegischen. Das wirksam instrumentirte und sorgsam nüancirte Concert sprach erst im glänzendem Rondo allgemeiner an, wenn auch für den Kenner das erste Allegro reich an originellen Zügen des Genie’s, auch das Adagio in E moll tief gefühlt erschien. Die dänischen (uns unbekannten) National-Melodieen waren, mit vortheilhafter Wirkung für das Pianoforte, zu einem Ganzen sehr geschickt an einander gereiht. In der freyen Phantasie zeigte sich der schaffende Künstler am ungebundensten, wenn wir gleich Hummel’s Phantasieen den Vorzug der mehr geordneten Gedankenfolge und seinem Vortrage mehr Eleganz einräumen müssen. Themata aus Orpheus von Gluck: „J’ai perdu mon Euridice,“ Mozart’s Figaro und des schönen Duetts im zweyten Acte von Fidelio wurden von Hrn. Moscheles wohl benutzt und kunstmässig durch geführt. Im Allgemeinen fand der ausgezeichnete Virtuos indess weniger Anerkennung als früher; wir glauben, dass das ungünstige Local des grossen Opernhauses und der dadurch zu sehr gedämpfte Klang des im Proscenio dicht vor der heruntergelassenen Gardine aufgestellten, noch wenig ausgespielten Erard’schen Flügels daran Schuld war. Im Saale der Singakademie hatten wir kürzlich Gelegenheit, dasselbe Instrument sehr vorlheilhaft klingend zu hören.

14 October 1832

Fétes for Moscheles

Berlin: Abraham Mendelssohn Bartholdy’s Residence


Charlotte: A similar party [from the party of the 11th] is alluded to on the 14th of October. [RMM, 183.]

Letter: F. Mendelssohn to I. Moscheles.

[The letter may refer to the party on October 14]

Berlin, 26 September 1832

….to show that you are not angry, you must at once accept an invitation to a fête to be held in my rooms in honor of Moscheles. Several ladies have already promised to come; we will have music, and it will be grand. FM.IML, 45

11 October 1832

Party

Berlin: Abraham Mendelssohn Bartholdy’s Residence

Programme

Ballade for Choir and Orchestra, Die erste WalpurgisnachtSolos: Mesdames Schröder-Devrient,
Thürschmidt, Mr. Mantius
Mendelssohn
From Die Heimkehr aus der Fremde: DuetMme Schröder-Devrient, Mr. MantiusMendelssohn
Grande Sonate in E Flat Major for Piano Four-Hands (Op.47)Messrs. Mendelssohn, MoschelesMoscheles
Piano Polonaise [Op.89]Mr. MoschelesBeethoven
Principal Vocalists: Mesdames Schröder-Devrient, Thürschmidt; Mr. Mantius
Principal Instrumentalists: Messrs. Mendelssohn, Moscheles

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Charlotte: Moscheles was present at a delightful performance of the Walpurgis Night [Die erste Walpurgisnacht] given at the house of Felix’s parents; the solos were performed by Mantius, the Devrients and Frau Thürschmidt. Beethoven’s Polonaise and Moscheles’ Sonata in E flat were played by him and Felix, and Mantius and Devrient sang from the Liederspiel The Son and the Stranger. It was a charming evening. A similar party is alluded to on the 14th of October. [RMM, 182-183.]

n.d. i) January 1827

Ignaz Moscheles’ Concert

Hanover


Note:I did not locate any advertisements or reviews.

Charlotte: MOSCHELES inaugurated the year 1827 by giving concerts in Hanover and Gottingen. [RMM, 91.]

28 November 1826

Ignaz Moscheles’ Second Concert

Berlin: Königliches Schauspielhaus

Programme

Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
From Oberon: Aria, ‘Ozean! Du Ungeheuer’Mme SchulzWeber
Grand Piano Variations on a Military March with Orch. Accomp. (Alexander Variations)Mr. MoschelesMoscheles
Piano Concerto No.2 in E flat majorMr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Mme Schlz  
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Charlotte: Am 28. November findet ein zweites Concert im grossen Opernhause statt, das überfüllt war. Der ganze Hof wohnte ihm bei. Moscheles spielte unter Anderen das dem König dedicirte Es-dur-Concert. AML I, 133]

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (December 13, 1826): 404-405.

