15 December 1824

Karl Möser’s First Subscription Quartet Concert

Berlin: Mendelssohn’s’ Residence

Programme

String Quartet Mozart
String Quartet in F major for Two Violins,
Viola and Violoncello (Op.18, No.1)
Mr. Möser, [?], [?], [?]Beethoven
Quintet in E flat minor for Piano, Violin, Viola,
Violoncello and Double Bass [Op. 87]
Messrs. Moscheles, Möser, [?], [?], [?]Hummel
Principal Instrumentalists: Messrs. Henning Jun., Krauz, Lenz, Moscheles, Möser

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Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (January 5, 1825): 6-7.

Berlin, den 15. Dezember 1824.

Heute haben die mit Recht beliebten Quartettversammlungen unseres thätigen Konzertmeisters, Herrn Möser wieder begonnen. Wir hörten ein Quatuor von Mozart, eines von Beethoven—aus F-dur—

[music sample]

und das Quintuor aus Es-moll, von Hummel, dessen Pianofortepartie von Herrn Moscheles meisterhaft ausgeführt wurde. In dieser Komposition zeigten sich besonders im ersten Allegro einige grosse Züge; den Preis aber muss Ref. dem Quatuor von Beethoven, und in diesem

wiederum dem Adagio zuerkennen, wegen seines sprechenden, wahr und unwiderstehlich jedes empfängliche Gemüth ergreifenden Karakters. Einer solchen Bestimmtheit des Ausdrucksist die Tonkunst ohne Hülfe der Poesie frühes nicht mächtig gewesen. Wie das innige Flehen Büssender zum Himmel, so dringt der

[music sample]

empor und sinkt dann später, wie verzagende Bitte wieder zurück. Schmeichelnde Hoffnung wird durch Gewissensbisse,

[music sample]

und, so muss es bei andern Sätzen jedem erscheinen, durch bittre Thränen und Geisselschläge gestraft. O was liesse sich über dies eine Adagio sagen!—Ich behalte mir vor, künftig weiter über die Quartette zu berichten.

Allgemeine musikalische Zeitung (January 19, 1825): 42-43.

Den 15ten nahmen die Möser’schen Abonnementsquartette wieder ihren Anfang. Das erste brachte uns Hummels Quintett in Es, in welchem Moscheles zum letztenmal hier spielte, und Beethoven’s erstes Quartett in F dar. Ausser Hrn. Concertmeister Moser hört man hier die trefflichen Meister auf ihren Instrumenten, Henning jun., Lenz und Krauz.

12 December 1824

Sonntagmusik Soiree

Berlin: Mendelssohn’s’ Residence

Programme

Hommage à Händel, Grand Duet for Two PianosMaster Mendelssohn, Mr. MoschelesMoscheles
Quartet in F minorMaster MendelssohnMendelssohn
TrioMaster Mendelssohn, [?], [?]Hummel
Principal Instrumentalists: Master Mendelssohn, Mr. Moscheles

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Programme Notes: The Piano duet in G major performed by Mendelssohn and Moscheles may have been an arrangement for two pianos of his Piano Concerto No.3 in G major.


Charlotte: Am 31. October kamen Moscheles und sein Bruder in Berlin an…Es ist ganz nebenbei erwähnt, dass Moscheles drei brillante Concerte gab, für die Uberschwemmten, für Blinde und andere wohlthätige Zwecke, auch für befreundete Künstler spielte. [AML I, 92.]

Moscheles: 12 Dec.: Sonntagsmusik bei Mendelssohn’s. Felix’ F-moll-Quartett; mit ihm mein Duett in G für zwei Pianoforte. Der kleine Schilling spielte Trio von Hummel in G. [AML I, 96]

Reviews

The Musical World (February 4, 1854): 70.

On the 12th of December Felix assisted in his own quartet in F minor, and Moscheles in the now celebrated “Hommage à Handel.”

9 December 1824

Benefit Concert for the Blind Warriors

Berlin

Programme

*Duet BuffoMrs. Biedenfeld, Mr. SpitzederMercadante
*Free Piano Fantasia, incl. the theme from Il flauto magico
and the theme of Ariette from Der Dorfbarbier
Mr. Moscheles 
*From Il barbiere di Siviglia: CavatineMme GrünbaumRossini
*Grand Piano Variations on a Military March
with Orch. Accomp. (Alexander Variations)
Mr. MoschelesMoscheles
Part I  
From The Seasons
     I) Spring
     III) Autumn
Choir, Soloists: Mme Grünbaum,
Messrs. Bader, Blume
Haydn
Part II  
From Alcidor: Act II, FinaleMme Grünbaum, Messrs. Bader, SiebertSpontini
Principal Vocalists: Mesdames Biedenfeld, Grünbaum; Messrs. Bader, Blume, Siebert, Spitzeder
Principal Instrumentalists: Messrs. Moscheles, Spitzeder

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Programme Notes: The profit was 1349 Thaler 212 Groschen—Mr. Bader performed in the place of Mr. Stümer.


Charlotte: Am 31. October kamen Moscheles und sein Bruder in Berlin an…Es ist ganz nebenbei erwähnt, dass Moscheles drei brillante Concerte gab, für die Uberschwemmten, für Blinde und andere wohlthätige Zwecke, auch für befreundete Künstler spielte. [AML I, 92.]

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (December 22, 1824): 442-443.

Korrespondenz.

(Verspätet wegen Mangel an Raum.)

Berlin, den 9. Dezember 1824.

In dem heutigen, zu wohlthätigem Zwecke veranstalteten grossen Konzerte hörten wir unter Herrn Spontini’s feuriger Direktion von dem gesammten Theater- und Kapellpersonale zuerst den Frühling und Herbst aus Haidn’s Jahreszeiten trefflich exekutirt—bis auf einen argen Verstoss in der zweiten Stimme. Madame Grünbaum, Herr Bader (an Herrn Stümers Stelle) und Herr Blume leisteten in den Solopartien lobenswerthes.

Den zweiten Theil eröffnete der Schlusschor aus Spontini’s neuer, noch nicht aufgeführter Oper Alcidor, das Gelübde der Treue genannt, ein Stück, welches grosse Erwartungen von der Oper erregt. Nachdem drei Solostimmen (Madame Grünbaum, Herr Bader (für Hrn Stümer) und Herr Siebert) zu einer glücklich gewählten, stetig beibehaltenen und immer mehr erglühenden Figur

[music sample]

Der Saiteninstrumente (die in ungewöhnlich viele Stimmen zertheilt schienen) einen sanften lang samen Satz begonnen, schloss sich unter wachsendem Orchester und anregenden, originell einfallenden Paukenwirbeln der Chor erst pianissimo, dann crescendo in gleicher Weise an. In einem Unisono und all’ Ottava des ganzen Chors mit den Solostimmen, bei einem mächtigen Eintritte der Blechinstrumente, schien der höchste Grad der Kräfterreicht, als er noch einmal überboten wurde und der gaaze Chor die Sechzehntheilfigur, die von den Saiteninstrumenten vorbereitet worden, etwa in dieser Gestaltung

[music sample]

mit einem ganz neuen Effekte von Kraft und Begeisterung durchführte. Die Blechinstrumente, besonders die Posaunen hatten in dieser letzten Hälfte des Satzes eine so übermässige Gewalt, dass sie dem sehr nahe sitzenden Ref, stellenweise fast den Gang der Komposition verdunkelten und er annehmen wollte, sie seien drei- oder vierfach besetzt. Nachher hat er vernommen, dass nur, nach der Anordnung des Komponisten, mit aufgehobenen Stürzen geblasen worden ist, ein Mittel, das am Schluss einer grossen Oper, wahrscheinlich nach mancher gewaltig erschütternden Stelle und—in unserm grossen Opernhause, gewiss von der angemessensten Wirkung ist. Im Konzertsaale aber, wo man nicht durch die Oper vorher vorbereitet, in einem nicht so grossen und zertheiltem Raume befindlich ist und wo (was sehr erheblich scheint) die Blechinstrumente nicht unter den Singstimmen stehen, sondern über sie wegblasen, da schien dem Ref. Die Verstärkung übertrieben.

