28 November 1826

Ignaz Moscheles’ Second Concert

Berlin: Königliches Schauspielhaus

Programme

Free Piano FantasiaMr. Moscheles 
From Oberon: Aria, ‘Ozean! Du Ungeheuer’Mme SchulzWeber
Grand Piano Variations on a Military March with Orch. Accomp. (Alexander Variations)Mr. MoschelesMoscheles
Piano Concerto No.2 in E flat majorMr. MoschelesMoscheles
Principal Vocalists: Mme Schlz  
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Charlotte: Am 28. November findet ein zweites Concert im grossen Opernhause statt, das überfüllt war. Der ganze Hof wohnte ihm bei. Moscheles spielte unter Anderen das dem König dedicirte Es-dur-Concert. AML I, 133]

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (December 13, 1826): 404-405.

Korrespondenz

Berlin, den 28. November 1826.

Am 28. November gab Herr I. Moscheles sein zweites Konzert im Königlichen Opernhause vor einem sehr zahlreichen, theilweise auch durch den Doppelgenuss von Konzert und Theater angezogenen Publikum. Hier wäre wol eine tüchtige Symphonie zur Eröffnung des Konzerts an ihrer rechten Stelle gewesen; statt derselben hörten wir ein Bruchstück einer Weiglschen, halb tragischen Introduktion, die nur zu der darauf folgenden Handlung passen kann, und die schon einmal an einem hohen Geburtsfest unpassend vor der Rede als Einleitungsmusik gewählt war. Sind wir denn so arm etwa an guter Instrumental-Musik? Herr Moscheles spielte hierauf auf dem Proscenio der Bühne, bei herabgelassenem Vorhange (welches eine, den Schall günstig zurückwerfende Hinterwand bildete) sein grosses Konzert in Es-dur, Sr. Majestät, unserm hochgeehrten Könige gewidmet, auf einem klangwollen Wiener-Pianoforte, mit höchster Eleganz, Präcision und Fertigkeit. Die Komposition ist gehaltvoll und in edlem Styl durch geführt. Die grosse Scene der Rezia aus Karl Maria v. Weber’s Oberon folgte ,,O Ozean, du Ungeheuer“ und liess, bei allen dramatischen Intentionen, die hier verloren gingen, dennoch den kühnen Geistesschwung des verewigten Meisters, besonders in dem feurigen Schluss bewundern. Mad. Schulz sang diese sehr hoch liegende, viele Kraft und Ausdauer erfodernde, höchst leidenschaftliche Scene mit der, dieser Sängerin zu Gebot stehenden Macht der Stimme und heroischen Glut, besonders auch die hohen Intervalle am Schluss der Arie rein und sicher, wenn gleich hie und da z. B. den hohen Ausruf: „Hüon! Hüon!“ mit fast zu starkem sforzando. Eigentlich ist es einer dramatischen Musik nicht vortheilhaft, zuerst von der Handlung abgerissen gehört zu werden. Dennoch effektuirte diese imponirende Scene ungemein und gewährte uns den Vorgenuss der hoffentlich bald (?) nachfolgenden Aufführung der Oper selbst.

Den beliebten Alexander-Marsch, nämlich die, alle erdenklichen Virtuosen-Künste für das Pianoforte umfassenden Variationen auf dies ansprechende Thema trug Herr Moscheles mit der grössten Vollendung vor, und über traf sich selbst nur noch in der freien Fantasie, die nicht günstig auf den matten ersten Akt von Nicolo Isouard’s leichtfertigem „Joconde“ gestellt war. Hier, vom Instrumente nicht gehindert, zeigte der Künstler seine ganze technische Fertigkeit mit geistiger Kombination der Ideen und Geschmack vereint. Sehr lieblich wurden Anklänge bekannter Themate; z. B. Hummel’s „an Alexis“ gegeben, mit einander kunstgemäss verbunden, und Einheit beherrschte mehr als sonst die Wechsel-Folge der musikalischen Gedanken des, in der Mechanik seines Instruments nicht zu überfressenden Spielers, dem das Prädikat der Musik Professur in London ganz nach Verdienst gebührt.