Korrespondenz

Berlin, den 28. November 1826.

Am 28. November gab Herr I. Moscheles sein zweites Konzert im Königlichen Opernhause vor einem sehr zahlreichen, theilweise auch durch den Doppelgenuss von Konzert und Theater angezogenen Publikum. Hier wäre wol eine tüchtige Symphonie zur Eröffnung des Konzerts an ihrer rechten Stelle gewesen; statt derselben hörten wir ein Bruchstück einer Weiglschen, halb tragischen Introduktion, die nur zu der darauf folgenden Handlung passen kann, und die schon einmal an einem hohen Geburtsfest unpassend vor der Rede als Einleitungsmusik gewählt war. Sind wir denn so arm etwa an guter Instrumental-Musik? Herr Moscheles spielte hierauf auf dem Proscenio der Bühne, bei herabgelassenem Vorhange (welches eine, den Schall günstig zurückwerfende Hinterwand bildete) sein grosses Konzert in Es-dur, Sr. Majestät, unserm hochgeehrten Könige gewidmet, auf einem klangwollen Wiener-Pianoforte, mit höchster Eleganz, Präcision und Fertigkeit. Die Komposition ist gehaltvoll und in edlem Styl durch geführt. Die grosse Scene der Rezia aus Karl Maria v. Weber’s Oberon folgte ,,O Ozean, du Ungeheuer“ und liess, bei allen dramatischen Intentionen, die hier verloren gingen, dennoch den kühnen Geistesschwung des verewigten Meisters, besonders in dem feurigen Schluss bewundern. Mad. Schulz sang diese sehr hoch liegende, viele Kraft und Ausdauer erfodernde, höchst leidenschaftliche Scene mit der, dieser Sängerin zu Gebot stehenden Macht der Stimme und heroischen Glut, besonders auch die hohen Intervalle am Schluss der Arie rein und sicher, wenn gleich hie und da z. B. den hohen Ausruf: „Hüon! Hüon!“ mit fast zu starkem sforzando. Eigentlich ist es einer dramatischen Musik nicht vortheilhaft, zuerst von der Handlung abgerissen gehört zu werden. Dennoch effektuirte diese imponirende Scene ungemein und gewährte uns den Vorgenuss der hoffentlich bald (?) nachfolgenden Aufführung der Oper selbst.

Den beliebten Alexander-Marsch, nämlich die, alle erdenklichen Virtuosen-Künste für das Pianoforte umfassenden Variationen auf dies ansprechende Thema trug Herr Moscheles mit der grössten Vollendung vor, und über traf sich selbst nur noch in der freien Fantasie, die nicht günstig auf den matten ersten Akt von Nicolo Isouard’s leichtfertigem „Joconde“ gestellt war. Hier, vom Instrumente nicht gehindert, zeigte der Künstler seine ganze technische Fertigkeit mit geistiger Kombination der Ideen und Geschmack vereint. Sehr lieblich wurden Anklänge bekannter Themate; z. B. Hummel’s „an Alexis“ gegeben, mit einander kunstgemäss verbunden, und Einheit beherrschte mehr als sonst die Wechsel-Folge der musikalischen Gedanken des, in der Mechanik seines Instruments nicht zu überfressenden Spielers, dem das Prädikat der Musik Professur in London ganz nach Verdienst gebührt.

Die folgende Opern-Vorstellung war nach dem Konzert zu lang und, der Bemühungen der Mad. Seidler, wie der Herren Bader, Stümer und Devrient d. J. ungeachtet, zu wenig in einandergreifend, als dass die Mühe belohnt wäre, diese, nur durch sehr rasches Spiel und die bestmöglichste Besetzung der drei Damen geniessbare, ächt französische Operette wieder auf die deutsche Opernbühne zu bringen. Schleppendes Wesen verträgt diese Gattung witziger Musik am allerwenigsten.