Wer der Frau von Biedenfeld und Herr Spitzeder eingegeben hat, nach so grossen Kompositionen ein komisches Duett von Merkadante zu singen, möge es ihnen dem Publikum abbitten. Ueberhäupt scheint ein Theil unserer Gesangvirtuosen noch nicht zu der Erkenntniss gelangt zu sein, dass eine Komposition als dramatische Scene vortrefflich und dabei als Konzertstück unerträglich sein kann. Dahin gehören namentlich alle streng auf besondere Verhältnisse in der Oper, oder auf Handlung berechnete Scenen, da wir im Konzertsaale von den dramatischen Verhältnissen nichts wissen und von der Handlung nichts sehen. Ein Konzetstück muss, wenn es Wirkung haben soll, an für sich ein Ganzes bilden und, ohne dass man etwas voraussusetzen oder hinzuzudenken hat, volle Befriedigung gewähren.

Herr Moscheles spielte seine Variationen auf den Alexandermarsch und fantasirte recht interessant über zwei einander ziemlich fremde Motive: der Ariette aus dem Dorfbarbier, „jüngst sprach mein Herr, der Bader“ und—dem Thema der Zauberflötenouvertüre, aus welcher er die erste Durchführung des Fugenthema durch die vier Stimmen aufnahm und mit so ungeheurer Schnelligkeit ausführte, wie es kaum einem Violinspieler durch Auf- und Niederstrich des Bogens gelingen möchte.

Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz (December 22, 1824): 1020.

Unter den Conzerten, die neulich gegeben wurden, war das mit Bestimmung der Einnahme für erblindete Krieger das vorzüglichste, durch einen Verein der seltenen Talente der Mad. Grünbaum, Frau v. Biedenfeld, der Herren Moscheles und Spitzeder—dazu gesellte sich ein Stück aus Spontini’s werdender Oper „Alcidor“. Es wurde beisällig ausgenommen, war aber zu kurz, als daß wir es in dieser Trennung zu beurtheilen vermöchten. Am wenigsten läßt sich davon auf das Ganze schließen; doch sind wir überzeugt, daß auch hier Spontini’s Talente sich geltend machen werden. Rühmlich und dankbar ist es an zu erkennen, daß Spontini den wohlthätigen Zweck mit allen Kräften unterstützte. Er dirigirte selbst und hauptsächlich haben wir in dieser Hinsicht der ersten Hälfte des Conzerts zu erwahnen, die aus Haydns „Frühling“ und „Herbst“ (Theile der „Jahreszeiten“) bestand und mit starker und treficher Besetzung herrlich ausgeführt wurde. Der Ertrag dieses musikalischen Festes war sehr bedeutend und bewies von Neuem, daß auch bei den mannigfachsten Anforderungen die Berliner nicht aufhören, im eigenen Genuß der Leidenden zu gedenken.—„Er muß warten, daß er schwarz wird!“—ist ein bekanntes deutsches Sprüchwort, dem sich diesmal bei uns sogar eine Anwendung auf den „Othello, den Mohr von Venedig“ geben läßt, der nun seit mehreren Wochen (Mad. Grünbaum als „Desdemona“) im Anzuge und ein Paar Mal vergeblich angezeigt war. Der Mohr kann nun eigentlich nicht schwarz werden; mag es für ihn der oder die, welcher oder welche an der Zögerung schuld ist. Unterdessen, bis dies gedruckt erscheint, kann die Darstellung erfolgt seyn; unsre Rüge soll dann denn nächsten Falle der Art gelten, der gewiß nicht lange ausbleibt.—Ueber einige andere Theater Vorfälle wollen wir auswärtige Zeitschriften sprechen lassen; der „Gesellschafter“ nimmt nicht Alles vorweg, gönnt vielmehr auch den Collegen etwas; manche mal muß  er dieß sogar aus guten Erfinden thun. M—e.

Allgemeine musikalische Zeitung (January 19, 1825): 42.

Den 9ten war Concert zum Besten des vaterländischen Vereins für erblindete Krieger, unter der Leitung des Hrn. Generalmusikdirectors Spontini und des Hrn. Concertmeisters Möser. Den ersten und dritten Theil bildeten der Frühling und Herbst aus Haydn’s Jahreszeiten; die Solopartieen trugen Mad. Grünbaum und die Herren Bader und Blume trefflich vor, die Chöre das gesammte Chor personal des königl. Theaters unter des Hrn. Chordirectors Leidel Fülirung. Der zweyte Theil gab das Finale des dritten Akts aus Spontini’s neuer Oper, Alcidor, der Schwur der Treue, von Mad. Grünbaum, den Herren Bader und Siebert und dem Chorpersonal ausgeführt; ein Duetto bufio von Mercadante, gesungen von Frau von Biedenfeld und Hrn. Spitzeder; die Cavatine aus Rossini’s Barbier von Sevilla, gesungen von Mad. Grünbaum. Endlich trug Hr. Moscheles seine Variationen über den Alexandermarsch mit Begleitung des Orchesters vor, und führte auch eine freye Phantasie aus über ein Thema aus dem Dorfbarbier und die Ouverture zu Mozart’s Zauberflöte. Nach Abzug der Kosten war die reine Einnahme des Concerts 1349 Thaler 212 Gr.

The Harmonicon, vol. III (April 1825): 58.

Two concerts given by Moscheles here, before his departure, were among the most splendid that Berlin has witnessed for many years. With respect to this great pianist, we will not say a word relative to mechanical difficulties conquered by him with perfect ease, as these may be vanquished by almost all, who labour in earnest to attain their object. What we would dwell upon is, his sylph-like facility, and the bold, but playful, character of his style; the most difficult series of tones flit away, not as if the strings had been struck by the key and the finger, but as if they had been swept by the passing breeze, whence accents so new, so varied, so expressive, arise, that even amateurs the most difficult to be pleased, are forced into admiration.

With respect to this professor’s compositions; many of them, being written in great haste, and in moments snatched from his continual occupation, cannot be supposed to possess superior merit, but on the present occasion we were delighted to hear two concertos of real excellence: viz., in E flat major, and G minor. There is a greatness of ideas, and such a high and poetical instrumentation in the Adagio,—a movement in which all virtuosi do not excel,—that the beauty of the composition can for a moment make us forget even this performer himself. It is with no common feeling of regret, that we reflect how long it may be before we are again enchanted with this artist’s performance. Virtuosi may be compared to comets; they are not stationed like composers in the centre of a circle of which they are the life and soul; they are not governed by common laws ; their course is wild and eccentric, they excite a momentary astonishment, and then sweep away into vast distances, from which their return is not to be calculated.

