3 December 1846

Eighth Abonnement Concert

Leipzig: Gewandhaus

Time: Evening, Half Past Seven o’Clock

Programme  

Part I  
Symphony No.8 in F major Beethoven
AriaMiss SchlossSacchini
Piano Concerto No.3 in C minorMr. MoschelesBeethoven
Part II  
Overture, Idomeneo Mozart
Motet, ‘Ave verum corpus’ChoirMozart
Overture and scenes, AlcesteSolos: Miss Vogel, Mr. SalomonGluck
Principal Vocalists: Miss Schloss
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles
Conductor: Mr. Felix Mendelssohn

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Moscheles [17 February 1847]: Im Gewandhaus hatte ich aus Gefälligkeit für die Direction gespielt, Was ich dadurch bewies, dass ich das Honorar zurückschickte und dem Pensionsfonds bestimmte, auch in der Kammermusik hatte man mich gehört, das ist genug. [AML II, 170.]

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Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 1, 1846): 3773.

Achtes.

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Donnerstag den 3. December 1846.

Erster Theil: Symphonie von Beethoven. F dur (Nr. 8).—Arie von Sachini, gesungen v. Frl. Schloss.—Concert für Pianoforte von Beethoven (C moll), vorgetragen von Hrn. Professor Moscheles.

Zweiter Theil. Ouverture zur Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart.—Ouverture, Introduction, Scenen und Chöre aus dem ersten Acte der Oper Alceste von Gluck.

Die Ausführung der Chöre hat eine Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore gütigst übernommen.

Billets à 2/3 Thlr. sind in der Musikalien-Handlung von Fr. Kistner, bei dem Castellan im Gewandhause und am Eingange des Saales zu haben.

Das neunte Abonnement-Concert ist Donnerstag den 10. December 1846.

Einlass 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr. Ende 1/2 9 Uhr.

Die Concert-Direction

Leipziger Zeitung (December 1, 1846): 6066.

Achtes.

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Donnerstag den 3. December 1846.

I. Theil.

Symphonie von L. van Beethoven. F dur (Nr. 8).—Arie gesungen von Frl. Schloß.—Concert für Pianoforte (C moll) von L. v. Beethoven, vorgetragen vom Hrn. Professor Moscheles.

II. Theil.

Ouverture zu Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart. —Ouverture und mehrere Scenen aus dem ersten Act der Oper Alceste von Gluck.

Die Ausführung der Chöre hat eine Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore gütigst übernommen.

Billets à 2/3 Thlr. sind in der Musikalienhandlung von Fr. Kistner, bei dem Castellan im Gewandhause und am Eingange des Saales zu haben.

Das 9. Abonnement-Concert ist Donnerstag den 10. December 1846.

Einlaß 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr. Ende 1/2 9 Uhr.

Die Concert-Direction.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 3, 1846): 3794.

Achtes.

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Donnerstag den 3. December 1846.

Erster Theil: Symphonie von Beethoven. F dur (Nr. 8).—Arie von Sachini, gesungen v. Frl. Schloss.—Concert für Pianoforte von Beethoven (C moll), vorgetragen von Hrn. Professor Moscheles.

Zweiter Theil. Ouverture zur Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart.—Ouverture, Introduction, Scenen und Chöre aus dem ersten Acte der Oper Alceste von Gluck.

Die Ausführung der Chöre hat eine Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore gütigst übernommen.

Billets à 2/3 Thlr. sind in der Musikalien-Handlung von Fr. Kistner, bei dem Castellan im Gewandhause und am Eingange des Saales zu haben.

Das neunte Abonnement-Concert ist Donnerstag den 10. December 1846.

Einlass 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr. Ende 1/2 9 Uhr.

Die Concert-Direction

Reviews

Deutsche Allgemeine Zeitung (December 5, 1846): 3006.

Leipzig, 4. Dec. Unser achtes Abonnementconcert am 3. Dec. wurde unter Gade’s Leitung mit Beethoven’s Symphonie Nr. 8 eröffnet, die treflich executirt, den lebhafteften Beifall fand. Fräul. Schloß fang hierauf eine Arie von Sacchini und leistete Vorzügliches. Zum Schlusse dieses Theiles spielte Prof. Moscheles Beethovens herrliches C-moll-Concert; er wurde empfangen und nach jedem Sage rauschend applaudirt. Im zweiten Theile kamen zur Aufführung: Ouverture zu Idomeneo von Mozart, Ave verum corpus, Chor von demselben, endlich Ouverture, Introduction, Scene und Chöre aus dem ersten Arte der „Alcste“ von Gluck, das letztgenannte Werk unter Mitwirkung des Fräul. Vogel, welche ihre schwierige Partie ansprechend fang, des Hrn. Salomon und einer Anzahl kunstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchore. Das sehr zahlreich besuchte Concert zeichnete sich aus sowol durch die Wahl bedeutender classischer Compositionen wie durch vorzügliche Ausführung, und hinterließ den wohlthuendsten Eindruck.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 5, 1846): 3814.

Achtes Abonnement-Concert

am 3. December.

Gluck’s Name und seine Werke sind für die jetzige Generation fast schon zur Tradition geworden; seine über 50 componirten Opern find alle in Vergessenheit gekommen und (nur vier derselben, Alceste, Armida, Iphigenia in Aulis und Iphigenia in [*] haben sich erhalten, die dem Musiker etwa noch erkannt find und die seinen Ruhm bis auf unsere Zeit fortpflanzen. Die Hoftheater unserer zwei Nachbarstädte, Berlin und Dresden, führen hin und wieder eine dieser genannten Opern auf, müssen aber, da beide Bühnen jetzt einer wirklich geschulten Sängerin ermangeln, die zugleich die Gabe plastischer Darstellung und dramatischer Declamation in sich vereint, davon abstehen. Mad. Schröder-Devrient, die letzte gefeierte Repräsentantin der Iphigenia, entbehrt schon seit längerer Zeit der breiten Tonfüllt, die sie früher besaß und die für Gluck’sche Musik durchaus nothwendig ist, und der Kampf mit ihren jetzigen Stimmmitteln läßt es, trotz ihrer immer noch großen Vorzüge, zum eigentlichen Kunstgenusse nicht mehr kommen. Es flüchtet sich deshalb die verhüllte Muse dieses deutschen Genius, der im jahre 1774 in Paris trotz aller Vorurtheile den Sieg über den damaligen Geschmack für Italienert, unter welchen Piccini sein hauptsächlicher Gegner war, davon trug und dessen Name dann durch ganz Europa schallte, zu Zeiten und gern in Räume eines Concertsaales, da einzelne Bruchstücke wengistens zu Gehör zu bringen. Muß man auch absehen von den großartigen Eindrücken, die eine gesungene theatralische Aufführung genannter Opern hinterläßt, so erfreut man sich an der Wahrheit und Einfachheit der Empfindung, die zugleich in großem Styl gehalten nur noch einmal und zwar in Mozarts Idomeneo wieder zu finden ist, dessen Ouverture den zweiten Theil dieses Concerts begann. Wir sind deshalb der Direction zu Dank verpflichtet, daß sie zum würdigen Schluß des Concerts Ouverture, Introduction, Scene und einige Chöre dieser fast ganz vergessenen Oper Alceste zur Auffu2hrung bringen ließ, an der sich eine Anzahl Dilettanten bezeitwilligst betheiligt hatten. Die Leistung des Chorpersonals war im Ganzen lobenswerth; was den Gesang der Alceste betrifft, so würde selbst ein mildet Tadel hier am unrechten Plaße sein, da eine gethame Gefälligkeit solchen immer verdietet.—Außerdem wurde noch ein Chor von Mozart, ave verum corpus, aufgeführt, das wohl eigenlich in ein Concert spirituel gehören dürfte.—Die heitere F dur-Sinfonie Beethoven’s eröffnete unter Direction [*] Herrn Gade das Concert. Trefflich executirt verschaffte sie den Zuhörern immer wieder neuen Genuß. Fräulein Schloß sang eine Arie von Sacchini. Die Coloraturen und Verzierungen älterer Compositionen wollen breiter und ausgeprägter gehalten und gesungen sein, als es von unserer Sa4ngerin geschah, wie sie überhaupt für das Trille, die schönste, [*]. Aber auch schwerste Zierde, ganz besonderer Studien noch zu machen hat. Herr Moscheles spielte das C moll-Concert von Beethoven. Dieser Altmeister des Clavierspiels, mit dem die Kritik längst gebührenden Applaus. Eingedenk früherer Erinnerungen konnte ich mich nicht von der Ansicht trennen, das der Virtuos ein Ergebniß seiner Zeit ist, mit der er fällt und steigt, die ihn hebt und trägt und, wie sie selbst, auch verschwinden läßt.—m

Allgemeine musikalische Zeitung (December 9, 1846): 821-823.

Leipzig, 1846. Achtes Abonnement-Concert im Saale des Gewandhauses, Donnerstag, den 3. December.—Symphonie von L. v. Beethoven, F dur (Nr. 8).—Arie von Sacchini, gesungen von Fräul. Schloss.—Concert für Pianoforte, C moll, von L. v. Beethoven, vor getragen von Herrn Professor Moscheles.—Ouverture zu Idomeneo von W. A. Mozart.—Ave verum corpus, Chor von W. A. Mozart.—Ouverture, Introduction, Scene und Chöre aus dem ersten Act der ,,Alceste“ von Gluck.—

Die Symphonie in F dur von Beethoven ist vielleicht die einzige, in welcher sich eine Ungleichheit der Wirkung und des Werthes der verschiedenen Sätze gegen einander bemerkbar macht. Das Allegro und die Menuett wiegen nicht so schwer als das Andante Scherzando und das Finale. In jenen ertönt die irdische Freude, in diesen der himmlische Humor. Dort freuen wir uns wohl mit, hier sind wir entzückt. Das Andante namentlich ist ein wunderbares Wesen; es verlangt Thränen, aber unter Lächeln dargeboten. Wir sperrten uns sehr gegen diese alle Würde verletzende Zumuthung, mussten aber Einen Theil der Schuld trug das Orchester. Nie haben wir eine so vollkommene fein nuancirte Ausführung gehört. Es war, als spielten fünfzig Gebrüder Müller aus Braunschweig.

In der Arie von Sacchini, dieses 1787 bereits verstorbenen Componisten, welche Fräul. Schloss, den Triller abgerechnet, ganz gut vortrug, konnte man erkennen, wie Gesang zu accompagniren, dass der Ausdruck befördert werde, ohne die Stimme zu überdecken. Hinter dem Berge der Zeit wohnen auch Leute, und es ist ein grosser Fehler der Musikstrebenden, dass sie nur die Gegenwart und nicht auch die Vergangenheit über die ächten Kunstmaximen um Rath fragen. Das erste Gebotin dem Katechismus des Componisten heisst: Du sollst keine Melodie tödten; das lernt man leichter aus alten bestaubten Werken, als aus jungen blanken, die ihrem Schicksale auch nicht entgehen. Ach, die blühendste, gefeiertste Partitur wird alt mit der Zeit, stirbt und wird begraben in den Archiven, diesen Ungeheuern, die so vielen Menschengeist schon verschlungen haben und unersättlich immer nach neuem Raub gieren!