21 November 1826

Ignaz Moscheles’ First Concert

Berlin: Königliches Schauspielhaus

Programme

*Adagio and Rondo on an Austrian Grenadier MarchMr. MoschelesMoscheles
*Piano Concerto No.5 in C major: I. Allegro moderatoMr. MoschelesMoscheles
Part I  
Overture, Der Wasserträger Cherubini
Comic DuetMme Thürschmidt, Mr. DevrientGenerali
Part II  
Overture, Così fan tutte Mozart
Piano Fantasia, The Recollections of Ireland
with Orchestral Accompaniments  
Mr. MoschelesMoscheles
Italian SceneMme ThürschmidWollank
Free Piano Fantasia, incl. ‘Verzeihen sie Frau Nachbarin’
from Auber’s Le maçon and a theme from a Handel oratorio
Mr. Moscheles 
Principal Vocalists: Mme Thürschmidt; Mr. Devrient
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Programme Notes: Moscheles played his Free Fantasia on an Érard piano and the rest on a Leschen.


Moscheles: 10. November…Am folgenden Tage ging’s nach Berlin, und, dort angekommen, natürlich gleich zu Mendelssoh’s. Trotz aller freundschaftlichen Beziehungen zu den Künstlerkreisen brachte er die Tage vom 12.—19. November mühevoll, ja qualvoll unter Anstalten zu seinem Concert zu. Zwar gab es täglich einige angenehme Stunden in den Häusern Mendelssohn, Beer, Bendemann und anderen, doch musste er meistens unmittelbar nach Tische forteilen, um Sänger einzuladen und sonstige Geschäftsangelegnheiten zu betreiben, bis es ihm endlich durch die Vermittelung seines Freundes Blume gelang, einige Sänger zu erobern. Blume selbst durfte eben so wenig mitwirken, als die Sonntag, die, stets gefallig, es für ihr Leben gern gethan hätte. Sie war am Königstädter Theater engagirt; Moscheles aber wollte im Königlichen Schauspielhause Concert geben und musste daher auf ihre Mitwirkung verzichten…[20. November:]…meine Frau hat tausend Concertbillette zu zeichnen und zu numeriren, und ich habe Probe für morgen im Königlichen Schauspielhause.

,,21. November Concerttag. Viel auf dem Instrument von Erard geübt, welches seine Schwester, Mme. Spontini, mir mit der dringenden Bitte zuschickte, in meinem Concerte darauf zu spielen. Ich hatte mit seinem Anschlag zu kämpfen. Frl. Sonntag, die mir nicht positiv helfen durfte, that es negativ, indem sie sich heiser meldete, statt im „Sargin“ zu singen; sie ging mit meiner Frau in’s Concert, wo beide sich in den Hintergrund einer Loge zurückzogen. Als ich der gefeierten Sängerin dankte, sagte sie mit dem ihr eigenen lieblichen Lächeln: ,,Aber lieber Moscheles, sollte denn eine alte wiener Freundin nicht die Kabalen eines Theater-Directors vereiteln helfen? S’Jettl is immer noch’s Jett!.““ Trotz ihrer Liebenswürdigkeit war der Saal, wahrscheinlich der späten Ankündigung und anderer ungünstiger Umstände halber, nur zu zwei Dritteln voll; aber der Hof war zugegen und Alles ging vortrefflich unter Möser’s Leitung.“ [AML I, 131-132.]

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 29, 1826): 388-389.

Korrespondenz

Berlin, den 21. November 1826.

Konzert des Herrn Moscheles.