6 December 1824

Ignaz Moscheles’ Third Concert

Berlin

Programme

Deklaration, ‘Klotar’ Miss BauerF. Kind
 followed by Les adieux des troubadours,
Concertante Variations for Voice, Piano,
Violin and Guitar
Mme Grünbaum;Messrs. Moscheles, Möser, BlumMoscheles, Mayseder, Giuliani
Gage d’amitié. Grand Piano Rondo with
Orchestral Accompaniments
Mr. MoschelesKalkbrenner
Grand Potpourri Concertante for Piano and Violin (Op.59)Messrs. Moscheles, MöserMoscheles & Lafont
Overture, Kolmar  
Overture, Medea Cherubini
Piano Concerto No.4 in E majorMr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Miss Bauer, Mme Grünbaum
Principal Instrumentalists: Messrs. Bader, Blum Möser, Moscheles

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Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (December 15, 1824): 428-429.

Berlin den 6. Dezember 1824.

Das heutige dritte und letzte Konzert des Herrn Moscheles fand und verdiente dieselbe Theilnahme des zahlreich versammelten Publikums, die der glänzende Erfolg seiner frühern Konzerte gewesen war. Ueber grössere Kompositionen des uns so werth gewordenen Künstlers wird bald in diesen Blättern gesprochen werden; darum hier nur von ihm als Konzertgeber und Spieler.

Als Konzertgeber hat er dem Heere der weit unter ihm stehenden Virtuosen, die winterlich alle Städte durchziehen, heute eine kleine Lektion gegeben, indem er, der ausgezeichnete Konzertkomponist, er, dessen G-moll und Es-dur Konzert so enthusiastisch aufgenommen wurden, eine Komposition von Kalkbrenner, gage d’amitiè, zu hören gab, und mit derselben Liebe, wie eine eigene Komposition, vortrug.

Es ist schon bei einer andern Gelegenheit…darauf hingedeutet worden, woher die Neigung der Virtuosen, selbst zu komponiren und eigne Kompositionen vorzutragen, abzuleiten sei, da doch ihre anhaltende Beschäftigung mit technischen Uebungen, ihre zunächst auf Geltendmachung des Persönlichen gerichtete Lebens-Tendenz nicht absolut auf schöpferischen Drang hindeuten. Berechtigt erscheint uns diese Neigung, wenn ein Künstler in seinem Spiel eine bisher unerreichte, in den bisherigen Kompositionen nicht anwendbare Virtuosität errang, oder sich einen eigenthümlichen, von dem Sinne der vor handenen Kompositionen abweichenden Ideen gang u. Vortrag, eine eigene Manier gebildet hat. Beides können wir von Herrn Moscheles rühmen; er würde ausser Stande sein, sich in seiner ganzen Eigenthümlichkeit und Vollendung zu zeigen, wenn er nicht eigne Kompositionen vortrüge—und durch diese innere Nothwendigkeit ist er ein trefflicher Konzertkomponist geworden.—Unlöblich ist dagegen die Sucht an derer Virtuosen, nur in eignen Kompositionen aufzutreten, ohne jene innre Nothwendigkeit, blos aus dem eitlen Wunsche, auch als Komponisten genannt zu sein, oder aus Unkenntniss ihrer selbst und der Literatur in ihrem Fache, die sie hindert, das für sie Passende herauszufinden. Jene Flickwaaren von Virtuosenkompositionen aus etlichen Opernreminiszenzen und so oder sohin gedrehten, bald abgenutzten, bald verkünstelten Passagen—jener Verderb der Konzerte und des allgemeinen Geschmackes…)—wird noch immer vom Publikum und von den Beurtheilern (auch in dieser Zeitung…) viel zu nachsichtig behandelt. Man darf nicht allgemein vom Virtuosen verlangen, dass er auch Komponist sei; giebt er sich aber als solchen, so müsse er die Feuerprobe aushalten. Vielleicht entschliessen sich dann künftige Konzertisten leichter, sich zu bessern fremden Kompositionen zu wenden. Der bewährte Komponist Moscheles hat das nicht verschmäht.—

Ueber Herrn Moscheles Spiel ist nun bereits vieles in dieser Zeitung gesagt worden. Mir ist die innige Vereinigung des Künstlers mit seinem Instrumente besonders interessant aufgefallen; sie erschienen mir wie zwei Neuvermählte, mit Liebe und der zartesten Achtung auf einander eingehend. Nichts foderte Herr Moscheles von seinem Instrumente, was es nicht hätte gewähren können, kein Effekt, den man nach dem Sinne der Komposition und des Vortrags erwar ten durfte, blieb aus, und die volle Herrschaft des Virtuosen über sein Instrument gab jedem Hörer das ruhige Bewusstsein, dass jeder einzelne Ton vom Spieler empfunden und bedacht sei und ganz gewiss so, wie er gedacht, erscheinen werde.

Herr Bader mit seinem gesunden, wohlthuenden Organ, mit seiner klangvollen Brust Stimme, Madam Grünbaum, Herr Konzertmeister Möser und Herr Karl Blum als Guitarrenspieler (eine selten gewordene Erscheinung im Konzerte) sowie die Gegenwart des Fräuleins Bauer, die „Klotar“ von Kind deklamirte, verschönten das Konzert. Die grossartigen Ouvertüren aus Kolmar und Medea von Cherubini regten von neuem den Wunsch auf, Opern von diesem Meister zu hören. Warum wird namentlich seine Lodoiska nicht mehr gegeben, warum nicht die längst versprochene Medea? In der That, es geschieht zu wenig zur Bereicherung u. Erneuung des Opern repertoirs.

A.—Z.

Allgemeine musikalische Zeitung (January 19, 1825): 41-42.

[Berlin, January] Den 6ten gab der im vorigen Berichte schon gepriesene Hr. Moscheles ein drittes Concert, in dem er ein neues Pianoforteconcert in E dur, ein concertirendes Potpourri für Pianoforte und Violine, von ihm und Lafont componirt und von ihm und Hrn. Concertmeister Möser vorgetragen, und die Gage d’amitié (Adagio und Rondo brillant mit Orchesterbegleitung von F. Kalkbrenner) meisterhaft spielte. Den Beschluss machte F. Kind’s Gedicht, Artar, gesprochen von Dem. Carol. Bauer, als Einleitung zu dem Abschiede der Troubadours, einer Concertante für Gesang, Pianoforte, Violine und Terzguitarre, componirt von Moscheles, Mayseder und Guiliano, und von Mad. Grünbaum und den Herren Möser, C. Blum und Moscheles trefflich vorgetragen.

Abend Zeitung (March 1, 1825): 204.

Aus Berlin.

….Gebührendermaßen müß mit einem Hochberühmten der Reigen eröffnet, folglich Herr Moscheles, der Amphion unserer Zeit, zeurt gennant werden, Da es aber unmöglich ist, über selbigen etwas Neuses zu sagen und ich nicht gesonnen bin, das Oftgesagte zu wiederholeb, so möge die Anzeige genügen, daß er hier war, drei Concerte gab, Kenner und Richtkenner entzückte, bewundert, angestaunt, vergöttert wurde, gute Geschäfte, bewundert, angestaunt, vergöttert wurde, gute Geschäfte machte, und nebenbei die Genugtuung hatte, sein wobt getroffenes Blidniß an den Fenstern aller Kunst- und Musikalienhändler prangen zu sehen, welches Bildniß auch guten Absaß fand, indem selbiges besonders von einer sehr Wohlhabenden Klasse der hiesigen Einwohner dringend nachgesucht wurde. Indem ich des Portraits des Herrn Moscheles erwähne, werde ich beinahe versucht, über Bildnisse im Allgemeinen und über die Art, selbige dem schau- und kauflustigen Publikum auszustellen ein Wort zu sagen

22 November 1824

Karl Möser’s Concert

Berlin

Programme

From Margherita d’Anjou: Scene and Aria with Chorus[Mme Grünbaum], ChoirMeyerbeer
Symphony No.5 in C minor(first time in Berlin)Beethoven
Violin ConcertinoMr. MöserMayseder
Violin Variations on the Barcarolle by Mazas with
Orchestral Accompaniments (new)
Mr. Möser 
Piano Rondo with Orchestral Accomp.Mr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Mme Grünbaum
Principal Instrumentalists: Messrs. Möser, Moscheles

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Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (December 1, 1824): 415.