Die folgende Opern-Vorstellung war nach dem Konzert zu lang und, der Bemühungen der Mad. Seidler, wie der Herren Bader, Stümer und Devrient d. J. ungeachtet, zu wenig in einandergreifend, als dass die Mühe belohnt wäre, diese, nur durch sehr rasches Spiel und die bestmöglichste Besetzung der drei Damen geniessbare, ächt französische Operette wieder auf die deutsche Opernbühne zu bringen. Schleppendes Wesen verträgt diese Gattung witziger Musik am allerwenigsten.

21 November 1826

Ignaz Moscheles’ First Concert

Berlin: Königliches Schauspielhaus

Programme

*Adagio and Rondo on an Austrian Grenadier MarchMr. MoschelesMoscheles
*Piano Concerto No.5 in C major: I. Allegro moderatoMr. MoschelesMoscheles
Part I  
Overture, Der Wasserträger Cherubini
Comic DuetMme Thürschmidt, Mr. DevrientGenerali
Part II  
Overture, Così fan tutte Mozart
Piano Fantasia, The Recollections of Ireland
with Orchestral Accompaniments  
Mr. MoschelesMoscheles
Italian SceneMme ThürschmidWollank
Free Piano Fantasia, incl. ‘Verzeihen sie Frau Nachbarin’
from Auber’s Le maçon and a theme from a Handel oratorio
Mr. Moscheles 
Principal Vocalists: Mme Thürschmidt; Mr. Devrient
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Programme Notes: Moscheles played his Free Fantasia on an Érard piano and the rest on a Leschen.


Moscheles: 10. November…Am folgenden Tage ging’s nach Berlin, und, dort angekommen, natürlich gleich zu Mendelssoh’s. Trotz aller freundschaftlichen Beziehungen zu den Künstlerkreisen brachte er die Tage vom 12.—19. November mühevoll, ja qualvoll unter Anstalten zu seinem Concert zu. Zwar gab es täglich einige angenehme Stunden in den Häusern Mendelssohn, Beer, Bendemann und anderen, doch musste er meistens unmittelbar nach Tische forteilen, um Sänger einzuladen und sonstige Geschäftsangelegnheiten zu betreiben, bis es ihm endlich durch die Vermittelung seines Freundes Blume gelang, einige Sänger zu erobern. Blume selbst durfte eben so wenig mitwirken, als die Sonntag, die, stets gefallig, es für ihr Leben gern gethan hätte. Sie war am Königstädter Theater engagirt; Moscheles aber wollte im Königlichen Schauspielhause Concert geben und musste daher auf ihre Mitwirkung verzichten…[20. November:]…meine Frau hat tausend Concertbillette zu zeichnen und zu numeriren, und ich habe Probe für morgen im Königlichen Schauspielhause.

,,21. November Concerttag. Viel auf dem Instrument von Erard geübt, welches seine Schwester, Mme. Spontini, mir mit der dringenden Bitte zuschickte, in meinem Concerte darauf zu spielen. Ich hatte mit seinem Anschlag zu kämpfen. Frl. Sonntag, die mir nicht positiv helfen durfte, that es negativ, indem sie sich heiser meldete, statt im „Sargin“ zu singen; sie ging mit meiner Frau in’s Concert, wo beide sich in den Hintergrund einer Loge zurückzogen. Als ich der gefeierten Sängerin dankte, sagte sie mit dem ihr eigenen lieblichen Lächeln: ,,Aber lieber Moscheles, sollte denn eine alte wiener Freundin nicht die Kabalen eines Theater-Directors vereiteln helfen? S’Jettl is immer noch’s Jett!.““ Trotz ihrer Liebenswürdigkeit war der Saal, wahrscheinlich der späten Ankündigung und anderer ungünstiger Umstände halber, nur zu zwei Dritteln voll; aber der Hof war zugegen und Alles ging vortrefflich unter Möser’s Leitung.“ [AML I, 131-132.]

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 29, 1826): 388-389.

Korrespondenz

Berlin, den 21. November 1826.

Konzert des Herrn Moscheles.