Herr Moscheles ist dem berliner Publikum bereits von früher her als brillanter Klavierspieler bekannt. Ueber seine Kompositionen haben die meisten Berichterstatter unserer Zeitung sich dahin ausgesprochen, dass dieselben zwar grösstentheils nur für augenblicklichen Effekt berechnet, sämmtlich aber doch mit Originalität, welche den Kalkbrennerschen Arbeiten der Art nur zu oft abgeht, reichlich ausgestattet sind. Auch diesmal bewährte sich der Herr Konzertgeber als Virtuos und Tonsetzer in der eben ausgesprochenen Tendenz, hauptsächlich durch die unter dem Namen: „Erinnerungen an Irland“ vorgetragene Phantasie für Pianoforte mit Begleitung des ganzen Orchesters. Ein vollständiges Konzert bekamen wir nicht zu hören, sondern nur den ersten Satz eines noch unvollendeten C-dur Konzerts und ein schon gedrucktes Adagio und Rondo über den bekannten österreichischen Grenadiermarsch. Jener oben angeführte erste Satz ist aber so reich an musikalischen Schönheiten aller Art—vorzüglich gelungen ist die Instrumentation—dass er allerdings etwas Ausgezeichnetes verspricht, wenn das Ganze nur erst vollendet sein wird; um so mehr war es zu bedauern, dass in die Begleitung von Seiten des Orchesters sich einige Fehler eingeschlichen hatten. Ueber die freien Fantasieen, wozu sich die Herren Pianoforte-Virtuosen nun schon seit Jahren gezwungen sehen, ist gleichfalls auch in diesen Blättern öfters gesprochen worden. Die diesmalige liess uns nur die ungemeine Fertigkeit des Herrn Moscheles im höchsten Grade bewundern—sonst gar nichts; selbst das Fugato, welches das Publikum bei solchen Produktionen regelmässig vor dem Schlusse zu hören bekommt, und das meistens nur aus der Zusammenstellung einiger alten abgenutzten kontrapunktischen Wendungen besteht, war ungleich magerer, als es Herr M. schon vor zwei Jahren hieselbst ausgeführt hat. Indess klang auch der neue Engländer von Erard keineswegs phantastisch genug, um irgend eines Phantasie anzureizen.—Die bei– den Ouvertüren, namentlich die erste von Cherubini, wurden ganz vorzüglich exekutirt. Das komische Duett verlor im Konzertsaale sehr an Wirksamkeit, und eine Wollanksche Scene schien dem Ref. viel zu lang und dabei zu zerstückelt, um an diesem Orte Interesse zu erregen.—Das Auditorium war klein, aber dankbar.

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 29, 1826): 390-391.

Berlin, den 21. November 1826.

Konzert.

(Eingesandt.)

Unter den grossen Klavier-Virtuosen behauptet I. Moscheles mit den ersten Rang.  Als solcher bewährte sich derselbe (wie auch früher bereits bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin) nicht allein, sondern der berühmte Tonkünstler entwickelte auch im Vortrage des ersten Allegro’s eines neuen Pianoforte-Konzertes in C-dur seine immer höheren Fortschritte in der Instrumental-Komposition. Das interessante, einfache Thema [music sample]

in so vielseitige Harmonie-Kombinationen verschlungen, dass solches stets neu erscheint, und von den geschmackvollsten, obgleich für beide Hände sehr schwierigen Figuren gehoben wird. Die Instrumentation der bedeutsamen Begleitung ist voll Wirkung, hie und da, im Gebrauch der Blase-Instrumente, wie in An wendung der kleinen Septime und dergl., an K. M. v. Weber’s Behandlung gern erinnernd, ohne davon entlehnt zu sein. Das Adagio (auch in C-dur) eines andern Konzerts ist voll reizender Melodie und wurde von Herrn Moscheles so elegant und gefühlvoll, als das glänzende Rondo in E-dur (alla marcia) voll Feuer, Schnelikraft und unübertrefflicher Präcision im schnellsten Zeitmaass ausgeführt. Der, den Konzertgeber schon bei seinem Erscheinen am Pianoforte ehrend empfangende Beifall der gewählten Versammlung stieg nach jedem Solo des meisterhaften Spielers bis zum Enthusiasmus.