Berlin den 22. November 1824.

Herr Konzertmeister Möser beginnt in diesem Winterhalbenjahre von Neuem das verdienstvolle Wirken für das wahre musikalische Beste des hiesigen Publikums, das schon am Schlusse der vorigen Winterkonzerte in dieser Zeitung mit gerechter Anerkennung erwähnt worden ist.. Nachdem er damals die Sinfonia eroica, und später Herr Ritter Spontini die A-dur-Sinfonie von Beethoven aufgeführer, hat er die Berliner jetzt mit der grossartigsten aller Sinfonien, der aus C-moll von Beethoven, die bisher noch nie hier gegeben worden, bekannt gemacht

Das musikalische Publikum ist Herrn Möser für so herrliche Gaben den grössten Dank und die ausgezeichnetste Hochachtung schuldig, um so mehr, da er dabei von keinem Eigennutze geleitet wird (denn wenn er so meisterhaft, wie in dem heutigen Konzerte, spielt und gar noch von Talenten wie der Madame Grünbaum und des Herrn Moscheles unterstützt wird, füllt sich der Saal auch ohne Sinfonie) und da in Berlin noch immer so blutwenig für höhere Konzert musik geschieht. Dieser Gegenstand ist schon früher in der Zeitung berührt worden, allein er erscheint so wichtig, dass er eine nähere Erörterung verdient

Allgemeine musikalische Zeitung (December 23, 1824): 861.

[Berlin,November] Den 22sten hatte Hr. Concertmeister Möser eine musikalische Akademie veranstaltet, die den Namen in der That verdiente. Zum erstenmal ward hier Beethoven’s grosse Symphonie in C moll ausgeführt, die ein Allegro con brio, Andante, Menuetto und Finale enthält, und meisterhaft dargestellt wurde. Hr. Möser trug ein neues Concertino von Mayseder, neue Variationen auf la Barcarole von Mazas, mit Begleitung des Orchesters vor, und begleitete auch mit seiner obligaten Violine die Scene und Arie mit Chor aus J. Meyerbeer’s Oper Margherita d’Anjou, welche Mad. Grünbaum vortrefflich sang. In Hrn. Möser’s Spiel bewunderte man, wie immer, den festen gehaltenen Strich, das gediegene Legato, die Sicher heit, Präcision und Reinheit der Sprünge, Octaven läufe, Doppelgriffe, Arpeggien, Triller etc., und den seelenvollen Ausdruck. Auch diesen Abend verherrlichte Hr. J. Moscheles durch ein von ihm componirtes und vorgetragenes Rondo brillant für das Pianoforte mit Begleitung des Orchesters.

The Harmonicon, vol. III (May 1825): 84.

Among our concerts, the most brilliant was that given by M. Möser, on which occasion was produced here, for the first time, Beethoven’s grand Symphony in C minor, which, with its spirited allegro, graceful andante, gay minuet, and imposing finale, was given with great spirit and effect. M. Möser played a new concertino, by Mayseder, with very characteristic variations to the beautiful air La Barcarola; he also accompanied on the violin obbligato a scena and air from Mayerbeer’s opera of Margerita d’Anjou. What is principally admired in M. Möser’s performances is his firm sustained bow, united to great ease and brilliancy of execution. On the same evening M. Moscheles delighted us with a new Rondo, executed by him with his usual power, on that instrument of which he reigns as one of the greatest masters of the day.

18 November 1824

Ignaz Moscheles’ Second Concert

Berlin

Programme

AriaMme Grünbaum 
AriaMr. Stümer 
Free Piano Fantasia, incl. a theme on a Russian folk Melody and Marlborough-MarschMr. Moscheles 
Piano Concerto No.3 in G minorMr. MoschelesMoscheles
Piano Fantasia and Variations on the favourite air ‘Au clair de la Lune’
with Orchestral Accompaniments (Op.50)
Mr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Mme Grünbaum; Mr. Stümer
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Programme Notes: The piano brand was Leschen.


Charlotte: Am 31. October kamen Moscheles und sein Bruder in Berlin an…Es ist ganz nebenbei erwähnt, dass Moscheles drei brillante Concerte gab, für die Uberschwemmten, für Blinde und andere wohlthätige Zwecke, auch für befreundete Künstler spielte. [AML I, 92.]

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 24, 1824): 407-408.

Berlin den 18. November 1824.

Zweites Konzert des Herrn I. Moscheles.

Das heutige Konzert gehört zu den glänzendsten, die seit einigen Jahren in Berlin gegeben worden sind. Herr Moscheles gewährte uns im heutigen, wie in seinem ersten Konzerte den Genuss, einen in jeder Beziehung vollendeten Künstler zu sehen. Publikum und Orchester zeigten sich enthusiasmirt; das letztere namentlich bewies einer im Konzertsaale ziemlich seltene Präzision, Energie und Delikatesse und Herr Moscheles liess nur den einen Wunsch übrig,–ihn länger bei uns zu sehen und in mehren Konzerten zu hören. Virtuosen sind den Kometen vergleichbar. Sie stehen nicht, wie Komponisten, herrschend im Mittelpunkte eines durch sie beseelten Kreises, sie mögen nicht leicht einen solchen Herrscher dienend begleiten; frei und fremd ziehen sie durch alle Regionen, Staunen und Anregung bringend und dann in weite Fernen entschwindend. Aber Berlin ist wollängeres Verweilen werth.

In der Regel genügt es, einen Virtuosen ein oder zweimal zu hören, um seine Individualität kennen zu lernen und damit alles Interesse, das er gewähren kann, erschöpft zu haben. Herr Moscheles gehört zu den wenigen Ausnahmen.

Es ist zu geringe, von den Schwierigkeiten zu reden, die er mit unglaublicher Leichtigkeit überwand. Denn so selten ein so hoher Grad technischer Ausbildung gefunden wird, so kann er doch von den meisten Menschen, wenn sie nur recht wollen; erlangt werden. Mehr interessirt schon der eigne Stil, der sich in Herrn Moscheles Spiele vorherrschend zeigt. Sylphenhafte Leichtigkeit und eine kecke, dabei aber stets feine Laune bewegt sich in seinem Spiele; die schwersten Tonfolgen fliegen vorüber, als würden die Saiten nicht von Hämmern und Tasten und Fingern geschlagen, sondern von einem flüchtigen Lufthauche berührt; und aus diesem Fluge drängen sich so neckisch, so dreist kleine Akzente hervor, dass auch der aufgeregteste Hörer überrascht wird.