Herr Moscheles ist dem berliner Publikum bereits von früher her als brillanter Klavierspieler bekannt. Ueber seine Kompositionen haben die meisten Berichterstatter unserer Zeitung sich dahin ausgesprochen, dass dieselben zwar grösstentheils nur für augenblicklichen Effekt berechnet, sämmtlich aber doch mit Originalität, welche den Kalkbrennerschen Arbeiten der Art nur zu oft abgeht, reichlich ausgestattet sind. Auch diesmal bewährte sich der Herr Konzertgeber als Virtuos und Tonsetzer in der eben ausgesprochenen Tendenz, hauptsächlich durch die unter dem Namen: „Erinnerungen an Irland“ vorgetragene Phantasie für Pianoforte mit Begleitung des ganzen Orchesters. Ein vollständiges Konzert bekamen wir nicht zu hören, sondern nur den ersten Satz eines noch unvollendeten C-dur Konzerts und ein schon gedrucktes Adagio und Rondo über den bekannten österreichischen Grenadiermarsch. Jener oben angeführte erste Satz ist aber so reich an musikalischen Schönheiten aller Art—vorzüglich gelungen ist die Instrumentation—dass er allerdings etwas Ausgezeichnetes verspricht, wenn das Ganze nur erst vollendet sein wird; um so mehr war es zu bedauern, dass in die Begleitung von Seiten des Orchesters sich einige Fehler eingeschlichen hatten. Ueber die freien Fantasieen, wozu sich die Herren Pianoforte-Virtuosen nun schon seit Jahren gezwungen sehen, ist gleichfalls auch in diesen Blättern öfters gesprochen worden. Die diesmalige liess uns nur die ungemeine Fertigkeit des Herrn Moscheles im höchsten Grade bewundern—sonst gar nichts; selbst das Fugato, welches das Publikum bei solchen Produktionen regelmässig vor dem Schlusse zu hören bekommt, und das meistens nur aus der Zusammenstellung einiger alten abgenutzten kontrapunktischen Wendungen besteht, war ungleich magerer, als es Herr M. schon vor zwei Jahren hieselbst ausgeführt hat. Indess klang auch der neue Engländer von Erard keineswegs phantastisch genug, um irgend eines Phantasie anzureizen.—Die bei– den Ouvertüren, namentlich die erste von Cherubini, wurden ganz vorzüglich exekutirt. Das komische Duett verlor im Konzertsaale sehr an Wirksamkeit, und eine Wollanksche Scene schien dem Ref. viel zu lang und dabei zu zerstückelt, um an diesem Orte Interesse zu erregen.—Das Auditorium war klein, aber dankbar.

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (November 29, 1826): 390-391.

Berlin, den 21. November 1826.

Konzert.

(Eingesandt.)

Unter den grossen Klavier-Virtuosen behauptet I. Moscheles mit den ersten Rang.  Als solcher bewährte sich derselbe (wie auch früher bereits bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin) nicht allein, sondern der berühmte Tonkünstler entwickelte auch im Vortrage des ersten Allegro’s eines neuen Pianoforte-Konzertes in C-dur seine immer höheren Fortschritte in der Instrumental-Komposition. Das interessante, einfache Thema [music sample]

in so vielseitige Harmonie-Kombinationen verschlungen, dass solches stets neu erscheint, und von den geschmackvollsten, obgleich für beide Hände sehr schwierigen Figuren gehoben wird. Die Instrumentation der bedeutsamen Begleitung ist voll Wirkung, hie und da, im Gebrauch der Blase-Instrumente, wie in An wendung der kleinen Septime und dergl., an K. M. v. Weber’s Behandlung gern erinnernd, ohne davon entlehnt zu sein. Das Adagio (auch in C-dur) eines andern Konzerts ist voll reizender Melodie und wurde von Herrn Moscheles so elegant und gefühlvoll, als das glänzende Rondo in E-dur (alla marcia) voll Feuer, Schnelikraft und unübertrefflicher Präcision im schnellsten Zeitmaass ausgeführt. Der, den Konzertgeber schon bei seinem Erscheinen am Pianoforte ehrend empfangende Beifall der gewählten Versammlung stieg nach jedem Solo des meisterhaften Spielers bis zum Enthusiasmus.