Das Beethoven’sche Cmoll-Concert, von Herrn Professor Moscheles mit tiefstem Verständniss und Gefühl vorgetragen, brachte einen schönen Kunstgenuss. Leise Trübung für uns kam hinein durch die grosse Cadenz am Schlusse des ersten Satzes. So schön ein solches Einschiebsel sein kann, es erscheint uns stets als das Resumé einer Rede, die Jedermann schon vollständig verstanden und ausgenossen hat. Nachdem ein schönes Da sein geendet, wird es noch einmal aufgalvanisirt zu nach träglichen Zuckungen. Gute Cadenzen sind nur an schlechten Werken zu entschuldigen, als Entschädigung für gehabten Verdruss. An guten sind sie des Guten zu viel. Ein Hors d’oeuvre.

Der ganzen Musik zur Oper Idomeneo hört man ihre Zeit an. Nur die Ouverture ist weit vorausgeeilt, und darum noch lebenskräftig in der unserigen angekommen. Sonderbar bleibt es, dass dieses Werk des grossen Meisters niemals einen Zeitpunct gefunden, dem es ganz genügen konnte. Es war für den, wo es erschien, doch schon zu neu, und für den darauf folgenden bereits zu alt. Mozart selbst aber trägt die Schuld davon. Er öffnete und steigerte in seiner nächsten Oper, der Entführung, den Sinn für blühende Melodieen so plötzlich, dass kein Zwischenraum blieb, in welchem Idomeneo als Ueber gang allgemeine Aufnahme hätte gewinnen können.

Das Ave verum corpus desselben Meisters trägt keine Elemente in sich, welche in dem Concertsaale eine besondere Wirkung hervorzubringen geeignet wären.

Alceste hat in unserer Zeit, und namentlich in kleineren Gaben dargereicht, ein viel besseres Schicksal in dem Concertsaale zu erwarten, als auf der Bühne, und die heutigen Bruchstücke fanden, durch die ausgezeichnete Ausführung der Chöre und Solopartieen noch begünstigt, eine sehr beifällige Aufnahme.

Gluck beklagte sich seiner Zeit mehrfach und ziemlich bitter über die geringe Theilnahme, mit welcher das Publicum diese Oper empfangen. Es ist des Nachdenkens werth, wie ein so tiefdenkender, scharf und hellsehen der Geist doch ganz blind sein und dem Publicum eine Schuld aufbürden konnte, die er allein zu tragen hatte. Wenn gleich jede einzelne Scene seines Buches treffliche Momente für die Musik hat, bilden alle zusammen doch die unglücklichste Aufgabe, die je einem Componisten geboten worden, da die ganze Oper von Anfang bis zu Ende fast nichts als Jammer und Klage ist. Also kann sich der denkendste Künstler in der Wahl seines Gegenstandes total vergreifen! Hierin liegt eine inhaltsschwere Mahnung für Jeden, der ein grosses, zusammengesetztes Werk in Arbeit nehmen will, von den Einzelnheiten zuerst abzusehen und nach dem Wesen und Leben des Ganzen zu fragen, in wiefern dieses nämlich sich zu dem Verlangen der Zeit und der menschlichen Seele verhält. Welche Kraft in dem Totale, ob eine fesselnde, oder gleichgiltig lassende, oder gar abstossende liege, das klar zu erkennen, ist die Hauptsache. Ein Irrthum hierin begangen, und ein Theil des Künstlerlebens ist nutzlos verschwendet! Alceste ist Gluck’s bestes Werk unter seinen schlechten, und das schlechteste unter seinen guten. Dieses reformatorische Genie griff mit grosser Entsagung und Kühnheit alle kleinen langweiligen Gewohnheiten in den einzelnen Stücken, den Arien, Duetten, Chören an, und liess das grosse träge Thier, monotoner Plan genannt, ruhig fortschnarchen. Und dann wurde er doch böse, wenn das Publicum sympathetisch mit einschlif. Er versprach, der Natur und Wahrheit alle Convenienzen zu opfern, hat aber in der Alceste noch grosse Fehler dagegen begangen, und die ärgsten in den Scenen, welche heute zur Aufführung kamen.—Der geliebte König liegt im Sterben. Das Volk ist vor dem Schlosse versammelt, erkundigt sich ängstlich, wie es um ihn stehe, klagt, jammert und zürnt über die grausamen Götter. Es mag alles Dieses thun, nur aber ja still, im bang verschlossenen Herzen, höchstens in leisem, dumpfem Gemurmel unter sich. Gegen alle Natur und Wahrheit aber ist es, dass der Componist den Chor alles Dieses laut, forte und fortissimo singen lässt. Die Gefühle sind wahr in Hinsicht auf die Natur des Herzens, aber ganz falsch in Hinsicht auf die Natur der Situation. Wenn der Tod fertig ist mit seinem furchtbaren Werke, bricht der Schmerz der zurückbleibenden Lieben unverhohlen, laut und mächtig aus; so lange jener noch im Arbeiten bebriffen, wagt kein Sterblicher in der Nähe laute Aeusse rungen, auch schon deshalb nicht, weil eine dem Ster benden zu Ohren komm ende Wehklage ein Todesurtheil ist. Jede Sünde gegen die Natur aber erinnert uns an die Kunst, und jede Erinnerung an die Kunst schwächt deren Wirkung. So kann sich das Volk in der Wirklichkeit nicht benommen haben, sagt der Verstand augenblicklich, und gleich wird auch das Gefühl vor Täuschung gewarnt und bewahrt. Die Grösse Gluck’s ist bekannt und genugsam auseinandergesetzt worden. Wir machten auf einige Schwächen von ihm aufmerksam, nicht um den Meister herabzuziehen, sondern zu zeigen, welcher Vergehungen sich auch die bedeutendsten Geister in der Kunst schuldig machen können, und anzureizen zum immerwährenden Studium der Natur, damit man alle Kunstdarstellung nach ihren ewigen Gesetzen nur behandele. Ausserhalb dieser Grundmaxime liegt kein Heil und keine ächte, dauernde, nachhaltige Kunstwirkung.

Berliner musikalische Zeitung (1846): [3]  

Leipzig. Moscheles lässt sich fleissig öffentlich hören. Im achten Abonnementsconcert spielte er das C-moll-Concert von Beethoven.

Signale für die musikalische Welt (1846): 401-402.  

Achtes Abonnementconcert im Saale des Gewandhauses zu Leipzig.

(Donnerstag, den 3. December.)

Ein sehr classisches Concert von gediegenster Auswahl; lauter guter alter Rhein wein mit ein wenig Monte-Fiascone. Zuerst die prächtigklare, frühlingsheitere F dur Symphonie Beethovens, unter Herrn Gades Direction vortrefflich einstudirt, und ebenso wiedergegeben. Hierauf Arie von Sachini „Resta, ingrata, io parto, addio,“ gesungen von Fräul. Schloß. Der Vortrag dieser einfach heroischen, und ganz der Stimmlage der Sängerin angemessenen Arie gelang ihr vollkommen, abgerechnet etwa die letzten Triller, in welchen die Sängerin allerdings nicht besonders stark zu sein scheint. Dann erfreute uns der Altmeister des eleganten Pianofortespiels, Herr Prof. Moscheles durch den Vortrag des Cmoll-Concertes für Pianoforte von Beethoven, jener so überaus tiefen und innigen Composition, in welcher der Genius des großen Meisters eine seiner schönsten Schäferstunden mit der Muse gefeiert und verewigt hat. Was das Spiel des Herrn Moscheles betrifft, so war ebenso sehr seine würdige Auffassung als seine geschmackvolle Ausführung zu loben, an welcher man die Volubilität der Jugend kaum vermißte. Auch verdienten die beiden im ersten und im letzten Satze eingelegten Cadenzen (in der zweiten war das Thema des ersten Satzes geistvoll wieder eingewebt) sowohl in Bezug auf Anlage als auf Technik volle Anerkennung, die ihnen denn auch, so wie der ganzen Leistung überhaupt, durch rauschenden Beifall zu Theil wurde. Das kurze Präludium zu Anfange jeden Satzes wäre vielleicht besser zu unterlassen gewesen, um die Einheit des Ganzen nicht zu verletzen. Uns haben die paar Accorde nicht gestört. Im zweiten Theile hörten wir die kräftig-kurze heroische Ouverture zu Idomeneo, welche indeß mehr einer Introduction gleicht, und wie mit einem Fragezeichen schließt. Als Antwort an dieses Fragezeichen reihete sich nicht passend der wunderschöne, milde, tief katholische Chor „Ave verum corpus“ von Mozart, welcher, obwohl von Singacademie und Thomanerchor vortrefflich ausgeführt, auf eine das höhere ästhetische Gefühl verletzende Weise zwischen zwei Tonstücken von völlig antikem Charakter eingeklemmt war. Denn es folgten nun unmittelbar Ouverture, Introduction, Scene und Chöre aus dem ersten Act der Alceste von Gluck, eine Musik, welcher das herbe Feuer der antiken Tragödie characteristisch ist. Die Chöre waren ausgezeichnet; in dem Chor: „Geschick! du bestrafst uns hart,“ fiel besonders der Alt bei den Worten „Ha noch nie habt ihr, ewige Rächer,“ äußerst präcis und kräftig ein. Herr Salomon hatte die Partie des Herold übernommen, und trug sie mit seiner schönen klangreichen Baßstimme sehr wacker vor. Frl. Elise Vogelsang die Alceste. Konnte sie auch mit ihren übrigens schönen Mitteln den hohen tragischen Ausdruck, welchen diese Partie vorzugsweise fordert, nicht vollkommen wiedergeben, so hat sie doch durch reine Intonation und durch gefühlvollen Vortrag die großen Schwierigkeiten, die in Dieser Art von Recitativen liegen, ganz glücklich überwunden, und überhaupt mit sehr dankenswerthem Streben das Möglichste geleistet.

Uebrigens—so trefflich die Auswahl dieses Concertes, welches wieder einmal die Devise des Saales „Res severa est summum gaudium“ recht bethätigte—sind wir der Meinung, daß etwas von Mendelssohn aufgeführt werden muß. W. L.