Ueber alles dies geht dem Ref, was Herr Moscheles als Komponist geleistet. Er gesteht, dass ein grosser Theil der gedruckten Werke dieses Künstlers ihm keine zu hohe Erwartung eingeflösst hatte (pariser Livres und englische Pfunde mögen wol manches dabei erklären) und dass es ihn um so mehr überraschte, im ersten Konzerte ein Es-dur–Könzert und im zweiten ein G-moll-Konzert zu hören, die beide, besonders aber das letztere, unbedingt vortrefflich sind, ja zu dem Besten gehören, was in diesem Kompositionsfache geleistet worden ist. Das G-moll Konzert hat eine Tiefe, eine Grossheit der Ideen und besonders im Adagio eine so fantasie reiche, dichterisch schöne Instrumentation, dass man (ein seltner Fall bei Virtuosen) leicht des Spieles über die Komposition vergessen konnte, dass man fast beklagen musste, einen so schönen Satz an die Bedingungen des Virtuosenthümlichen geknüpft, das herrlich beseelte Orchester mit dem hölzernen Pianoforte (so schön es gespielt wurde) vermischt zu sehen.

Weniger bedeutend schienen dem Ref. die freien Fantasien, mit denen Herr Moscheles seine Konzerte schloss; doch muss er sie interessant, einiges in ihnen schön nennen. Im zweiten Konzerte fantasirte Herr Moscheles über einige unmittelbar vor dem Beginnen ihm vorgelegte Themata und behandelte sie gewandt und interessant; selten mag wol ein Paar tausend Menschen gegenüber für eine solche Aufgabe mehr geleistet werden; nur Hummels Fantasien bleiben jedem, der ihn gehört hat, unvergesslich.

Madame Grünbaum, die den Konzertgeber in beiden und Herr Stümer, der ihn im letzten Konzert unterstützte, bewährten ihre Gesangfertigkeit zum Wohlgefallen der Zuhörer.

S. K.

Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz (November 29, 1824): 956.

Mad. Grünbaum, Hr. Moscheles und Hr. und Mad. Arnold haben Conzerte gegeben und ihre Virtuosität hat auch bei uns neuen Ruhm erworben.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 23, 1824): 860.

….im zweyten am 18ten, ein neues Concert in G moll, Variationen über eine französische Volksmelodie mit Orchesterbegleitung, und eine freye Phantasie, deren Themen ihm nach seiner Aufforderung von Musikliebhabern vorgelegt wurden, als er sich an’s Pianoforte setzte, nämlich der Marlboroughmarsch und ein russisches Volkslied. Der Anschlag hat eine fast wunderbare Elasticität; nicht weniger ausserordentlich ist die Fertigkeit, Sicherheit und Kraft, besonders in den Terzen- und Octavengängen im schnellsten Zeit maass mit beyden Händen, der unübertreffliche Triller und der elegante und kraftvolle Vortrag. Er spielte auf einem Wiener Flügelpianoforte von Leschen.

Abend Zeitung (March 1, 1825): 204.

Aus Berlin.

….Gebührendermaßen müß mit einem Hochberühmten der Reigen eröffnet, folglich Herr Moscheles, der Amphion unserer Zeit, zeurt gennant werden, Da es aber unmöglich ist, über selbigen etwas Neuses zu sagen und ich nicht gesonnen bin, das Oftgesagte zu wiederholeb, so möge die Anzeige genügen, daß er hier war, drei Concerte gab, Kenner und Richtkenner entzückte, bewundert, angestaunt, vergöttert wurde, gute Geschäfte, bewundert, angestaunt, vergöttert wurde, gute Geschäfte machte, und nebenbei die Genugtuung hatte, sein wobt getroffenes Blidniß an den Fenstern aller Kunst- und Musikalienhändler prangen zu sehen, welches Bildniß auch guten Absaß fand, indem selbiges besonders von einer sehr Wohlhabenden Klasse der hiesigen Einwohner dringend nachgesucht wurde. Indem ich des Portraits des Herrn Moscheles erwähne, werde ich beinahe versucht, über Bildnisse im Allgemeinen und über die Art, selbige dem schau- und kauflustigen Publikum auszustellen ein Wort zu sagen.

The Harmonicon, vol. III (April 1825): 58.

Two concerts given by Moscheles here, before his departure, were among the most splendid that Berlin has witnessed for many years. With respect to this great pianist, we will not say a word relative to mechanical difficulties conquered by him with perfect ease, as these may be vanquished by almost all, who labour in earnest to attain their object. What we would dwell upon is, his sylph-like facility, and the bold, but playful, character of his style; the most difficult series of tones flit away, not as if the strings had been struck by the key and the finger, but as if they had been swept by the passing breeze, whence accents so new, so varied, so expressive, arise, that even amateurs the most difficult to be pleased, are forced into admiration.

With respect to this professor’s compositions; many of them, being written in great haste, and in moments snatched from his continual occupation, cannot be supposed to possess superior merit, but on the present occasion we were delighted to hear two concertos of real excellence: viz., in E flat major, and G minor. There is a greatness of ideas, and such a high and poetical instrumentation in the Adagio,—a movement in which all virtuosi do not excel,—that the beauty of the composition can for a moment make us forget even this performer himself. It is with no common feeling of regret, that we reflect how long it may be before we are again enchanted with this artist’s performance. Virtuosi may be compared to comets; they are not stationed like composers in the centre of a circle of which they are the life and soul; they are not governed by common laws ; their course is wild and eccentric, they excite a momentary astonishment, and then sweep away into vast distances, from which their return is not to be calculated.

11 November 1824

Ignaz Moscheles’ First Concert

Berlin

Programme

ria Mercadante
Free Piano Fantasia, incl. theme by Handel, Spontini’s
Nurmahal, and from Marschner’s Die Wiener in Berlin
Mr. Moscheles 
From La clemenza di Tito: Aria, ‘Parto, ma tu ben mio’Mme Grünbaum; Clarinet Obbligato: Mr. K. M. TauschMozart
Piano Concerto No.2 in E flat majorMr. MoschelesMoscheles
Piano Fantasia and Variations on the favourite air ‘Au clair de la Lune’ with Orchestral Accompaniments (Op.50)Mr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Mme Grünbaum
Principal Instrumentalists: Messrs. K. M. Tausch, Moscheles

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Programme Notes: The piano brand was Leschen.


Charlotte: Am 31. October kamen Moscheles und sein Bruder in Berlin an…Es ist ganz nebenbei erwähnt, dass Moscheles drei brillante Concerte gab, für die Uberschwemmten, für Blinde und andere wohlthätige Zwecke, auch für befreundete Künstler spielte. [AML I, 92.]

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Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 10, 1824): 390.

Donnerstag den 11. Nov. steht uns ein seltener Genuss bevor; der grosse Klavierspieler Moscheles wird sich hören lassen

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 17, 1824): 398-399.

Berlin den 11. November 1824.

Erstes Konzert des Herrn J. Moscheles.

Was würde ein alter Grieche, wenn er aus seinem Grabe erstünde, zu den Fortschritten unseres Jahrhunderts sagen, zu unseren Entdeckungen, Erfindungen, Anlagen, Verbesserungen, zu den Landstrassen und Chausseehäusern, die wir im Monde sehen—oder anlegen, zu den antediluvianischen Menschen, die in Paris—von Steinaulagen, zu den Brücken unter Strömen und Bauten unter dem Grunde des Meeres (man frage nur in London und den englischen Stein kohlenbergwerken) zu unsern Wagen ohne Pferde, und Schiffen ohne Segel—der Dampf thuts! Und was würde der ehrliche Lasos, des Eupolis Sohn aus Hermione sagen, wenn er im heutigen Konzerte gewesen wäre! Macht der Mann nicht ein Aufhebens von dem Hippopotamos, den Teiresias Tochter Pyrene gesungen haben soll…) und der am Ende auf ein ordinaires dreigestrichenes c oder f oder g hinausläuft. Da sind wir weiter. Ein Ton—was ist ein To—den singt man gar nicht mehr. Es müssen auf jeden Wurf zwei Dutzend Töne sein, so lehrte Madam Grünbaum im heutigen Konzerte an der Arie „Parto“ aus Mozarts Titus. Aber den ersten Takt liess sie wirklich ganz unverziert.