Den ersten Theil des Konzerts hatte Cherubinis Ouvertüre zum „Wasserträger“—sehr feurig ausgeführt—eröffnet, der ein, für den Konzertanfang nicht recht passendes, komisches Duett von Generali folgte, das von Madame Thürschmidt und Herrn Devrient d. J. sehr gut gesungen wurde. Der 2te Theil begann mit Mozarts Ouvertüre zu „Cosi fan tutte,“ welcher eine neue Fantasie für das Pianoforte von Moscheles, mit Orchesterbegleitung folgte Neu, frappant und theilweise etwas gesucht, wurden höchst anziehende irländische National-Melodien hierin mit schweren Passaggien, fremdartigen Modulationen und kontrapunktischen Imitationen verbunden, von welchen letzteren dem Ref, die Verbindung zwei verschiedener Thematen am kunstreichsten schien. Auf jeden Fall hält derselbe diese „Erinnerungen an Irland“ für eine weit freiere und kühnere Fantasie, als diejenige, welche der Konzertgeber zum Schluss, ohne Begleitung, mit grosser Kunstfertigkeit und durch den stumpfen, bedeckten Ton und schweren Anschlag eines englischen, stark belederten, noch zu wenig ausgespielten Flügels keineswegs begünstigt, mehr einem Potpourri ähnlich ausführte. Auch hält Ref. den Kontrast der unmittelbaren Folge des Thema’s aus Auber’s „Maurer“; ,,Glaubt mir, Frau Nachbarin“ auf eine würdige Händel’sche Oratorien—Melodie für etwas zu schroff. Wenigstens hätte noch ein Schluss-Satz diese Wendung verwischen mögen, damit wir nicht mit der „Frau Nach barin“ nach Hause entlassen wären. Ueberhaupt hielt sich u. E. für eine freie Fantasie der Spieler wol viel zu lange bei diesem einen Thema auf, das nur anzudeuten gewesen wäre.—Das P. Erard’sche Pianoforte hat übrigens  die vervollkommnete Einrichtung, dassman dem Spieler ungehindert auf die Hände  sehen kann, und der Ton ist voll und stark. Dagegen war die brillante Wirkung des (im Diskant spitzeren) Wiener Flügels, auf welchem Herr Moscheles sein Konzert und die erste Fantasie vortrug, wie auch die leichtere Behandlung desselben dem Spieler günstiger. Die italienische Scene von Fr. Wollank, welche Mad. Thürschmidt mit viel Empfindung und dem vollen Klang ihrer tiefen Alt-Stimme sang, war eine empfindungsvolle Komposition, melodisch und ganz der schönen Stimme angemessen, nur für den Konzert Gesang nach Rossinischer Manier zu wenig glänzend. Ohnedies eignet sich der Alt als Solostimme meistens wol nur zu getragenen Tönen im strengen Styl, obgleich die neuern italischen Komponisten diese Stimme auch häufig in der Oper anwenden, weil die hohen Sopranstimmen immer seltener werden. Woran mag letzteres liegen, und weshalb sind unsern heutigen Sopranen fast alle älteren Partien zu hoch? Denn die höhere Orchester-Stimmung kann doch nur die Differenz von einem Ton ausmachen. Vielleicht belehrt uns irgend ein, mit der Kunst des Gesanges theoretisch vertrauter Theilnehmer an der Zeitung hierüber auf dies kunstverwandte Ersuchen.

Bayreuther Zeitung (December 5, 1826): 1033.

Berlin, 29. November…Herr Moscheles hat die hohe Auszeichnung genossen, von Sr. Majestät dem Könige für ein Allerhöchstdemselben gewidmetes Concert einen Kostharen Brillantring, mit einem holdvollen Schreiben begleitet, zu erhalten.

Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz (December 6, 1826): 980.