23 November 1846

Benefit Concert for the Orchestra Pension Institute Fund

Leipzig: Gewandhaus

Time: Evening, Half Past Seven o’Clock

Tickets: 20 ngr

Programme  

Part I  
Overture, Struensée Meyerbeer
Recitative and AriaMiss SchlossRicci
Andante and Scherzo for ViolinMr. JoachimDavid
Poem by Schiller, Dithyrambe,
composed for Choir and Orchestra
Solos: Messrs. Behr, Henry, Salomon, Schneider, Choir, OrchestraRietz
Part II  
Overture, Nachklänge von Ossian Gade
Piano Fantasia, The Recollections of Ireland, with Orchestral Accomp.Mr. MoschelesMoscheles
DuetMiss Vogel, Miss Schloss 
Barcarole Variations for Two Violins, Viola and VioloncelloMessrs. David, Joachim, Gade, WittmannGroß
Principal Vocalists: Miss Vogel, Miss Schloss; Messrs. Behr, Henry, Salomon, Schneider  
Principal Instrumentalists: Messrs. David, Gade, Joachim, Moscheles, Wittmann
Conductor: Mr. Felix Mendelssohn

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Moscheles [letter to Charlotte on 3 January]: Um 2 Uhr zurück nach Leipzig. Concert-Anstalten für den 7. d. M. In der Kammermusik mein Trio gespielt mit Wittmann und David. Alle andern Stücke mit Andacht angehört und aufgefasst. [AML II, 132.]

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Leipziger Zeitung (November 17, 1846): 5841.

Concert-Anzeige.

Am Montage den 23. November wird im Saale des Gewandhauses das Concert zum Besten des Orchester-Pensions Fonds stattfinden. Fräulein Schloß und Fräulein Vogel, sowie die Herren Moscheles, Gade, Joachim, David, Wittmann, Schneider, Henry, Behr und Salomon werden dasselbe zu unterstützen die Güte haben.

Billets zu 20 Ngr. und Sperrsitzkarten zu 5 Ngr. (welche den geehrten Abonnenten bis Sonnabend Abends reservirt werden) sind in der Musikalienhandlung des Herrn Fr. Kistner zu haben.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (November 22, 1846): 3687.

Concert

zum

Besten des Orchester-Pensions-Instituts-Fond Montag den 23. November 1846

im Saale des Gewandhauses.

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Erster Theil: Ouverture zur Tragödie Struensee, componirt von G. Meyerbeer. (Neu, Mserpt.)—Arie von Ricci, gesungen von Fräul. Schloss. (Neu).—Andante und Scherzo für Violine von F. David, vorgetragen von Hrn. J. Joachim.—Auf Verlangen Dithyrambe, Gedicht von Schiller, componirt für Chor und Orchester von Jul. Rietz. Die Soli gesungen von den Herren Schneider.

Leipziger Zeitung (November 23, 1846): 5929.

Concert

zum Besten des

Orchester-Pensions-Instituts-Fonds.

Montag den 23. November 1846

im Saale des Gewandhauses.

Erster Theil.

Ouverture zur Tragödie Struensee, componirt von G. Meyerbeer. (Neu, Mserpt.)—Andante und Scherzo für Violine von F. David, vorgetragen von Hrn. J. Joachim.—Auf Verlangen Dithyrambe, Gedicht von Schiller, componirt für Chor und Orchester von Jul. Rieß. Die Soli gesungen von den Herren Schneider, Henry, Behr und Salomon. (Die Ausführung des Chors haben kunstgeübte Dilettanten im Berein mit dem Thomanerchore zu übernehmen die Güte gehabt.)

Zweiter Theil.

Ouverture (Nachklänge zu Ossian), componirt von Riels W. Gade.—Erringerungen an Irland, Concert-Fantasie für das Pianoforte, componirt und vorgetragen von Herrn Professor J. Moscheles.—Duettinen am Pianoforte, gesungen von Frl. Vogel und Frl. Schloß.—Variationen über eine Barcarole für 2 Violinen, Viola und Violoncell, componirt von J. B. Groß, vorgetragen von den Herren Concertmeister David, Joachim, Musikdirector Gade und Wittmann.

Billets à 20 Ngr., sowie Sperrsißkarten à 5 Ngr. Sind in der Musikalienhandlung des Herren Fr. Kistner zu haben. An der Casse kostet das Billet 1 Thlr. Anfang halb 7 Uhr.

Reviews

Deutsche Allgemeine Zeitung (November 25, 1846): 2917.

Leipzig, 24. Nov. Das gestern im Gewandhaussaale stattgehabte Concert zum Betten des Orchester-Pensions-Institus-Fonds wurde im weiten Theile mit einem Werk echter Poese, der Ouverture „Nachklänge zu Offian“ von  Niels W. Gabe. im ersten Theile mit einer Neuigkeit, der Ouverture zur Tragödie „Struenfee“ von G. Meyerbeer, eröffnet, Ungeachtet der sehr gelungenen Ausführung fand letzteres Werk wenig Anklang; es fehlt ihm der küstlerische Schwerpunkt, welchen nie Instrumentaleffecte, seien sie von noch so überraschender Art, zu ersehen vermögen, wie überhaupt das Gewandhaus nicht der Ort ist, wo Meyerber‘s Muse sch heimisch fühlen und jemals heimisch werden kann. An Gesangsvorträgen bot Frl. Schloß Recitativ und Arie von Ricci und im Vereine mit Frl. Vogel zwei Duettinen von Mendelssohn; Hr. Jof. Joachim spielte ein Scherzo für Violine von F. David ganz im Sinne seines Meisters und mit wohlverdientem Beifall, und Prof. Moscheles erfreute das Publicum durch den Vortrag der von ihm componirten Concertphantase für Pianoforte: „Erinnerungen an Irland“, wobei er von neuem alle glänzenden Eigensehasten entfaltete, die seinem Spiele so hohen Werth verleihen: einen Vortrag, eben so ausgezeichnet durch Correctheit und Eleganz als durch Innigkeit der Empfindung. Außerdem spielten die HH. David, Joachim, Gabe und Wittmann Quartettvariationen von J. B. Groß in der bekannten meisterlichen Weife. Besonderes Interesse erregte das von Jul. Rich für Männerstimmen, Chor und Orchester componirte Gedicht von Schiller „Dithyrambe“, welches Werk bereits zur Feier des Schillerfestes im hiesigen Theater aufgeführt wurde. Als Musikstück bietet es viele gute Momente und wird deshalb im Concertsaale, für welchen es vorzugsweife bestimmt ist, stets gern gehört werden; was die Bearbeitung des Gedichts in ästhetischer Hinsicht anlangt, so liegt die Weife, in welcher sie vom Componisten gesehene, nicht in ihm begründet und erfüllt hierin weniger die Anforderungen der Kritik als im rein musikalischen Theile. Die Ausführung des Werkes, wobei die HH. Schneider, Henry, Behr und Salomon die Solopartien übernommen hatten. war unter Gade’s Leitung gleichfalls trefflich. Das Programm des Concerts war sehr reichhaltig und bot für einen Abend fast des Guten zu viel; der Hörer konnte kaum Alles in sich aufnehmen. ohne von dem Genuß erschöpft zu werden. Es ist dies ein Punkt, welcher jedenfalls Berücksichtigung verdient, ein Punkt, den wir deshalb nicht unberührt lassen mögen: der Totaleindruck des Concerts wäre ohne Zweisel noch ein größerer und anregenderer gewesen, hätte es nicht so lange gedauert.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 2, 1846): 804-806.

Leipzig, den 23. November 1846. Concert zum Besten des Orchester-Pensions-Instituts-Fonds, im Saale des Gewandhauses.—Ouverture zur Tragödie Struensee, componirt von G. Meyerbeer (neu).— Recitativ und Arie von Ricci, gesungen von Fräul. Schloss.—Andante und Scherzo für Violine, componirt von Ferd. David, vorgetragen von Herrn Joseph Joachim.—Dithyrambe, Gedicht von Schiller, für Männerstimmen, Chor und Orchester, componirt von Julius Rietz, die Solopartieen vorgetragen von den Herren Schneider, Henry, Behr und Salomon.—Ouverture (Nachklänge zu Ossian), componirt von Niels W. Gade.—Erinnerungen an Irland, Concert-Fantasie für das Pianoforte von J. Moscheles, vorgetragen von dem Componisten.—Duettinen am Pianoforte, gesungen von Fräul. Vogel und Fräul. Schloss.—Quartett-Variationen über eine italienische Barcarole für zwei Violinen, Viola und Violoncell, componirt von J. B. Gross, vorgetragen von den Herren Concertmeister David, Joachim, Musikdirector Gade und Wittmann.

Meyerbeer hat hier, so viel uns bekannt, zum ersten Male eine Ouverture in guter, vollständiger Form, mit festgehaltenen, thematisch verarbeiteten Gedanken gegeben. Man hört ihr an, dass sie für Deutschland geschriehen, ohne dass des Componisten bekannte Darstellungs weise etwa einen totalen Umschwung erlitten hätte. Das Werk hat Geist und Feuer, und wenn man mit dem Studium der Partitur die Kenntniss des Trauerspiels verbindet, und dadurch in die Intentionen des Meisters ein dringt, ergibt sich ein wohlgedachtes und wirkendes Tonstück. Da unser Correspondent aus Berlin das ganze Werk gehört und in der vorigen so wie dieser Nummer besprochen, so hat der Leser ein Bild davon, so weit es durch Worte zu geben ist. Hören wird und muss er es selbst.

Recitativ und Arie von Ricci sang Fräul. Schloss mit schöner Stimme, nur oft eine leise Schwebung zu tief. Die Ehrfurcht erlaubt uns nicht, über die Composition etwas zu sagen.

Wir würden als Violinspieler vor Allen die David’schen Compositionen wählen, da sie den Virtuosen geistreich, gefühlvoll, humoristisch, überhaupt sehr mannichfaltig und stets interessant reden lassen und ihrer Würde als deutsche Tonstücke doch nichts vergeben. Herr Joachim spielte heute mit vielem Gefühl in den zarten und mit Laune in den neckischen Stellen. Die Zukunft wird auch ihre Männer haben.

In der Musik zu der Schiller’schen Dithyrambe von Rietz pulsirt ein frisches, warmes Leben. Sie ist der geistreichste Missgriff, dem wir seit lange in der Tonkunst begegnet sind. Wenn der Dichter den Plural im Anfange hätte haben wollen, so hätte er ihn hingeschrieben, und dann wäre der Chor am Platze gewesen. Eben darin aber, dass in der einsamen Halle des Dichters durch Bachus Vermittelung der ganze Chor der Himmlischen erscheint, liegt die Idee dieses Gedichtes mit. Und welche Wirkung hätte der Mehrgesang gemacht, wenn er erst bei der Götterrede:

Reich’ ihm die Schaale!

Schenke dem Dichter,

Hebe, nur ein !

Netz’ ihm die Augen mit himmlischem Thaue,

Dass er den Styx, den verhassten, nicht schaue.

eingetreten wäre!