Und nun Herr Moscheles! Der Mann hat unstreitig die Erfindung gemacht, seine Finger ohne Beschwerde zu tranchiren und mit jedem Streifchen wie ein Meerpolip lustig und frisch fortzuhandtiren; denn sonst begreife ich nicht, wie er es angefangen haben könnte, oben Terzenlaufer, in Mitten Doppeltriller und unten…) Arpeggio’s, oder oben Oktaventriller, nämlich so

unten andere Hexereien zu treiben. Beschreibe ich nicht getreu, so ist es nicht meine, sondern seine Schuld, denn die Töne liefen mir immer Schaarenweis unter den Ohren durch; wer kann da fest halten. Nun wollte ich zwar mehr als einmal wenigstens mit meinen Augen die richtige Bewandniss erhaschen. Aber da kamen mir jedesmal so pikante geistreiche Nekkereien, so luftige verlockende Phantasieflüge, so interessante Zartheiten, dass ich wol den Mund offner gehabt habe, als die Augen. Entschuldigen Sie daher, Herr Redakteur, dass ich Ihnen nichts genaues zu berichten weiss. Man muss wahrlich Herrn Moscheles mehr als einmal hören, um besonnen über ihn zu sprechen.

. . . . . s.             . . . . . . s

Augsburgische Ordinari Postzeitung von Staats-, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten (November 23, 1824).

Berlin, den 12. Nov.

Gestern Abend, in dem gedrängt vollen Konzert des Herrn Moscheles aus Wien, wurde das anwesende Publikum durch das Erscheinen einer neuen Lebens gefährtin und Gemahlin Sr. Majestät des Königs überrascht, welche unter der königl.

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 24, 1824): 408.

…im ersten Konzerte ein Es-dur–Könzert und im zweiten ein G-moll-Konzert zu hören, die beide, besonders aber das letztere, unbedingt vortrefflich sind, ja zu dem Besten gehören, was in diesem Kompositionsfache geleistet worden ist…Weniger bedeutend schienen dem Ref. die freien Fantasien, mit denen Herr Moscheles seine Konzerte schloss; doch muss er sie interessant, einiges in ihnen schön nennen…Madame Grünbaum, die den Konzertgeber in beiden und Herr Stümer, der ihn im letzten Konzert unterstützte, bewährten ihre Gesangfertigkeit zum Wohlgefallen der Zuhörer.

S. K.

Bayereuther Zeitung (November 25, 1824): 1017.

Berlin, 12. November. Gestern Abends, in dem gedrängt vollen Konzert des Herrn Moscheles aus Wien, wurde das anwesende Publikum durch das Er scheinen einer neuen Lebensgefährtin und Gemahlin Sr. Majestät des Königs überrascht, welche unter der Königl. Familie in der Königl. Loge ihren Platz nahm. Auf Befehl Sr. Majestät ist an die Behörden hierüber eine Mittheilung des Inhaltes ergangen.

Journal des débats politiques et littéraires (November 25, 1824): 1.

Hambourg, 17 novembre.

(Extrait d’une lettre particulière)

Le mariage du Roi de Prusse avec la princesse de Liegnitz avoit été tenu secret dans les premiers jours. Ce fut le 11 novembre, dans le concert très suivi de M. Moschelès, que le public fut agréablement surpris par l’apparition d’une nouvelle épouse de S. M. le Roi, qui prit place parmi la famille royale, dans la loge du Roi.[1]

[1] The review’s location is wrong. Moscheles performed in Berlin and not in Hamburg.

The Courier (November 27, 1824).

ROYAL LEFT-HANDED MARRIAGE.—A letter from Berlin, of the 13th inst., in a Dutche Paper, contains the following paragraph:—“At the concert of M. Moschelles, the numerous audience was most agreeably surprized by the appearance of the Princess of Leignitz [sic] in the royal box. We perhaps never saw the public more eager and impatient, for the marriage of his Majesty had remained a secret till that evening, and of 1,000 persons at the concert, five at most brought the news into the concert-room.

Klagenfurter Zeitung (November 28, 1824).

Gester Abend, in dem gedrängt vollen Konzert des Hrn. Moscheles aus Wien,  wurde das anwesende Publikum durch das Erscheinen einer neuen Lebensgefährtinn und Pemahlinn Sr. Majestät des Königs übernacht, welch unter der königlichen Familie[*] der königlichen Loge ihrem Plaß nahm. Die Eltern der königl. Gemahlinn, der Grafund dir Gräfin v. Harrach, befinden sich ebenfall in Berlin, beide waren in dem Concerte anwesend, nahmen jedoch ihren Platz außerhalb der königl. Loge.

Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz (November 29, 1824): 956.

Mad. Grünbaum, Hr. Moscheles und Hr. und Mad. Arnold haben Conzerte gegeben und ihre Virtuosität hat auch bei uns neuen Ruhm erworben.

Oesterreichisch-Kaiserliche pirivilegirte Wiener Zeitung (December 2, 1824): 1172.

Der berühmte Virtuos auf dem Fortepiano, Hr. Moscheles aus Prag, befindet sich gegenwärtig in Berlin, und eines der dortigen Blätter enthält eine Anzeige von dem ersten Concerte, welches er daselbst gab, worin es heißt: »Ein großer Ruf ging Hrn. Moscheles voraus, und längst schon war sein Lob von Wien, Paris und London bis zu uns erschollen. Man war deßhalb sehr gespannt darauf, diesen berühmten Clavierspieler zu hören. Das erste Concert des Hrn. Moscheles war sehr besucht, und durch eine glänzende Versammlung ausgezeichnet, welche die Anwesenheit des ganzen königlichen Hofes und hoher Fremden verherrlichte. Nicht minder eigenthümlich, als die Herren Hummel und Kalkbrenner, erscheint Hr. Moscheles in der trefflichen Art seines Anschlages, in der höchsten Fertigkeit, besonders von Terzen und Octavengängen in dem rapideste Zeitmaße, mit beyden Händen (vorzüglich mit der linken Hand)  gleich sicher und unfehlbar ausgeführt, im eleganten, zierlichen und effectrollen Vortrage, unübertrefflichen Triller mit allen Fingern, und im präcisen, oft wiederhohlten Anschlage eines und desselben Tasten. Auch im Velocissimo verläßt diese Schnell ­kraft der Ton-Vibration den Virtuosen nicht, welchem auch außerdem Kunstmittel zu Gebothe stehen. Hr. Moscheles trug zuerst ein noch nicht gestochenes Concert eigener Composition einem Wiener Flugel-Pianoforte vom Leschen, mit allgemeinem Beyfalle hinreißend vor. Noch ansprechender wirkten die später vorgetragenen Tonstücke seiner Composition. In der Phantasie am Schlusse wurden in wunderbarem Contrast drey betrogene Themata erst einzeln, dann verbunden mit vieler Kunst und großer Fertigkeit durchgeführt. Enthusiastischer Beyfall bezeugte die allgemeine Anerkennung der ausgezeichnetsten Verdienste dieses Künstlers.

Wiener allgemeine musikalische Zeitung, mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (December 4, 1824), 386-387.

Berlin.