Den ersten Theil des Konzerts hatte Cherubinis Ouvertüre zum „Wasserträger“—sehr feurig ausgeführt—eröffnet, der ein, für den Konzertanfang nicht recht passendes, komisches Duett von Generali folgte, das von Madame Thürschmidt und Herrn Devrient d. J. sehr gut gesungen wurde. Der 2te Theil begann mit Mozarts Ouvertüre zu „Cosi fan tutte,“ welcher eine neue Fantasie für das Pianoforte von Moscheles, mit Orchesterbegleitung folgte Neu, frappant und theilweise etwas gesucht, wurden höchst anziehende irländische National-Melodien hierin mit schweren Passaggien, fremdartigen Modulationen und kontrapunktischen Imitationen verbunden, von welchen letzteren dem Ref, die Verbindung zwei verschiedener Thematen am kunstreichsten schien. Auf jeden Fall hält derselbe diese „Erinnerungen an Irland“ für eine weit freiere und kühnere Fantasie, als diejenige, welche der Konzertgeber zum Schluss, ohne Begleitung, mit grosser Kunstfertigkeit und durch den stumpfen, bedeckten Ton und schweren Anschlag eines englischen, stark belederten, noch zu wenig ausgespielten Flügels keineswegs begünstigt, mehr einem Potpourri ähnlich ausführte. Auch hält Ref. den Kontrast der unmittelbaren Folge des Thema’s aus Auber’s „Maurer“; ,,Glaubt mir, Frau Nachbarin“ auf eine würdige Händel’sche Oratorien—Melodie für etwas zu schroff. Wenigstens hätte noch ein Schluss-Satz diese Wendung verwischen mögen, damit wir nicht mit der „Frau Nach barin“ nach Hause entlassen wären. Ueberhaupt hielt sich u. E. für eine freie Fantasie der Spieler wol viel zu lange bei diesem einen Thema auf, das nur anzudeuten gewesen wäre.—Das P. Erard’sche Pianoforte hat übrigens  die vervollkommnete Einrichtung, dassman dem Spieler ungehindert auf die Hände  sehen kann, und der Ton ist voll und stark. Dagegen war die brillante Wirkung des (im Diskant spitzeren) Wiener Flügels, auf welchem Herr Moscheles sein Konzert und die erste Fantasie vortrug, wie auch die leichtere Behandlung desselben dem Spieler günstiger. Die italienische Scene von Fr. Wollank, welche Mad. Thürschmidt mit viel Empfindung und dem vollen Klang ihrer tiefen Alt-Stimme sang, war eine empfindungsvolle Komposition, melodisch und ganz der schönen Stimme angemessen, nur für den Konzert Gesang nach Rossinischer Manier zu wenig glänzend. Ohnedies eignet sich der Alt als Solostimme meistens wol nur zu getragenen Tönen im strengen Styl, obgleich die neuern italischen Komponisten diese Stimme auch häufig in der Oper anwenden, weil die hohen Sopranstimmen immer seltener werden. Woran mag letzteres liegen, und weshalb sind unsern heutigen Sopranen fast alle älteren Partien zu hoch? Denn die höhere Orchester-Stimmung kann doch nur die Differenz von einem Ton ausmachen. Vielleicht belehrt uns irgend ein, mit der Kunst des Gesanges theoretisch vertrauter Theilnehmer an der Zeitung hierüber auf dies kunstverwandte Ersuchen.

Bayreuther Zeitung (December 5, 1826): 1033.

Berlin, 29. November…Herr Moscheles hat die hohe Auszeichnung genossen, von Sr. Majestät dem Könige für ein Allerhöchstdemselben gewidmetes Concert einen Kostharen Brillantring, mit einem holdvollen Schreiben begleitet, zu erhalten.

Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz (December 6, 1826): 980.

Hr. Moscheles war wieder auf kurze Zeit in Berlin und ließ sich in einem von ihm veranstalteten Concert und dann im Opernhause, vor dem Theaterstück, hören. Ueber seine ausgezeichneten Talente als Virtuos und Componist ist schon von allen Orten berichtet und Ref. Kann nur das Lob erneuern. Daneben will er aber folgende Bemerkung nicht unterdrücken. Ehe Moscheles sein Concert gab, kam schon eine öffentliche Anzeige: ob derselbe nicht in dem Concert des Hrn. Musik-Direktor Möser, das eben auch im Anzuge war, spielen wolle. Solch ein Wink gilt bei uns als Anfrage, die schon vorher beantwortet ist, und hier entstand ein offenbarer Nachtheit für den fremden Virtuosen, indem Hr. Möser eine sehr geübte Art hat, Billets zu vertheilen und die Inhaber nun hoffen konnten, Hrn. Moscheles für dasselbe Geld zu hören, was sie Hrn. Möser geben mußten. Dieser hat nun offenbar Hrn. Moscheles Schaden gethan, doch gewiß ohne seine Schuld; einem Freunde, der jene Anzeige machte, ist die Sache auf zu bürden. Aber für künftige Fällte würde es gerathen seyn, geschickter zu verfahren. Daß Moscheles nicht in dem Concert des Hrn. Musik-Direktors spielte, war übrigens ganz gerecht.                                                                  —r.