Uebrigens macht der Anfang dieses Gesanges auch jetzt noch eine schöne Wirkung. Aber nun lässt der Componist diesen einfachen und kurzen Befehl so breit, lang und oft wiederholen, dass man einen schlimmen Begriff von der Redeweise und Macht der Götter bekommt. Ist denn Hebe ein so verdrossenes Mensch gewesen, dass ihr so lange zugeredet werden musste, bis sie dem Dichter die gefüllte Schaale reichte? Gegen nichts sündigen die Vocalcomponisten häufiger, als gegen das natürliche Verhältniss der Momente.

Bei der Stelle: „Sie rauschet und perlet“ u. s. w. wird man wirklich ergriffen, und es ist ärgerlich, dass

das Gefühl sich in eine Ecke verkriechen muss, damit der Verstand es nicht ausschelte über die eitle Lust.

Lange nicht sind wir in eine so weiche süsse Empfindung aufgelöst worden, als bei den aus nebelgrauer

Zeitenferne herüberwehenden kriegerischen Klängen und liebesehnenden Melodieen der Gade’schen Ouverture. Das, was durch thematische Arbeit sich im Geiste um einen Hauptgedanken gruppirt und zu einem festen Leibe concentrirt, hat diese Ouverture nicht, aber gerade diese etwas zerflossene Form kommt ihr zu Gute und macht ein characteristisches Moment derselben aus. Wir begreifen nun die Neigung der Leipziger zu diesem jungen nordischen Barden.

Die Concert-Fantasie von J. Moscheles brachte nicht blos Erinnerungen an Irland, sondern auch an die ziemlich verschwundene Periode gediegener Compositionen für Pianoforte mit vollem Orchester. Wenn auch bei dem Spiele des verehrten Meisters die Verwunderung nicht mehr aufwacht, die wohl überhaupt für die Pianoforte-virtuosen schlafen gegangen ist, so wird doch das Herz bewegt und in der Einbildungskraft regen sich angenehme Bilder.

Die Duettinen gefielen uns, obgleich der Name des Componisten nicht genannt war. Erst später erfuhren wir, dass sie von Mendelssohn waren. Fräul. Schloss und Fräul. Yogel sangen sie mit schönen Stimmen, letztere Dame mit warmem Gefühl.

Die Quartett-Variationen über das Lied: ,,Mein Schiff zog durch die Wellen“ sind weniger auf überraschende Virtuosenkünste als auf angenehme Compositions-effecte angelegt. Interessante Stimmengespräche, blühende Modulationen, piquante Figuren, und viel Gelegenheit zu ausdrucksvollem und fein nuancirtem Vortrage, welches Alles von den Ausführenden aufs Trefflichste benutzt wurde.

Neue Zeitschrift für Musik (December 12, 1846): 194.

Concert für den Orchesterpensionsfonds. Euterpe.

Auch das Concert zum-Besten des Orchester-Pensions-Instituts-Fonds am 23sten Nov. war eben so interessant durch die Wahl, als die Ausführung der Musikstücke. Außer Gade’s trefflicher Ouvertüre „Nachklänge zu Ossian“ und der Rietz’schen Composition des Schiller’schen Gedichtes „Dithyrambe“, welche bereits  zur Feier des Schillerfestes aufgeführt wurde, brachte es  als Neuigkeit Meyerbeer’s Ouvertüre zur Tragödie „Struensee“, ferner Quartetvariationen von I. B. Groß, von den Herren David, Joachim, Gade und Wittmann gespielt, und an Solovorträgen die Concert-phantasie für Pianoforte: „Erinnerungen an Irland“ von I. Moscheles, vom Componisten,—und Andante und Scherzo für Violine von David, von Hrn. Joachim vorgetragen; Frl. Schloß sang Recitativ und Arie von Ricci, und mit Frl. Vogel zwei Duettinen von Mendelssohn. Dies das für einen Abend fast zu reichhaltige Programm. Die beiden erstgenannten Werke machten sehr gute Wirkung, besonders die acht poetische Ouvertüre von Gade, wo hingegen Meyerbeer’s Ouvertüre nicht vermochte, mehr als einen flüchtigen Eindruck zu hinterlassen; es fehlt ihr dazu die Weihe der Begeisterung, die künstlerische Einheit. Daß sie als eins der letzten Erzeugnisse eines in der Gegenwart renommirten [*] [*] Aufführung gewablt worden, billigen wir eben so, als daß im Allgemeinen Meyerbeer’s Musik vom Repertoire der Gewandhausconcerte ausgeschlossen ist, denn so sehr dieselbe auch für die Zeit von Bedeutung sein mag: für die Kunst, die eigentlich wahre, ist sie es nicht. Der Vortrag des Hin. Prof. Moscheles erfreute durch die diesem Meister eigenthümliche Correctheit und Eleganz, Joachim’s Spiel durch Anmuth und feine Abrundung. Die Duettinen und Quartettvariationen waren eine angenehme Zugabe.— Der seil vielen Jahren hier bestehende Musikverein Euterpe hat gleichfalls seine Abonnementconcerte eröffnet und bis jetzt deren drei veranstaltet. Wenn seine Leistungen im vorigen Winter nicht der Art waren, daß sie den Ansprüchen immer genügten, die man billiger Weise machen konnte, so ist dies weniger dem Vereine selbst, als vielmehr den mancherlei mißlichen Umstanden zuzuschreiben, mit denen er zu kämpfen hatte. Denn außerdem, daß er fast nie einen bestimmten Abend für seine Concerte, die erforderliche Zeit für die Proben gewinnen konnte, fehlte es ihm auch an einer tüchtigen  Leitung des musikalischen Theils, wie an zuverlässigen Kräften für Ausführung der Gesangsstücke. Dies Alles hat sich seitdem durch die Bemühungen der Direction, welche auch diesmal Hr. Fr. Hofmeister übernommen, sehr zu seinem Vortheile geändert: als Musikdirector ist Hr. Pros. Lobe, für den Gesang Frl. Schwarzbach vom hiesigen Theater engagirt, für die Concerte der Sonnabend festgesetzt worden. Hieraus erhellet deutlich, wie angelegen sich der Verein sein läßt, seine frühere Bedeutung wieder zu erhalten und den Anforderungen des Publicums, das ihm stets eine rege Theilnahme zollte, allenthalben nachzukommen. Ueberblicken wir die Leistungen, welche er in den drei ersten Concerten geboten, so läßt sich in der That recht Günstiges berichten und ihm für die Zukunst ein erfreulicher Erfolg seines Wirkens zugestehen. Je mehr aber seine Leistungen einen strengeren, höheren Maßstab der Beurtheilung vertragen,  je mehr uns selbst daran liegt, daß sich seine Thätigkeit zu immer größerer künstlerischer Bedeutsamkeit steigere, um so mehr werden wir auch, sein Bestes im Auge behaltend, neben den Vorzügen die Mängel hervorheben,  die uns entgegentreten, und so zu deren Beseitigung, was an uns ist, beizutragen bemüht sein

10 January 1845

Musical Gathering

Berlin: At Hermann Härtel

Time: Morning

Programme

Etudes (MS) [Op.111]Mr. Moscheles 
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Moscheles [letter to Charlotte on 10 January]: Freitag früh spielte ich bei Härtel vor einigen Künstlern und Freunden die Manuscript-Etüden, die ich bei Kistner zur Herausgabe für die Mozart-Stiftung lasse. [AML II, 135.]

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Berliner musikalische Zeitung (January 18, 1845): [3].

Moscheles befindet sich jetzt in Berlin.

3 January 1845

Second Quartettunterhaltung

Leipzig: Gewandhaus

Programme  

Grand Trio for Piano, Violin
and Violoncello (Op.84)  
Messrs. Moscheles, David, WittmannMoscheles
String Quartet No.3 in C major Kaiserquartett (Op.76) Haydn
String Quintet No.4 in G minor (K.516) Mozart
Principal Instrumentalists: Messrs. David, Moscheles, Wittmann

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Moscheles [letter to Charlotte on 3 January]: Um 2 Uhr zurück nach Leipzig. Concert-Anstalten für den 7. d. M. In der Kammermusik mein Trio gespielt mit Wittmann und David. Alle andern Stücke mit Andacht angehört und aufgefasst. [AML II, 132.]

Review

Signale für die musikalische Welt (1845): 12.  

Am 3. Januar ließ sich Herr Professor Moscheles noch einmal in der zweiten Quartettunterhaltung im Gewandhause hören, indem er die Pianoforte-Partie in seinem großen C-moll-Trio ausführte. Außer diesem kamen das Kaiser-Quartett von Haydn und das Quintett in G-moll von Mozart an diesem Abend zur Ausführung.

1 January 1845

Eilftes Abonnement-Concert

Leipzig: Gewandhaus

Time: Evening, Half Past Seven o’Clock

Tickets: zu 2/3 Thalers

Programme  

Part I  
Psalm 95, ‘Kommt, laßt uns anbeten’Solos: Miss Lincoln, Mrs. Hennigsen,
Mr. Widemann
Mendelssohn
Overture, Iphigénie en Tauride Gluck
From Athalia: Scene and AriaMiss LincolnWeber
Piano Concerto No.3 in G minorMr. MoschelesMoscheles
Part II  
Symphony No. 5 in C minor Beethoven
Principal Vocalists: Miss Lincoln, Mrs. Hennigsen; Mr. Widemann  
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Charlotte: In Dresden findet Moscheles viele concertgebende Künstler, wie Döhler, Piatti, Mortier de Fontaine u. A., kündigt daher das seinige für den 7. Januar an und geht nach Leipzig, wo er am 1. Januar im Gewandhaus-Concert spielen soll. [AML II, 130-131.]

Moscheles [letter to Charlotte]: Meine Probe ist sehr gut ausgefallen, David dirigirte mit dem baton und wir hatten nicht ein einziges Mal anzuhalten. Ein Violinspieler, Bazzini, soll hier in der Maurer’schen Concertante mit David, Ernst und Joachim grossen Effect gemacht haben und eine von Ersterem dazu geschriebene Cadenzelectrisch gewirkt haben. Gestern übte ich mich mehrere Stunden auf dem Härtel’schen Instrument ein. [AML II, 131.]

Moscheles [letter to Charlotte on 1 January]: Abends nach dem Concert. Erst jetzt kann ich fortfahren. Erst kamen Leute zu mir, dann machte ich musikalische Besuche, probirte mein Trio mit David und Wittmann bei Härtei, hörte Bach‘s herrliche Motette (G-moll ¾,), ass bei David mit Gade. Hauptmann und Joachim und machte Toilette für’s Gewandhaus-Concert. Saal übervoll.

Mendelssohn’s fünfundneunzigster psalm herrlich.

Ouvertüre zu Gluck’s Iphigenie.

C-moll-Symphonie Beethoven, vortrefflich mit Piano’s

Miss Lincoln, die Verwandte von Dilke’s, sang zwei Mal brav.

Mein G-moll-Concert sehr gut begleitet und aufgenommen‘.

[AML II, 131.]