Moscheles befindet sich gegenwärtig in Berlin, und eines der dortigen Blätter vom 13. d. N. enthält folgende Anzeige von dem ersten Concerte, welches er daselbst gegeben hat: „Ein großer Ruf ging dem Virtuosen Hrn. Moscheles voraus, und längst schon war sein Lob von Wien, Paris und London bis zu uns erschollen. Man war deßhalb sehr gespannt darauf, diesen berühmten Clavierspieler zu hören, der auch als Componist für das Pianoforte bei den Musikfreunden beliebt und geachtet ist. Das erste Concert des Hrn. Moscheles war sehr besucht und durch eine glänzende Versammlung ausgezeichnet, welche die Anwesenheit des ganzen königlichen Hofes und hoher Fremden verherrlichte. Nicht minder eigenthümlich als die HH. Hummel und Kalkbrenner erscheint Hr. Moscheles in der trefflichen Art seines Anschlages, in der höchsten Fertigkeit, besonders von Terzen-und Octavengängen in dem rapidesten Zeitmaaß, mit beiden Händen (vorzüglich mit der linken Hand) gleich sicher und unfehlbar ausgeführt, im eleganten, zierlichen und effectvollen Vortrage, unübertrefflichen Triller mit allen Fingern, und im präcisen, oft wieder hohlten Anschlage eines und desselben Tasten. Auch im Velocissimo verläßt diese Schnellkraft der Ton-Vibration den Virtuosen nicht, welchem auch außerdem alle Kunstmittel zu Gebote stehen. Hr. Moscheles trug zuerst ein noch nicht gestochenes Concert eigner Composition auf einem Wiener Flügel-Pianoforte von Leschen, zu allgemeinem Beifall hinreißend vor. Noch ansprechender wirkten die beliebten Variationen mit vorangehender Fantasie auf das Thema des Chanson’s au clair de la lune, welches bereits in der Schlesingerschen Musikhandlung sowohl mit der Orchesterbegleitung, als für das Piano forte erschienen ist. Für unsern Virtuosen nur ein leichtes Scherzspiel, führte Hr. Moscheles diese angenehme Composition so graziös als kunstfertig aus. In der Fantasie—vielmehr Potpourri—am Schluß wurden in wunderbarem Contrast drei heterogene Themata erst einzeln, dann verbunden mit vieler Kunst und großer Fertigkeit durchgeführt, nämlich ein Fugen-Thema von Händel, Melodien aus Spontini’s Nurmahal und „die Wiener in Berlin.“ Enthusiastischer Beifall bezeugte die allgemeine Anerkennung der ausgezeichnetsten Verdienste dieses Künstlers.—Mme. Grünbaum stand demselben würdig zur Seite, und trug mit möglichstem Kunstaufwand die Arie des Sertus: „Parto“ aus Mozart’s Titus, von Hrn. K. M. Tausch mit der Clarinette vorzüglich schön begleitet, wie eine (früher von Mme. Seidler schon mit Vergnügen gehörte) Arie von Mercadante—besonders letztere in den chromatischen Scalen—so aus gezeichnet und in dem neuern italienischen Geschmack vor, welchen diese treffliche Sängerinn sich so ganz angeeignet hat. Im Concert des Hrn. Moscheles hätten die, ohnehin nicht wohlklingenden Paucken zu dem Solo mit dem Pianoforte auch reiner eingestimmt seyn müssen, was freilich bei diesem Instrument große Schwierigkeiten hat. Hoffentlich wird uns Hr. Moscheles noch öfter durch sein Meisterspiel erfreuen.

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (December 9, 1824): 591.

Ein großer Ruf ging den Virtuosen, Hern J. Moscheles voraus, und längst schon war sein Lob von Wien, Paris und London bis zu uns erschollen. Man war deshalb sehr gespannt darauf, diesen berühmten Klavierspieler zu hören, der auch als Componist für das Pianoforte bey den Musik-Freunden beliebt und geachtet ist. Das erste Concert des Herrn Moscheles am 11. November war sehr besucht und durch eine glänzende Versammlung ausgezeichnet, welche die Anwesenheit des ganzen Königlichen Hofes und hoher Fremden verheirlichte.

Nicht minder eigenthümlich als die Herren Hummel und Kalkbrenner erscheint Herr Moscheles in der trefflichen Art seines Anschlages, in der höchsten Fertigkeit, besonders von Terzen- und Oktavengängen in dem rapidesten Zeitmaaß, mit beyden Händen (vorzüglich mit der linken Hand) gleich sicher und unfehlbar ausgeführt, im eleganten, zierlichen und effektvollen Vortrage, unübertrefflicher Triller mit allen Fingern, und im präcisen, oft wiederholten Anschlage eines und desselben Tasten. Auch im Velocissimo verläßt diese Schnellkraft der Ton-Vibration den Virtuosen nicht, welchem auh außerdem alle Kunstmittel zu Geböthe stehn. Herr Moscheles trug zuerst ein noch nicht gestochenes Concert eigner Composition auf einem Wiener Flügel-Pianoforte von dem Rühmlich bekannten Leschen, zu allgemeinem Beyfall hinreißend, vor.

Noch ansprechender wirkten die beliebten Variationen mit vorangehender Fantasie auf das Thema des Chansons: au clair de la lune, welches vereits in der Schlesingerschen Musikhandlung sowohl mit der Orchesterbegleitung, als für das Pianoforte erscheinen ist. Für der Fantasie—vielmehr Potpourri—am Schluß wurden im wunderbaren Contrast drey heterogene Themata erst einzelhn, dann verbunden mit vieler Kunst und großer Fertikeit durch geführt, nämlich ein Fugen-Thema von Händel, Melodien aus Spontini’s, „Nurmahal“ und „die Wiener in Berlin.“ Enthusiastischer Beyfall bezeugte die allgemeine Auekennung der ausgezeichneten Verdienste dieses Künstlers.

Mad. Grünbaum stand demselben würdig zur Seite und trug mit möglichstem Kunst-Aufwand die Arie des Sertus: „Parto“ aus Mozarts „Titus,“ von Herrn. R. M. Tausch, mit der Clarinette vorzu2glich schön begleitet, wie eine (früher von Mad. Seidler schon mit Vergnügen gehörte Arie von Mercadante, besonders leßtere in den chromatischen Scalen—so ausgezeichnet und in dem neuern italienischen Geschmack vor, welchen diese treffliche Sängerinn sich so ganz angeeignet hat.

Im Concert des Herrn Moscheles hätten die, ohnehin nicht wohlklingenden Pauken zu dem Solo mit dem Pianoforte auch reiner eingestimmt seyn müssen, was freylich bey diesem Instrument große Schwierigkeiten hat.

Hoffentlich wird uns Hr. Moscheles noch öfter durch sein Meisterspiel erfreuen.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 23, 1824): 860.

….Oefter hörten wir ihn [Moscheles] in seinen beyden  Concerten; im ersten, am 11ten, spielte er sein noch ungedrucktes Concert in Es dur, die von ihm componirten Variationen mit einleitender Phantasie, über das französische Vaudeville: Au clair de la lune mit Orchesterbegleitung, und eine freye Phantasie…Er spielte auf einem Wiener Flügelpianoforte von Leschen.

Abend Zeitung (March 1, 1825): 204.

Aus Berlin.