Münchener politische Zeitung (December 7, 1826): 1715.

Aus Berlin, vom 25. Novbr…Hr. Moscheles hat die hohe Auszeichnung genossen, von Sr. Maj. dem Könige für ein Allerhöchstdemselben gewidmetes Koncert einen Kostharen Brillantring, mit einem holdvollen Schreiben begleitet, zu erhalten. Derselbe gibt nächstem Dienstag noch ein zweyes, großes Koncert im gros1en Opernhause.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 20, 1826): 842.

Am 21sten gab Hr. Ignaz Moscheles Concert. Er schloss mit einer freyen Phantasie, in der er ausser einem Thema von Händel noch das beliebte Duett aus der Oper: der Maurer: Verzeihen Sie Frau Nachbarin etc. auf originelle Weise hören liess. Wir glauben, dass sein Spiel in den zwey Jahren, vor welchen wir ihn zum letztenmale hörten, noch vollkommener geworden ist.

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (December 28, 1826): 632.

—Der gerühmte Virtuose auf dem Pianoforte, Hr. J. Moscheles, den wir bereits im Jahre I824 mit großer Bewunderung hörten, besuchte zum zweyten Mahle Berlin, und gab am 21. Non. d. J. im Saale des königl. Schauspielhauses ein großes Vokal- und Instrumental-Concert, in welchem er abermahls vollkommen seinen Ruf rechtfertigte, und das anwesende, leider nicht zahlreiche Publikum, durch seine eminente Fertigkeit, verbunden mit der möglichsten Eleganz, Grazie und Ausdruck, in das lebhafteste Erstaunen setzte und zu dem lautesten  und fast unbegränzten Beyfalle bewog. Daß solch’ ein Künstler, wie Hr. Moscheles, der neben der praktischen Ausübung seiner Kunst, auch das Renommee eines ausgezeichneten Componisten für fein Instrument hat, nur seine eigenen Compositionen vortrügt, versteht sich am Ende von selbst, und muß sich am Ende von selbst verstehn, da ja ganz mittelmäßige Virtuosen, die oft zugleich ganz erbärmliche Componisten sind, dasselbe thun, des Göthe’schen:

»Keinen Fiedler wird man finden,

Der nicht lieber eigne Melodien spielt.«

 eingedenk. Wir bemerken daher nur, daß Hr. Moscheles den ersten  Satz eines neuen Concertes (C-dur), ein Adagio nebst Rondo über  den englischen Grenadier-Marsch und eine neue Fantasie mit Orchester: »Erinnerungen aus Irland,« spielte. Die letzte freye Fantasie steigerte noch den Beyfall der Versammlung, und besonders, da der Vortragende, außer einem Thema von Händl noch ein ganz populäres, ein Motiv aus der Oper: »der Maurer« (das beliebte Duett: »Verzeiben sie, Frau Nachbarinn«), hören ließ, und auf höchst originelle Weise, die eben so von glücklicher Erfindungsgabe, als von wahrer Begeisterung zeugte, gesetzt auch, daß der Künstler vorher darauf vorbereitet hatte. Die Unterhaltung förderten außerdem Mad. Türtschmidt  und Hr. Devrient, der jüngere, die zusammen ein Duett  von Generali, und ersters allein eine Scene von Wollank, wahrscheinlich für die geschätzte Sängerinn eigens componirt, mit vielem Beyfall fang. Wundern mußte es freylich, daß sich ein solcher Künstler, wie Hr. Moscheles, nicht der Unterstützung unserer ersten Opernsängerinnen zu erfreuen, halte!! Uebrigens bemerken wir noch, daß Hr. Molcheles seine Compositionen auf einem sehr klangvollen Wiener Flügel-Fortepiano von Leschen, die letzte freye Fantasie aber auf einem englischen Instrumente, aus der Fabrik von P. Erard in London, vortrug. Der Ton des letzern ist ein ausgezeichnet schöner, angenehmer und voller, und besonders der Baß von einer Stärke, wie wir selten oder nie gefunden haben. Die Fabrik (ihr Vorsteher ist bekanntlich ein Bruder der liebenswürdigen und geistreichen Gattinn Spontini’s) empfiehlt sich durch dieses Instrument auf’s Beste, und es ist zu wünschen, daß auch unsere Klavierspieler die Schwierigkeiten nach und nach mehr überwinden lernen, welche bey der Behandlung der Pianoforte’s mit englischem Mechanismus unvermeidlich find, da bey ihnen die Tasten viel tiefer fallen, und daher ein viel nachdrücklicherer und forcirter Anschlag nothwendig wird, das mag auch wobt die Ursache gewesen seyn, weshalb Hr. Moscheles nicht zu allen seinen Produktionen dieses Instrument benutzte, weil er durch lungern Aufenthalt auf dem Continente der englischen Pianoforte‘s entwöhn ist, und seine Compositionen zu schwierig find, als daß er nicht fürchten mußte, es würde ihm vielleicht Eins oder das Andere darauf verunglücken. Bey einer Fantasie hingegen konnte er sich die Passagen so einrichten, wie er voraussetzen dürfte, daß sie ihm gelingen würden, während sie ihm in seinen übrigen Compositionen vorgeschrieben find und für diesen Zweck nicht verändert werden konnten.—Hr. Moscheles kehrt von Berlin über Hamburg nah England zurück. Möge ihm der Aufenthalt in seine deutschen Vaterlande recht angenehme Erinnerungen gewähren, und ihn zu einer eben so trefflichen Fantasie begeistern, wie es Irland gethan hat!

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (January 6, 1827): 10.

Über Moscheles Kunstreise.

…Er empfing von der durchl. Prinzessinn Louise v. Lucca, Gemahlinn des durchl. Prinzen Maximilian eine kostbare Brillantnadel zum Zeichen huldreicher Zufriedenheit. In Berlin veranstaltete er das erste Concert im Königl.  Schauspielhause, das zweyte im königl. Operntheater. Seine früheren Kunstleistungen lebten noch ungetrübt im Angedenken der Berliner. Daher diese beyden Concerte wahren Musikfesten glichen. Der ganze Hof selbst beehrte dieselben mit Seiner höchsten Gegenwart Ueberdieß ward Moscheles die Gnade zu Theil, Sr. Majestät dem Könige ein Concert von seiner eigenen Composition zueignen, und dasselbe dann in Seiner höchsten Gegenwart vortragen zu dürfen. Sr. Majestät der König haben dem Künstler einen werthvollen Brillantring mit nachstehendem Handbillete zu übersenden geruhet.

 »An den Kammervirtuosen I. Moscheles.

Ich habe mit Ihrem Schreiben vom 19. d. M. das mir zugeeignete Concert für Pianoforte erhalten und wünsche, daß Sie in beykommendem Brillantringe ein Merkmahl meines Dankes, und der Würdigung Ihres Talentes erkennen mögen.

Berlin den 24. November 1826.

Friedrich Wilhelm.

The Harmonicon, vol. V (March 1827): 53.

Of our concerts, the most interesting was that given by the celebrated Moscheles. We shall say nothing of his learning, taste, and brilliant execution; it is superfluous to speak of what is known to all the world. Suffice it to say, that he called forth the same enthusiasm here as elsewhere, though possibly here in a still greater degree. Among other of his compositions, he executed, with uncommon brilliancy, a subject new to us, entitled Erinnerungen an Ireland (Recollections of Ireland), which gave universal delight. We trust that, for many years to come, we shall enjoy the happiness of an occasional visit, at least, from this distinguished artist, who ranks as one of the ornaments of his country.