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Playbill

Eilftes

ABONNEMENT-CONCERT

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Mittwoch den 1. Januar 1845.

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Erster Theil.

Der 95ste Psalm, componirt von Felix Mendelssohn-Barhtoldy

Die Soli vorgetragen von Miss Lincoln, Fräulein Hennigsen und [lyrics follow]

Ouverture zur Iphigenie von Gluck.

Scene und Arie, von C. M. v. Weber; aus Athalia, gesungen von Miss Lincoln.

Die Soli vorgetragen von Miss Lincoln, Fräulein Hennigsen und [lyrics follow]

Concert für Pianoforte (G moll), componirt und vorgetragen von Herrn

Professor J. Moscheles aus London

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Zweiter Theil.

Symphonie von L. van Beethoven. (C moll. No. 5.)

Billets à 2/3 Thaler sind beim Castellan und am Eingange des Saales zu haben.

Das 12. Abonnement-Concert ist Donnerstag den 9. Januar 1845.

Einlass halb 6 Uhr. Anfang halb 7 Uhr.       

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (December 29, 1844): 3526.

Eilftes

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Mittwoch den 1. Januar 1845.

  1. Der 95. Psalm, comp. von Felix Mendelssohn-Bartholdy. (Die Soli vorgetr. Von Miss Lincoln, Fräul. Hennigsen und Hrn. Widemann; die Ausführung der Chöre hat eine grosse Anzahl knnstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchor gefälligst übernommen). Ouverture zur Iphigenie von Gluck..—Scene und Arie von C. M. v. Weber, gesungen von Miss Lincoln.— Concert für das Pianoforte (G-moll), comp. und vorgetr. Von Hrn. Prof. J. Moscheles aus London.
  2. Symphonie von L. von Beethoven. (C-moll Nr. 5.)

Billets zu 2/3 Thlr. Sind bei dem Castellan und am Eingange des Saales zu haben.

Einlass 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr.

Leipziger Tageblatt und Anzeiger (January 1, 1845): 4.

Eilftes

Abonnement-Concert

im Saale des Gewandhauses zu Leipzig,

Mittwoch den 1. Januar 1845.

  1. Der 95. Psalm, comp. von Felix Mendelssohn-Bartholdy. (Die Soli vorgetr. Von Miss Lincoln, Fräul. Hennigsen und Hrn. Widemann; die Ausführung der Chöre hat eine grosse Anzahl knnstgebildeter Dilettanten in Verbindung mit dem Thomanerchor gefälligst übernommen). Ouverture zur Iphigenie von Gluck..—Scene und Arie von C. M. v. Weber, gesungen von Miss Lincoln.— Concert für das Pianoforte (G-moll), comp. und vorgetr. Von Hrn. Prof. J. Moscheles aus London.
  2. Symphonie von L. von Beethoven. (C-moll Nr. 5.)

Billets zu 2/3 Thlr. Sind bei dem Castellan und am Eingange des Saales zu haben.

Einlass 1/2 6 Uhr. Anfang 1/2 7 Uhr.

The Musical World, a Weekly Record of Musical Science, Literature, and Intelligence, vol. XX (1845): 30.

VIENNA, (From our own Correspondent) Dec. 26, 1844…The Leipsic music publisher, M. Kistner, one of the best hearted and most intelligent men in existence, wrote to M. Moscheles a few days since, a letter inviting him to perform at one of the Leipsic Abonnement concerts, at the Gewand-haus, of which M. Kistner was one of the directors, on the 1st of January. Two pages of the letter were in the hand writing of M. Kistner—the third page was written by another of the directors, and informs M. Moscheles that the very same day the letter was written, Mr. Kistner was seized at the theatre, during the performance, with a fit of apoplexy, and expired within a few hours. So that Moscheles, in performing at the Abonnement concert, on the 1st of January, will fulfil the last expressed wish of an old and honored friend.

Moscheles will give a concert at Dresden, in a few days, and will most probably be in London at the latter end of January.

…Your’s S.

Reviews

Allgemeine Musikalische Zeitung (January 8, 1845): 26-28.

Leipzig, den 4. Januar 1844. Eiftes Abonnement-concert, Mittwoch, den 1. Januar.—Der 95. Psalm von F. Mendelssohn Bartholdy.—Ouverture zu Iphigenie in Aulis von Gluck.—Scene und Arie von C. M. v. Weber zu Athalia, gesungen von Miss Lincoln.—Concert für Pianoforte (Gmoll), componirt und vorgetragen von Herrn Prof. J. Moscheles aus London.—Symphonie von L. v. Beethoven (Cmoll, No. 5).

Das alljährlich am Neujahrstage Statt findende Abonnementconcert wird bei uns der Bedeutung des Tages an gemessenge wöhnlich mit einem geistlichen Musikstücke begonnen. Dieses Mal hatte man den 95. Psalm von Mendelssohn: ,,Kommt, lasst uns anbeten“ u. s. w., ein herrliches, geist- und gefühlvolles Werk, hierzu ausgewählt, und sind wir dafür dem Directorium, wie für die bereitwillige und gelungene Ausführung desselben den kunstsinnigen Dilettanten, welche in Verbindungmit dem Thomanerchore selbige übernommen hatten, dankbar verpflichtet. Die Composition Mendelssohn’s hat sich, obwohl sie hier seltener zur Aufführung gekommen ist, als dessen 42. Psalm: ,,Wie der Hirsch schreit“ u. s. w. und der 114. Psalm: ,,Da Israel aus Egypten zog“ u. s. w. doch schon viele Freunde erworben und ist stets mit Beifall aufgenommen worden. Wir machen nur auf den zweiten Chor: ,,Kommet herzu“ u. s. w. mit den leben vollen Eintritten der Stimmen, auf den zweistimmigen Canon des dritten Chores: „Denn der Herr ist ein grosser Gott“ u. s. w. und endlich auf den herrlichen Schlusschor: ,,Heute, so ihr seine Stimme höret“ u. s. w. aufmerksam, welche Nummern zu dem Ausgezeichnetsten, was Mendelssohn geschrieben hat, gehören. Was die Ausführung des Psalms anlangt, so verdienen namentlich die Chöre und das Orchester volle Anerkennung; weniger konnten die Soli genügen, welche den Damen Lincoln und Hennigsen und Herrn Widemann (Tenoristen unseres Theaters) zugetheilt waren. Allerdings mögen für Miss Lincoln, die hier bisher nur Stücke mit englischem und italienischem Texte gesungen hat und in der deutschen Sprache wohl noch Anfängerin ist, die deutschen Worte keine geringe Schwierigkeit geboten haben; allein hiervon wird weder das Zittern des Tones, welches jedenfalls nicht blos aus Befangenheit entsteht, noch die oft unreine Intonation bedingt. Fräul. Hennigsen sang ihre Partie recht gut; aber Herr Widemann ging oft in dem Streben, mit Wärme und Leben vorzutragen, zu weit und zu sehr in’s Theatralische über, distonirte auch zuweilen, und noch nie sind uns bei ihm solche Fehler in der Aussprache aufgefallen, als in diesen Soli’s, wo er das e in den Sylben ,,ver,“ ,,ge,“ ,, en“ in den Worten ,, versuchten,“ ,,verstocket,“ ,,gemacht,“ ,,anbeten,“ ,,niederfallen,“ u. s. w. stets wie a, und das u in den Worten ,,und,“ uns“ u. s. w. immer wie o hören liess. Eine richtige Pronunciation der Vocale ist ein Haupterforderniss des Gesanges, und wenn Herr Widemann auf diese nicht mehr Sorgfalt verwendet, kann es nicht fehlen, dass er seine im Uebrigen sehr schätzenswerthen Leistungen wesentlich beeinträchtigt.

Die Arie von Weber, welche nach der schön ausgeführten Gluck’schen Ouverture zu Iphigenia folgte, ist jedenfalls noch zu schwer für Miss Lincoln. Mit der Volubilität der Stimme, welche diese Sängerin allerdings besitzt, ist es dabei nicht gethan; die Arie bietet sowohl in harmonischer Beziehung, als namentlich durch die in ihr dargestellten verschiedenen Affecte mannichfache Schwierigkeiten, welche nur von einer vielgeübten Sängerin und unter der Voraussetzung überwunden werden können, dass dieselbe das Musikstück völlig in sich aufgenommen hat und überhaupt genug Selbständigkeit des Vortrags besitzt, um nicht nur Töne, sondern ein wirkliches Characterbild zu geben. Und das war eben bei Miss Lincoln nicht der Fall. Verdiente auch ihr unverkennbares Streben, die Arie nach Kräften auszuführen, alle Anerkennung, so blieb doch noch so Manches zu wünschen übrig.

Zur grossen Freude hat es uns gereicht, nacheiner langen, wenn wir nicht irren, neunjährigen Unterbrechung Herrn Prof. Moscheles wieder zu hören. Mag die neuere Zeit mit ihren gesteigerten Anforderungen an das Pianofortespiel die Virtuosität vorzugsweise in halsbrecherischen Künsten, in möglichster Ersetzung des Orchesters und in allerhand Extravaganzen suchen, und wird auch der besonnenste Kunstfreund fast wider Willen mit in den Taumel der Bewunderung fortgerissen, den sich die frappanten Leistungen der jetzigen Clavierheroen zu erzwingen verstehen, so ist und bleibt es gewiss für Jeden, welcher der Kunst eine höhere Tendenz einräumt und ihrer solideren Richtung gern folgt, um so erquicken der und beruhigender, sich einmal wieder in die Zeit zurückversetzt zu sehen, in welcher Bravour und Eleganz des Vortrags noch nicht auf die äusserste Spitze, noch nicht bis zur weltstürmenden sogenannten Genialität und süsslichen Saloncoquetterie getrieben waren. Aus dieser Zeit steht Moscheles noch unter Wenigen gross da; er ist einer der Schöpfer des fein- brillanten, gediegen-eleganten Pianofortespieles. Seine Wirksamkeit in London hat ihn auch gegen die Ansprüche der Gegenwart nicht zurückbleiben lassen, ohne dass er jedoch dadurch die Vorzüge, die von je her sein Spiel auszeichneten, in den Schatten stellt. Dass man von seinem vorgerückten Alter nicht mehr diejenige Kraft und Ausdauer, die Elasticität und fast unbewusste Keckheit des Vortrags verlangen kann, durch welche jüngere Virtuosen, wenn sie eben erst aus den Reihen der sogenannten Wunderkinder herausgetreten sind, mit dem Muthe und der Kraft eines Jünglings die Bewunderung der Menge im Sturme erringen, versteht sich von selbst. Aber seines, edles Spiel, durch welches stets die solideste und tüchtigste Technik durchblickt, das milde freundliche Bild, dass er dem Hörer dadurch vor die Seele führt, und mit welchem er diesen erfreuen, nicht überraschen will, mit einem Worte: die Humanität seines Vortrages wird ihm stets die Herzen und grosse Anerkennung gewinnen. Dieselbe wurde ihm auch, nachdem er gleich bei seinem Auftreten lebhaft begrüsst worden war, bei jedem Satze seines bekannten, schönen Gmoll-Concerts zu Theil.