….Gebührendermaßen müß mit einem Hochberühmten der Reigen eröffnet, folglich Herr Moscheles, der Amphion unserer Zeit, zeurt gennant werden, Da es aber unmöglich ist, über selbigen etwas Neuses zu sagen und ich nicht gesonnen bin, das Oftgesagte zu wiederholeb, so möge die Anzeige genügen, daß er hier war, drei Concerte gab, Kenner und Richtkenner entzückte, bewundert, angestaunt, vergöttert wurde, gute Geschäfte, bewundert, angestaunt, vergöttert wurde, gute Geschäfte machte, und nebenbei die Genugtuung hatte, sein wobt getroffenes Blidniß an den Fenstern aller Kunst- und Musikalienhändler prangen zu sehen, welches Bildniß auch guten Absaß fand, indem selbiges besonders von einer sehr Wohlhabenden Klasse der hiesigen Einwohner dringend nachgesucht wurde. Indem ich des Portraits des Herrn Moscheles erwähne, werde ich beinahe versucht, über Bildnisse im Allgemeinen und über die Art, selbige dem schau- und kauflustigen Publikum auszustellen ein Wort zu sagen.

The Harmonicon, vol. III (April 1825): 58.

Two concerts given by Moscheles here, before his departure, were among the most splendid that Berlin has witnessed for many years. With respect to this great pianist, we will not say a word relative to mechanical difficulties conquered by him with perfect ease, as these may be vanquished by almost all, who labour in earnest to attain their object. What we would dwell upon is, his sylph-like facility, and the bold, but playful, character of his style; the most difficult series of tones flit away, not as if the strings had been struck by the key and the finger, but as if they had been swept by the passing breeze, whence accents so new, so varied, so expressive, arise, that even amateurs the most difficult to be pleased, are forced into admiration.

With respect to this professor’s compositions; many of them, being written in great haste, and in moments snatched from his continual occupation, cannot be supposed to possess superior merit, but on the present occasion we were delighted to hear two concertos of real excellence: viz., in E flat major, and G minor. There is a greatness of ideas, and such a high and poetical instrumentation in the Adagio,—a movement in which all virtuosi do not excel,—that the beauty of the composition can for a moment make us forget even this performer himself. It is with no common feeling of regret, that we reflect how long it may be before we are again enchanted with this artist’s performance. Virtuosi may be compared to comets; they are not stationed like composers in the centre of a circle of which they are the life and soul; they are not governed by common laws ; their course is wild and eccentric, they excite a momentary astonishment, and then sweep away into vast distances, from which their return is not to be calculated.


8 November 1824

Mme Theresia Grünbaum’s Concert

Berlin

Programme

Grand Piano Variations on a Military March
with Orch. Accomp. (Alexander Variations)
Mr. MoschelesMoscheles
From Armida: Recit. and DuetMme Grünbaum, Mr. StümerRossini
From Bianca e Falliero: AriaMme GrünbaumRossini
From Torvaldo e Dorliska: VariationsMme GrünbaumRossini
Violin AdagioMr. EbnerMayseder
Violin PolonaiseMr. EbnerRode
Principal Vocalists: Mme Grünbaum; Mr. Stümer
Principal Instrumentalists: Messrs. Ebner, Moscheles

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Reviews

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (November 30, 1824): 574-575.

Correspondenz-Nachrichten

Aus Berlin.

Nachdem Mad. Grünbaum sich uns in den dramatischen Werken Mozart’s, Spontini’s und anderer Meister als denkende und ergreifende fcenische Künstlerinn erwiesen hat, both sie in ihrem Concerte, am 8. November, alles auf, was die vielseitige Kunst vermag, um vor ihren zahlreichen Zuhörern ihren ganzen Reichthum zu entfallen. Wenn wir sagten, sie both Alles auf, so hätten wir uns besser ausdrücken sollen, denn eine solche Herrscherinn darf das, was ihr im Reich der Töne gehorcht nicht erst aufbiethen, es stellt sich alles freudig von selbst und thut seine Pflicht. Was diese Künstlerinn unternimmt, gelingt ihr, und wenn man, wie sie, Rossini’s und Fioravanti’s Rosinen, und Mozart’s und Spontini’s Heronien, gleich ausgezeichnet gibt, so umsaßt man ziemlich die Extreme.

Im heutigen Concert galt es das Ohr mit Allem zu erfreuen und zu kitzeln, was aus des Güdens würzig-lauer Lust herüberschuselt, und hier gibt es keine Läufe, Koloraturen, Figuren, Solveggien, Mordanten, Trillo’s; kein Rinforzando, Mancando, Smorzando u. s. w., kurz keine der zierlichsten und seinsten aller Nüancen des vollendetsten Concerts-Styls, welche unser Virtuosinn nicht aus dem reichen Füllhorn ihrer lieblichen Reble gespendet hätte. Aber überall war auch tiefer, inniger Ausruck der Träger, der Hintergrund, des Gefanges, ohne welchen das reiche Gemähide emig arm und leer erscheinen würde.

So erhielten dann auch die bekannte Guirlanden-Arie, aus Rossini’s „Bianca und Falliero,“ und die zum Schluß gesungen brillanten Variationen, einen noch höhern Werth.

Das Duett aus Rossini’s „Armide“ hat schon einen innern, es gehört mit zu dieses Componisten gelungensten Stücken und schwerlich läßt es sich mit mehr Einheit vortragen, als von der Concertgeberinn und Hrn. Stümergeschah. Hier war die höchste Uebereinstimmung und Discretion und das zarteste Werschmeizen zweyer, echt künstlerischen Erzeugnisse zu Einem Guß!

Außerdem hatte nun noch H. J. Moscheles, dieser berühmte Clavierspieler, die Galanterie in diesem Concert zuerst öffentlich zu spielen.

Wer sein Spiel noch nicht kennt, der muß es hören und sehen, um den rechten Begriff von Kunst und Mechanik zugleich zu bekommen, denn dies Spiel ist eben so wenig zu schlidern als das Kalkbrenner’sche.

Die Natur hat Hrn. Moscheles durch eine lang gestreckte Hand und einen schlanken Bau in die Hand gearbeitet, aber was Fleiß, Sinn und Seele hinzugeithan, läßt nur bewundernd hören.

Der Anschlag hat eine wirklich wunderbare Elasticität und die Fertigkeit, Sicherheit und Kraft des Künstlers spielt mit allem, was wir gewohnt sind schwierig zu nennen, wie mit Federballen. Er trug eine von seinen vielen gehaltvollen Compositionen, Variationen über den Alexandermarsch, mit Begleitung des Orchesters, unter dem enthusiastischen Beyfalle der Zuhörer vor, und die Ueberraschung welcselte angenehm zwischen den geistvollen Intentionen des Componisten und der glänzenden Ausführung des Spielers.

In seinem eignen Concert haben wir einen noch größern Genuß, nahmentlich auch in mehreren neunen Compositionen des Meisters, zu erwarten.

Nicht unerwähnt bleibe des Verdienst unsers jungen Carl Ebner, Schülers des H. Möser, der ein Adagio von Rode und Polonaise von Mayseder mit großer Fertigkeit und Gediegenheit, ja Kühnheit, vortrug und so seinen still fortschreitenden Fließ bewährte.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 23, 1824): 860.

Den 8ten gab die schon erwähnte Mad. Grünbaum Concert, und entzückte alle Verehrer ihres meisterhaften Gesanges, durch den Vortrag der Scene und Arie aus Rossinis Oper Bianca e Falliero (in Italien unter dem Namen Guirlandenarie bekannt), eines Recitativs und Arie aus der Rossinischen Oper Torvaldo e Dorliska, Variationen und mit Hrn. Stümer eines Recitativs und Duetts aus Rossini’s Armida. Zuerst hörten wir auch in diesem Concerte Hrn. Ignaz Moscheles, Kammervirtuosen des Fürsten Paul Esterhazy, der seine Variationen über den Alexandermarsch auf dem Pianoforte mit Begleitung des Orchesters vortrug