Hr. Moscheles war wieder auf kurze Zeit in Berlin und ließ sich in einem von ihm veranstalteten Concert und dann im Opernhause, vor dem Theaterstück, hören. Ueber seine ausgezeichneten Talente als Virtuos und Componist ist schon von allen Orten berichtet und Ref. Kann nur das Lob erneuern. Daneben will er aber folgende Bemerkung nicht unterdrücken. Ehe Moscheles sein Concert gab, kam schon eine öffentliche Anzeige: ob derselbe nicht in dem Concert des Hrn. Musik-Direktor Möser, das eben auch im Anzuge war, spielen wolle. Solch ein Wink gilt bei uns als Anfrage, die schon vorher beantwortet ist, und hier entstand ein offenbarer Nachtheit für den fremden Virtuosen, indem Hr. Möser eine sehr geübte Art hat, Billets zu vertheilen und die Inhaber nun hoffen konnten, Hrn. Moscheles für dasselbe Geld zu hören, was sie Hrn. Möser geben mußten. Dieser hat nun offenbar Hrn. Moscheles Schaden gethan, doch gewiß ohne seine Schuld; einem Freunde, der jene Anzeige machte, ist die Sache auf zu bürden. Aber für künftige Fällte würde es gerathen seyn, geschickter zu verfahren. Daß Moscheles nicht in dem Concert des Hrn. Musik-Direktors spielte, war übrigens ganz gerecht.                                                                  —r.

Münchener politische Zeitung (December 7, 1826): 1715.

Aus Berlin, vom 25. Novbr…Hr. Moscheles hat die hohe Auszeichnung genossen, von Sr. Maj. dem Könige für ein Allerhöchstdemselben gewidmetes Koncert einen Kostharen Brillantring, mit einem holdvollen Schreiben begleitet, zu erhalten. Derselbe gibt nächstem Dienstag noch ein zweyes, großes Koncert im gros1en Opernhause.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 20, 1826): 842.

Am 21sten gab Hr. Ignaz Moscheles Concert. Er schloss mit einer freyen Phantasie, in der er ausser einem Thema von Händel noch das beliebte Duett aus der Oper: der Maurer: Verzeihen Sie Frau Nachbarin etc. auf originelle Weise hören liess. Wir glauben, dass sein Spiel in den zwey Jahren, vor welchen wir ihn zum letztenmale hörten, noch vollkommener geworden ist.

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (December 28, 1826): 632.

—Der gerühmte Virtuose auf dem Pianoforte, Hr. J. Moscheles, den wir bereits im Jahre I824 mit großer Bewunderung hörten, besuchte zum zweyten Mahle Berlin, und gab am 21. Non. d. J. im Saale des königl. Schauspielhauses ein großes Vokal- und Instrumental-Concert, in welchem er abermahls vollkommen seinen Ruf rechtfertigte, und das anwesende, leider nicht zahlreiche Publikum, durch seine eminente Fertigkeit, verbunden mit der möglichsten Eleganz, Grazie und Ausdruck, in das lebhafteste Erstaunen setzte und zu dem lautesten  und fast unbegränzten Beyfalle bewog. Daß solch’ ein Künstler, wie Hr. Moscheles, der neben der praktischen Ausübung seiner Kunst, auch das Renommee eines ausgezeichneten Componisten für fein Instrument hat, nur seine eigenen Compositionen vortrügt, versteht sich am Ende von selbst, und muß sich am Ende von selbst verstehn, da ja ganz mittelmäßige Virtuosen, die oft zugleich ganz erbärmliche Componisten sind, dasselbe thun, des Göthe’schen:

»Keinen Fiedler wird man finden,

Der nicht lieber eigne Melodien spielt.«

 eingedenk. Wir bemerken daher nur, daß Hr. Moscheles den ersten  Satz eines neuen Concertes (C-dur), ein Adagio nebst Rondo über  den englischen Grenadier-Marsch und eine neue Fantasie mit Orchester: »Erinnerungen aus Irland,« spielte. Die letzte freye Fantasie steigerte noch den Beyfall der Versammlung, und besonders, da der Vortragende, außer einem Thema von Händl noch ein ganz populäres, ein Motiv aus der Oper: »der Maurer« (das beliebte Duett: »Verzeiben sie, Frau Nachbarinn«), hören ließ, und auf höchst originelle Weise, die eben so von glücklicher Erfindungsgabe, als von wahrer Begeisterung zeugte, gesetzt auch, daß der Künstler vorher darauf vorbereitet hatte. Die Unterhaltung förderten außerdem Mad. Türtschmidt  und Hr. Devrient, der jüngere, die zusammen ein Duett  von Generali, und ersters allein eine Scene von Wollank, wahrscheinlich für die geschätzte Sängerinn eigens componirt, mit vielem Beyfall fang. Wundern mußte es freylich, daß sich ein solcher Künstler, wie Hr. Moscheles, nicht der Unterstützung unserer ersten Opernsängerinnen zu erfreuen, halte!! Uebrigens bemerken wir noch, daß Hr. Molcheles seine Compositionen auf einem sehr klangvollen Wiener Flügel-Fortepiano von Leschen, die letzte freye Fantasie aber auf einem englischen Instrumente, aus der Fabrik von P. Erard in London, vortrug. Der Ton des letzern ist ein ausgezeichnet schöner, angenehmer und voller, und besonders der Baß von einer Stärke, wie wir selten oder nie gefunden haben. Die Fabrik (ihr Vorsteher ist bekanntlich ein Bruder der liebenswürdigen und geistreichen Gattinn Spontini’s) empfiehlt sich durch dieses Instrument auf’s Beste, und es ist zu wünschen, daß auch unsere Klavierspieler die Schwierigkeiten nach und nach mehr überwinden lernen, welche bey der Behandlung der Pianoforte’s mit englischem Mechanismus unvermeidlich find, da bey ihnen die Tasten viel tiefer fallen, und daher ein viel nachdrücklicherer und forcirter Anschlag nothwendig wird, das mag auch wobt die Ursache gewesen seyn, weshalb Hr. Moscheles nicht zu allen seinen Produktionen dieses Instrument benutzte, weil er durch lungern Aufenthalt auf dem Continente der englischen Pianoforte‘s entwöhn ist, und seine Compositionen zu schwierig find, als daß er nicht fürchten mußte, es würde ihm vielleicht Eins oder das Andere darauf verunglücken. Bey einer Fantasie hingegen konnte er sich die Passagen so einrichten, wie er voraussetzen dürfte, daß sie ihm gelingen würden, während sie ihm in seinen übrigen Compositionen vorgeschrieben find und für diesen Zweck nicht verändert werden konnten.—Hr. Moscheles kehrt von Berlin über Hamburg nah England zurück. Möge ihm der Aufenthalt in seine deutschen Vaterlande recht angenehme Erinnerungen gewähren, und ihn zu einer eben so trefflichen Fantasie begeistern, wie es Irland gethan hat!

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (January 6, 1827): 10.

Über Moscheles Kunstreise.

…Er empfing von der durchl. Prinzessinn Louise v. Lucca, Gemahlinn des durchl. Prinzen Maximilian eine kostbare Brillantnadel zum Zeichen huldreicher Zufriedenheit. In Berlin veranstaltete er das erste Concert im Königl.  Schauspielhause, das zweyte im königl. Operntheater. Seine früheren Kunstleistungen lebten noch ungetrübt im Angedenken der Berliner. Daher diese beyden Concerte wahren Musikfesten glichen. Der ganze Hof selbst beehrte dieselben mit Seiner höchsten Gegenwart Ueberdieß ward Moscheles die Gnade zu Theil, Sr. Majestät dem Könige ein Concert von seiner eigenen Composition zueignen, und dasselbe dann in Seiner höchsten Gegenwart vortragen zu dürfen. Sr. Majestät der König haben dem Künstler einen werthvollen Brillantring mit nachstehendem Handbillete zu übersenden geruhet.

 »An den Kammervirtuosen I. Moscheles.

Ich habe mit Ihrem Schreiben vom 19. d. M. das mir zugeeignete Concert für Pianoforte erhalten und wünsche, daß Sie in beykommendem Brillantringe ein Merkmahl meines Dankes, und der Würdigung Ihres Talentes erkennen mögen.

Berlin den 24. November 1826.

Friedrich Wilhelm.

The Harmonicon, vol. V (March 1827): 53.

Of our concerts, the most interesting was that given by the celebrated Moscheles. We shall say nothing of his learning, taste, and brilliant execution; it is superfluous to speak of what is known to all the world. Suffice it to say, that he called forth the same enthusiasm here as elsewhere, though possibly here in a still greater degree. Among other of his compositions, he executed, with uncommon brilliancy, a subject new to us, entitled Erinnerungen an Ireland (Recollections of Ireland), which gave universal delight. We trust that, for many years to come, we shall enjoy the happiness of an occasional visit, at least, from this distinguished artist, who ranks as one of the ornaments of his country.