Ueber die Symphonie genüge es zu bemerken, dass die Ausführung eine gelungene war, obgleich wir, besonders im ersten und letzten Satze, hier und da zwischen den Mitwirkenden und dem Dirigenten eine Verschiedenheit der Ansichten über das Tempo wahrgenommen haben, welche an und für sich im Concerte selbst wohl zu spät geltend gemacht wurde und der vollkommenen Lösung der Aufgabe nur hinderlichsein konnte.—                                                                                                      L. R.

Neue Zeitschrift für Musik (January 15, 1845): 24.

Im Abonnementconcert am Neujahrstage spielte Moscheles sein G-Moll Concert.

Berliner musikalische Zeitung (January 18, 1845): [3].

Leipzig…Moscheles spielte im eisten Gewandhausconcerte und in der zweiten Quartett-Versammlung, wo er Pianopartie seines C-moll-Trio ausführte.

Allgemeine Wiener Musik-Zeitung (February 1, 1845): 56.

(Moscheles) spielte in Leipzig im eilften Gewandhauskonzerte und in der zweiten Quartettunterhaltung daselbst. In der letzteren hatte er die Pianofortepartie in seinem großen C-moll – Trio übernommen. Er wird in Hamburg erwartet.

Neue Zeitschrift für Musik (February 5, 1845): 49-50

Abonnementsconcerte

Das erste Concert des neuen Jahres gehört unstreitig unter die vorzüglichsten Leistungen, welche diese  Wintersaison zum Lorschein brachte, und zwar nicht allein wegen der sorgsamen Wahl der aufzuführenden Musikstücke, sondern auch hinsichtlich der Ausführung  von Seiten des mitwirkenden Personals. Es begann mit dem 95sten Psalm von Mendelssohn-Bartholdy, einem Werke, was nächst dem 42sien Psalm unter den kleinern Kirchenmusiken dieses Meisters das gelungenste genannt werden muß. Die Chöre waren durch eine bedeutende Anzahl hiesiger, kunstgeübter Dilettanten vorzüglich besetzt und führten ihre Partieen eben so musterhaft aus, wie die Solisten (Tenor: Hr. Wiedemann, 1ster Sopran: Miß Lincoln, 2ter. Fräul. Henningsen), denen in dieser Composition ein günstiges Feld eröffnet ist. Miß Lincoln, die nur erst einige Wochen vor Weihnachten das erstemal bei uns ausgetreten, ist keineswegs Sängerin ersten Ranges. Ihre Stimme ist klein und nur für Coloraturen passend, in denen sie auch viele Uebung hat. Großanige Gesangscompositionen, in denen es gilt, einen starken, vollen Ton zu bilden, sind keineswegs das Feld, was sie beschreiten darf. Hierbei stört auch wesentlich die Art und Weise ihrer Vocalisation, die, dem englischen Organe gemäß, ziemlich breit erklingt. Deutlich trat dies hervor bei ihrem ersten Auftreten mit der Arie aus Teodora von Handel, die, so einfach und großartig zugleich, eine unendlich bedeutendere Stimme verlangt, um nur irgend einen Eindruck bei dem Publikum zu erlangen, das sich dieser allen Musik ziemlich entwöhnt hat. Lebhaftern Beifall und auch verdienten, errang Miß Lincoln in dem selben Concerte durch eine Rossini’sche Arie, welche sie mit Volubilität und Reinheit vortrug. Diesmal rang sie. in Mendelssohns Psalm mit Frl. Henningsen um den Preis; beide Damen sangen das Duett recht gut. Außer diesem Solo trug Miß Lincoln noch eine Arie von E. M. v. Weber vor, deren Text der Athalie von Racine entlehnt war. Diese Arie war hier noch nicht gehört, und trotz der Mühe, die Miß Lincoln auf ihren Vortrag verwendete, was auch mit Beifall von dem Publikum wahrgenommen wurde, erweckte die Composition doch wenig Sympathie. Das virtuose Element wurde in diesem Concerte durch Moscheles vertreten, der lange Jahre hier nicht aufgetreten war und dessen Leistungen mit desto größerer Spannung erwartet wurden. Er trug das bekannte G-Moll Concert eigener Composition vor, vielleicht das schönste Werk, was er schrieb. Wie anderwärts, so vermochte auch hier nicht der tüchtige Meister den hohen Beifall zu erwecken, den ihm die frühere Zeit spendete. Er steht nicht mehr auf der Höhe des Tages, uno obwohl er immer noch strebt, die Virtuosität der neuern Schule sich anzueignen, so wird ihm dies doch kaum gelingen. Größern Beifall erwarb sich der Meister wenige Tage nachher in der Quartett-Abendunterhaltung, wo ein Trio von ihm mit vielem Interesse aufgenommen wurde.

Es sind noch die Leistungen des Orchesters zu besprechen; wir können uns dabei kurz fassen: sie waren,  wie immer, ein Zeugniß der Tüchtigkeit. Im ersten Theile hörten wir die Ouvertüre zu Gluck’s Iphigenia und der zweite Theil brachte uns Beethoven’s C-Moll Symphonie, einen Genuß, der schon seit langen Zeiten am Neujahrstage dem Publikum dargeboten wird, gewiß eine schöne Festgabe, die auch heute Abend durch die so gelungene Ausführung von Seiten des Orchesters das Publikum in hohe Begeisterung versetzte.—Die Genüsse, die uns das darauf folgende 12te Concert gewahrte, waren keineswegs so erhebender Art, als die des vorigen, was aber weniger in der Ausführung der einzelnen Pieren, als in der Wahl derselben seinen Grund hat. Das Concert begann mit Beethoven’s Ouvertüre zu Fidelio, Nr. 2, C-Dur, die wir einige Jahre nicht gehört hatten. Die Ausführung gelang und die Schattirungen waren so schön gezeichnet, wie wir sie lange nicht bemerkt hatten. Miß Lincoln sang nun eine kleine, winzig kleine Ariette aus Donizetti’s Don Pasquale, mit vielen kleinen Figuren und Schnörkeleien, die ihr alle gelangen, bei dem gesunden Sinne unsers Auditoriums aber wenig Beifall erlangten. Und wahrlich mit Recht! Wir erkennen gern die Vortrefflichkeit der italienischen Gesangsbildung an, wir halten sie sogar für nothwendig, aber die Einseitigkeit unserer Sängerinnen thut uns zu viel an, wenn sie uns zumuthet, dergleichen oft anzuhören; das Bestreben, durch brillante Schulsiguren zu glänzen, läßt diese Damen ganz vergessen, daß sie uns nicht mehr Arien, sondern  Etüden vorsingen, und diese gehören in das Studirzimmer!—Hr. Grenser, Mitglied des Orchesters, trug mit vielem Beifall Variationen von Tulou über ein Thema aus Auber’s Krondiamanten vor. Er verdiente den Applaus des Publikums, denn er ist in der That einer der tüchtigsten Musiker unsers Concerts. Den Beschluß des ersten Theiles bildete die Ouvertüre und Introduction aus Spohr’s Jessonda, gewiß eine vortreffliche Musik, die durch ihre Wärme und Innigkeit immer hinreißen wird.

Ueber die neue Symphonie (Nr.6.in E) von Hesse, Organisten aus Breslau, der zur Direction persönlich  gegenwärtig war, können wir uns kurz fassen. Wenn zum Schaffen eines Musikstückes eine genaue Kenntniß uns Beherrschung der musikalischen Form ausreichend wäre, so müßten wir bei dieser Symphonie voll Lobes sein. Alle Sätze zeugen von vortrefflicher Arbeit; Gewandtheit im doppelten Contrapunct tritt uns überall entgegen, und auch der strengste Kritiker dürfte sich kaum beklagen über irgend eine Verletzung der Regeln der musikalischen Theorie. Wenn es aber darauf ankommt. Neues zu schaffen, wenn eine dem innersten Geiste entsprungene Lebendigkeit und Frische unter die Haupterfordernisse einer guten Musik zu zählen sind, dann leideit Hesse’s Werk allerdings an luanchen Gebrechen. Uebrigens wurde die Symphonie beifällig aufgenommen, und vorzüglich der letzte Satz bewirkte durch seine, wirklich von den andern Sätzen sich vortheilhaft auszeichnen-den Melodieen einen erhöhten Applaus. Das Orchester trug die Symphonie gut vor, obgleich sie schwer war und aus Mangel an Zeit nur einmal probirt werden konnte. 

                    —s.

Signale für die musikalische Welt (1845): 12.

Das eilste Gewandhausconcert fand am 1. Januar statt, es trug wie alle Jahre, einen feierlichen Character und wurde mit Mendelssohns 95. Psalm eröffnet, die Solopartien führten die Damen Hennigsen und Lincoln und Herr Wiedemann aus. Hier auf folgte Glucks Ouverture zur Iphigenie, Miß Lincoln sang mit großer Fertigkeit eine Arie aus „Athalia“ von Weber und Herr Professor Moscheles aus London er freute durch den schönen Vortrag seines G-moll-Concerts. Den zweiten Theil bildete die Sinfonie in C-moll von Beethoven.

31 December 1844

New Years Eve Party

Leipzig: Ferdinand David’s Residence

Programme 

Violin Concerto in E minor (Op.64)Mr. David. Accompanied byMendelssohn
 Moscheles on the piano 
Violin Variation in G major (MS)Mr. DavidDavid
Violin Variations on a Scottish songMr. DavidDavid
Principal Instrumentalists: Messrs. David, Moscheles

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Moscheles: Abends war ich bei David’s und zwar all eint da alle von ihm dazu Geladenen an diesem Sylvester-Abend schon versagt waren; darunter der jetzige Concert-Director, der junge Gade, der einen Mozartähnlichen Kopf hat. David spielte mir seine M. S. Variationen in G-dur über ein eigenes Thema, Variationen über ein schottisches Lied, Alles pikant; auch begleitete ich ihm aus der Partitur Mendelssohn’s neues Violin-Concert, für ihn geschrieben. Es ist sehr schön, das letzte Stück Mendelssohnisch feenartig hüpfend; der ganze Abend war genussreich. Um 11 Uhr ging ich nach Hause, gab meinen Gedanken Audienz und begrüsste das neue Jahr mit dem Gedanken an Dich und die Unsrigen! —Es bedarf aller meiner Thätigkeit, um mir unsere lange Trennung erträglich zu machen—aber wie gross, wie ungetrübt stelle ich mir das Wiederfinden vor! [AML II, 131.]

19 October 1840

 Party for Ignaz Moscheles by Felix Mendelssohn

Leipzig: Gewandhaus

Time: Evening, Six o’Clock

Programme  

Part I  
Overture, Leonore No.1 Beethoven
Overture, Leonore [No.2] Beethoven
Psalm 42, ‘Wie der Hirsch schreit’Solo: Mme Frege; Full Chorus of 160 singers, OrchestraMendelssohn
Hommage à Händel,
Grand Duet for Two Pianos
Messrs. Mendelssohn, MoschelesMoscheles
Part II  
Overture, The Hebrides Mendelssohn
Piano Concerto No.3 in G minorMr. MoschelesMoscheles
Triple Concerto for three Pianofortes (BWV 1063)Mme Schumann, Messrs. Mendelssohn, MoschelesMoscheles
Characteristic StudiesMr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Mme Frege
Principal Instrumentalists: Mme Schumann, Messrs. Mendelssohn, Moscheles
Conductor: Mr. Felix Mendelssohn

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Moscheles [10 October]: Heute Morgen bei der Probe bin ich von Limburger, Kistner, David, Härtel, Schumann und Frau mit offenen Armen empfangen. Alle wollen wissen, ob ich leiben und spielen will, Mendelssohn sagt: „nur bleiben, hier bleiben, ein eigenes Konzert geben und im Abonnements-Konzert spielen“; doch bin ich noch ganz unentschieden. [AML II, 64.]

Moscheles [11 October]: Ich hatte eine grosse Abrechnung mit Kistner; dann kamen er und Baurath Limburger als Deputirte der Koncert-Direction; aber ich konnte ihren Antrag Donnerstag über 8 Tage im Abonnements-Concert zu spielen, wegen Zeitmangels nicht annehmen. Ein eigenes Concert gebe ich auch nicht und seitdem diese Beschlüsse feststehen, bereitet Mendelssohn eine ähnliche Fete im Gewandhaus vor, wie er sie Liszt gab. [AML II, 64.]

Moscheles [to a letter to his wife on 18 October]: Die Directoren sind wiederholt zu mir gekommen, um mich zum Spielen am 22. zu bereden, Mendelssohn that dasselbe, ich blieb standhaft; „möglich“, sagte ich, „dass ich zum Concert am 29. wieder hier bin, wenn ich über Leipzig komme“.

[AML II, 67-68.]

Moscheles: Ich werde dringend gebeten, über Leipzig zurückzukommen und im Abonnements-Konzert zu spielen; doch überlege ich noch und habe nichts versprochen. [AML II, 68-69.]

Moscheles: Bei der Fête im Gewandhaus, die mir Mendelssohn gab, waren 300 von ihm geladene Zuhörer, die zu den beiden Seiten der drei Härtel’schen Klaviere saßen, der Saal herrlich beleuchtet, das Orchester voll, der Chor 140 stark. Es war schön zu sehen, wie Mendelssohn und seine anmutige-Frau vor Anfang der Musik den Gästen die Honneurs machten, wie sie bei den in der Pause gereichten Erfrischungen für Alle sorgten. Hier das Programm:

Erster Theil.

Die zwei Leonoren-Ouvertüren, mit Eifer und Begeisterung vorgetragen.

Mendelssohn’s 42. Psalm. Ein herrliches Werk, die Soli von Mme Frege vortrefflich gesungen.

Hommage a Händel, von Felix und mir. brüderlich begeistert.

Zweiter Theil

Hebriden-Ouvertüre.

Mein G-moll-Concert.

Mit Felix’ Direction des Orchesters ging Alles vortrefflich, es misslang Nichts, ich spielte begeistert, Chorley behauptet, besser als jemals zuvor. Der Beifall rauschend. S. Bach’s TripIe-Concert von Mme. Schumann, Felix und mir—wie, kannst Du denken. Zum Schluss noch Etüden von mir. [AML II, 68.]

Clara Schumann: Sonntag d. 18 probirten wir, Moscheles, Mendelssohn und ich das D moll Concert von Bach für 3 Claviere, und noch Anderes. Moscheles scheint mir doch in der letzten Zeit bedeutende Rückschritte im Spiel wie (de) in der Composition gemacht zu haben. Es ist auch natürlich—er wird nun alt. Warum so viele Künstler es darin versehen, daß sie sich überleben! ich sollte meinen, das müßte doch ein Jeder fühlen, wenn er Rückschritte macht, und zeitig genug sich von der Oeffentlichkeit zurückziehen! der arme Moscheles, er dauert mich, er muß doch sehen wie nach und nach der Enthusiasmus für ihn erlöscht, und das muß ihn doch schmerzen.

[Robert Schumann, Robert Schumann Tagebücher: 1836-1854, ed. George Eismann, vol. 2, 3 vols (Stroemfeld/ Roter Stern, 1971), 114.]

Clara Schumann: Montag d. 19…Die Soiree von Mendelssohn im Gewandhaus war brillant, es gab aber der Musik zu viel, und es herrschte kein rechtes Anima in dem Ganzen, wie es bei Liszt’s Anwesenheit damals gewesen sein soll.

Vorgetragen wurden: Die bei den Ouvertüren von Beethoven zu Leonore, der Psalm »wie der Hirsch schreit« von Mendelssohn, die Hebriden-Ouvertüre, Hommage à HändeI von Moscheles, von ihm und Mendelssohn vorgetragen, das G moll von Moscheles und das Tripel-Concert von Bach. Die Leonoren-Ouvertüre (die Erste) war für mich die Krone des Abends; die Zweite, auch in C dur, scheint mir nicht so aus einem Guß, kommt mir mehr vor wie der Entwurf zur Großen, enthält aber auch Herrliches, und ist höchst interressant, besonders (eben) wenn man die Erste genau kent. Im Psalm sang die Doctor Frege mit schöner klangvoller Stimme, und gutem Vortrag. Ich freute mich sie nach vielen Jahren, einmal wieder zu hören. Das Hommage à Händel und das G moll Concert von Moscheles gefiel mir nicht. Die Composition bei der Pieçen ist so schön, das G moll Concert in so edlem Styl geschrieben, und wurde vom Componisten so gar nicht meisterlich vorgetragen. Es thut mir leid diesen letzten Eindruck vom Componisten zu haben!—

Das Concert von Bach ging ziemlich gut; ich war nicht animirt, das kann auch gar nicht sein, wenn man 2 Stunden hindurch durch Musik geistig so abgespannt ist, wie ich es war! an Bach muß man mit immer frischen Kräften gehen.

Jetzt wird, hoffe ich, wieder etwas mehr Ruhe in unser Lebenkomen – wir sehnen uns sehr darnach! [Schumann, Robert Schumann Tagebücher: 1836-1854, vol. 2, 115.]

Invitation enclosed to a letter sent by Moscheles to his wife in London

[Felix Moscheles continues]: The “musical evening party” turned out a most brilliant one. Moscheles describes the bright and festive scene, and the charming way in which Mr. and Mrs. Mendelssohn received their three hundred guests. The chorus of one hundred and forty voices was most effective, and the Gewandhaus orchestra was never heard to better advantage. [FM.IML, 213.]

Letter: Mendelssohn to Karl Klingemann. Leipzig, 26 October 1840.

Die Tage seines [Moscheles] hiesigen Aufenthaltes waren für uns alle sehr angenehm, und ich hoffe für ihn auch ein wenig. Er wohnte hier in meiner Eckstube, und wir lebten wie die eingefleischtesten deutschen Spiessbürger, und als wäre es seit 20 Jahren nicht anders gewesen; morgens kam Carl in seine Stube und sah zu, wie er sich anzog und rasierte, abends lasen wir abwechselnd in der Allgemeinen Zeitung, hierauf wurde musiziert, einige Male mit, einige Male ohne Gesellschaft. Moscheles spielte viel und vortrefflich; zum Schluss seines Aufenthaltes gab ich ihm eine grosse soiree von gegen 400 Personen auf dem Gewandhaus, mit Chor und Orchester, wo er sein g moll-Konzert, sein hommage à Händel mit mir, Bachs Tripelkonzert mit Clara Schumann (Wieck) und mir, und einige Etuden spielte, und wo ausserdem Beethovens Leonoren-Ouvertüren (die eine bekannte, die andere Manuskript), mein 42. Psalm von 160 Dilettanten gesungen, dann meine Hebriden-Ouvertüre vorkamen; die Leute waren alle in der vergnügtesten Stimmung und Moscheles schien an ihrem Gefallen Gefallen zu finden.

[Karl Klingemann, Felix Mendelssohn-Bartholdys Briefwechsel mit Legationsrat Karl Klingemann (Essen: G. D. Baedeker, 1909), 249]

Letter: Mendelssohn to his mother Lea Mendelssohn. Leipzig, 27 October 1840.

Ob Moscheles wieder hier durchkommt, ist noch zweifelhaft; die Zeit seines Aufenthalts hier war sehr behaglich; er wohnte in unserm Eckzimmer, und es wurde ziemlich den ganzen Tag musicirt. Carls Vortrag des Matelliedes har er sogar aufs zierlichste in Noten geschrieben, und seiner Frau brieflich zugeschickt, dafür frägt der auch jeden Morgen Onken Moschenes. Die Fête im Gewandhaus war wieder sehr hübsch und hat allen große Freude gemacht; die Musik ging gut und klappte nach Herzenslust, namentlich in meinem 42sten Psalm. Das Hauptstück war Moscheles‘ gmoll Concert, das er trefflich spielte, und von dem Orchester ohne Probe fehlerfrei begleitet wurde, außerdem spielte er noch mit Clara Schumann (Wieck) und mir das Bachsche TripelConcert, und mit mir das hommage à Händel; zum Schluß noch einige Etuden. Und mit dem Orchester spielten wir noch die beiden Ouvertüren zu Leonore von Beethoven, und meine Hebriden. Es waren gegen 350 Personen da, und alles wäre gut gewesen, aber–ein Fehler verdarb das Beste! Es waren nicht genug Spritzkuchen da! Wir hätten können die Leonorenouvertüre umwerfen, und im gmoll Concert stecken bleiben, wären nur genug Spritzkuchen da gewesen. Es standen doch 300 auf der Rechnung, und noch 100 andre Kuchen—Aber niemand will was davon bekommen haben. Wo sind sie hin? Das ist sehr hart, Mutter. Der Bischof hat uns wieder rausgebissen; der floß in Strömen, und fachte unser Feuer an, wie der Regen um Lustgarten. Es war auch Cardinal da. Hierauf kam das gmoll Concert, und wir nahmen das erste tempo des tutti viel zu langsam, offen bar weil es an Spritzkuchen gefehlt hatte. Die Thomasschüler sollen sie alle in die Tasche gesteckt haben, behauptet der Conditor; genug wir haben keine gekriegt. Von unsern beiden Sängerinnen, Mlle. List und Mlle. Schloss sage ich nichts und verweise [au]f Scleinitz, ebenso von der silbernen Hochzeit der Leipziger Liedertafel, vo[n] der ich mich noch nicht wieder ganz erholen kann. [MSB, 7, 314.]

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Neue Zeitschrift für Musik (October 14, 1840): 124.

Hr. Moscheles wird dieser Tage in Leipzig erwartet; er hat die Reise mit MD. Mendelssohn zusammen gemacht.

Reviews

Neue Zeitschrift für Musik (October 24, 1840): 136.

Hr. Prof. Moscheles war über 8 Tage in Leipzig und erfreute im kleineren Kreise seine zahlreichen Verehrer durch sein Spiel. Oeffentlich aufzutreten beabsichtigt er nicht mehr. Er reist von hier in seine Geburtsstadt Prag und dann nach England zurück. In seiner Begleitung befindet sich der geistreiche englische Literat Mr. Chorley,“ von dessen Musik briefen früher einmal die Pariser Gazette musicale mit theilte.

Zeitung für die elegante Welt (October 24, 1840): 836

[Moscheles in Leipzig.]

Seinem Gaste aus England zu Ehren veranstaltete Mendelssohn-Bartholdy im leipziger Gewandhause eine Soirée, wo es den Freunden der Kunst vergönnt war, den Vater des heutigen Clavierspiels zu hören. Der glänzenden Leistungen des Orchesters, welches zwei Leonoren-Ouvertüren (Nr. 3 u. 2.) ohne Probe ausführte, werde hier nicht weiter gedacht; da aber Moscheles nicht mehr öffentlich spielt, so sei es gestattet, ihm bei dieser Gelegenheit die Huldigung zu bringen, die der Veteran in Anspruch zu nehmen hat. Er spielte mit Mendelssohn sein allgemein beliebtes Duett Hommage à Händel, sein G-moll-Concert (Satz 1 u. 2.) und mit Mendelssohn und Fr. Dr. Schumann (Clara Wiek) Bach‘s Triple; zum Dessert gab der Ehrengast noch allerlei liebliche, pikante Kleinigkeiten. Das G-moll-Concert hörten wir schon früher in Leipzig von ihm. Das Urtheil über Moscheles’ Spiel ist längst festgestellt, nur scheint es, als verwende er auf Vortrag und Ausdruck noch mehr Aufmerksamkeit, seit dem er in der Technik abgeschlossen. Somit stände der Altmeister nicht still, während freilich ein jüngeres Virtuosenthum rasch an ihm vorüberstürmte, ohne ihm die Palme zu entreißen, aber doch nach neuen Palmen eroberungslustig.

Revue et Gazette Musicale de Paris (November 1, 1840): 517.

 *** Leipsig,—Moschelès a passé ici il y a quelque temps en allant à Prague pour voir et embrasser encore sa vieille mère. Son intention n’était pas de se faire entendre une seule fois pendant ce voyage, mais lors de son arrivée ici. Il s’est trouvé tellement circonvenu par les heureuses importunités de Mendelsohn, qu’il lui a fallu paraître dans une fêle musicale organisée eu sou honneur dans la salle de Gewandhaus, fêle qui n’a été d’ailleurs que pour les intimes de ces deux grands artistes. Il y a joué son concerto en ut mineur, sou hommage à Haendel, exécuté avec Mendelsohn, et le triple concerto de Bach, avec Mendelsohn et madame Schumann, née Clara Wiek. En revenant de Prague à Londres, Moschelès ne s’arrêtera nulle part. Voici ce que nous apprenons sur les voyages d’autres artistes.

Jahrbücher des deutschen National-Vereins für Musik und ihre Wissenschaft (November 19, 1840): 375-376.

Leipzig am 23. Okt. Seinem Gaste Moscheles zu Ehren veranstaltete Mendelssohn-Bartholdy im Gewandhause eine musikalische Abendunterhaltung, bei welcher es uns auch vergönnt seyn sollte, jenen Altmeister, den man wohl den Vater des heutigen Klavierspiels nennen dürfte, zu hören und zu bewundern. Mit Mendelssohn zusammen trug er sein beliebtes Duo Hommage à Händel, dann den ersten und zweiten Satz aus seinem G-moll-Concert und mit Mendelssohn und der Wieck (jetzt Mad. Schumann) gemeinschaftlich endlich Bach’s Triple vor. Einige Kleinigkeiten weiter mochten als Dessert gelten sollen, welches uns der Ehrengast schenkte. Hinsichtlich der Technik hat Moscheles längst abgeschlossen, aber was Ausdruck, was die Wahrheit und den Ernst des Vortrags anbelangt, möchte es scheinen, als verwende er darauf ungleich mehr Aufmerksamkeit denn ehedem, und so—will es mich bedünken—ist der Altmeister doch nicht stille gestanden, obschon er nicht mehr öffentlich aufzutreten pflegt und obschon ein jüngeres Virtuosenthum rasch an ihm vorbeistürmte, nach neuen Palmen begierig, ohne ihm die wohl erworbenen zu entreißen. Unser Orchester spielte in jener Unterhaltung Nr. 2 und 3 der bekannten Leonoren-Ouverturen, und zwar ohne Probe, was, ihren Berichten zufolge, den hiesigen unmusikalischen Journalisten ein gewaltiges Staunen abgezwungen zu haben scheint, aber doch wohl eine ganz gewöhnliche Erscheinung ist, wenn man bedenkt, daß die beiden Ouverturen schon oft genug executirt wurden.

Allgemeine Musikalische Zeitung (November 25, 1840): 988-989.

Leipzig, den 20. November 1840. Bevor wir in der Besprechung der öffentlichen hiesigen Musikleistungen fortfahren, wollen wir diesmal mit wenigen Worten zweier Künstler, der Herren Prof. J. Moscheles und Oberst Alexis Lvoff, Adjutant des Kaisers von Russland, gedenken, deren Anwesenheit in Leipzig wir aus gezeichnete Kunstgenüsse verdanken. Leider hatte Herr Moscheles, den an ihn ergangenen dringenden Aufforderungen, in einem unserer Gewandhaus-Konzerte zu spielen, aus Mangel an Zeit nicht entsprechen können, und es entging somit unserm musikliebenden Publikum ein Genuss, auf den es sich lange schon Hoffnung gemacht und gefreut hatte. Um diesen Verlust soviel wie möglich auszugleichen, war Herr Dr. Mendelssohn-Bartholdy so gütig, eine bedeutende Zahl hiesiger Kunst freunde am 19. Oktober dieses Jahres zu einer grösseren musikalischen Privatunterhaltung im Saale des Gewandhauses einzuladen, an welcher Theil zu nehmen auch uns freundlichst gestattet wurde. Wir hörten darin: Ouverture No. 1. und 2. zu Leonore von Beethoven; den 42sten Psalm von Mendelssohn-Bartholdy; Hommage à Hände von Moscheles, gespielt von ihm und Mendelssohn; Ouverture zu den Hebriden von Mendelssohn-Bartholdy; Konzert für Pianoforte (G moll) von Moscheles, von ihm meisterhaft vorgetragen; Konzert für 3 Pianoforte von Seb. Bach, vortrefflich gespielt von Moscheles, Mendelssohn und Frau Dr. Klara Schumann geb. Wieck.—Man kann sich wohl denken, welch hohen Genuss der Vortrag so vortrefflicher Stücke und die Leistungen solcher Künstler bieten mussten.

The Musical World (April 8, 1854): 222.

…on the 19th of this month [October], in the large concert room of the Gewandhaus, Bach’s triple concerto was given by Schumann, Moscheles, and Mendelssohn

15 October 1840

Clara Schumann’s First Soiree

Leipzig: Robert Schumann’s Residence

Programme  

LiederFräulein ListMendelssohn
LiederFräulein ListSchumann
Piano TrioMme Schumann, Messrs. 
Mendelssohn, Moscheles
Moscheles & Mendelssohn
StudiesMr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Fräulein List
Principal Instrumentalists: Mme Schumann, Messrs. David, Mendelssohn, Moscheles

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Robert Schumann: Donnerstag…»Erste Soiree bei Mad. Schuman« – Klara sah ganz fein in ihrem Häubchen. An 20 Gäste, auch ein Fürst. Klara spielte die Trio’s, die ich vorher nannte; Eliste [List] sang ein Paar Lieder von mir, u. eines von Mendelssohn, keines aber ganz gut. Klara badete dafür die ganze Gesellschaft in schöner Musik, daß sie auch ordentlich wie gebadet und frisch und heiter war. So war auch der Abschied um Mitternacht.

[Robert Schumann, Robert Schumann Tagebücher: 1836-1854, ed. George Eismann, vol. 2, 3 vols (Stroemfeld/ Roter Stern, 1971), 113.]

Robert Schumann: So spielte sie [Clara] vorigen Sonntag früh die C Dur Sonate von Beethoven, wie ich es noch nicht gehört; so vor Moscheles einige der Kreislerstücke, u. Donnerstag Abend in einer Soiree, die wir gaben, die Trio’s von Moscheles und Mendelssohn.

[Robert Schumann, Robert Schumann Tagebücher: 1836-1854, ed. George Eismann, vol. 2, 3 vols (Stroemfeld/ Roter Stern, 1971), 113.]

Moscheles [on 18 October]: Gestern waren wir zusammen bei Schumann’s, die ihre Soiree im eigenen Hausstand gaben. Sie spielte mein Trio und das von Mendelssohn meisterlich schön und kräftig; David accompagnirte, zum Schluss musste ich noch Etüden spielen. Fräule in List sang einige Lieder niedlich. [AML II, 64.]


Notes: It seems that Charlotte got the date wrong.

13 October 1840

Soiree

Leipzig: Felix Mendelssohn’s Residence

Programme  

Free Piano FantasiaMessrs. Mendelssohn, Moscheles 
Piano Concerto No.4 in E majorMr. MoschelesMoscheles
StudiesMr. MoschelesMoscheles
Quartet David
Principal Instrumentalists: Messrs. David, Mendelssohn, Moscheles

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Moscheles: …the Mendelssohns’ gave an evening party, when David’s quartet playing was admirable. I played my E major Concerto and Studies. To end up, Felix called for my repertoire of tricks on the piano, and we extemporized together as a finale, a production quite as good as our last effort in London. [RMM, 272.]

11 October 1840

Dinner

Leipzig: Ferdinand David’s Residence

Programme  

Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
Violin Concerto in D majorMr. David; Piano Accomp.: Mr. MendelssohnDavid
Principal Instrumentalists: Messrs. David, Mendelssohn, Moscheles

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Moscheles: At 2.30 we dined at David’s, where we met Cecile’s sister, Madame Schunck, and her husband; she is a bright, clever woman. Madame David too was a new and very agreeable acquaintance; her manners are very refined. David played us after dinner his new violin Concerto in D major, which is certain to create a general sensation; Mendelssohn accompanied, then I had to extemporize, and I hope tolerably well. [RMM, 271-272]