26 December 1817

Concert for the Fund of Central Armenverein

Vienna: Universitäts-Saale

Time: Morning, after Twelve o’Clock

Tickets: 5 Gulden

Programme

Overture, Faniska Cherubini
AriaMiss CodaPortugal
Piano Concerto No.3 in C sharp minorMr. MoschelesRies
Chorus Schulz
Flute Adagio and Variations on a Popular
Russian Theme
Mr. Keller 
DuetMme Borgondio, Mr. FortiFioravanti
From Die Befreyung von Jerusalem
     Aria and Chor der Krieger
Mr. BarthStadler
Principal Vocalists: Miss Coda, Mme Borgondio; Messrs. Barth, Forti
Principal Instrumentalists: Messrs. Keller, Moscheles

 

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Programme Notes: The order of the programme differs in each review.

Encore: DuetMme Borgondio, Mr. Forti—Fioravanti



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Oesterreichisch-Kaiserliche pirivilegirte Wiener Zeitung (December 24, 1817): 1178.

Grosse musikalische Akademie.

Freytag den 26. d. M., wird zum Vortheile des zur Unterstützung der Nothleidenden in Wien  bestehenden Nereins-Fondes, in dem grossen Saale der k. k. Uneversität von den Mitgliedern des Musik-Vereins, unter Mitwirkung der ausgezeichnetsten Tonkünstker Wiens, nach 12 Uhr eine grosse musikalische Akademie gegeben werden.

 Die gewählten Tonstück sind:

 1. Ouvertüre von Cherubini, aus der Oper Faniska.

 2. Arie von Portogallo, gesungen von Demoiselle Coda.

 3. Piano-Forte-Konzert (in Cis Moll) von Ries, vorgetragen von Hrn. J. Moscheles.

 4. Chor ohne Orchester-Begleitung, von Schulz.

 5. Variazionen für die Flöte, vorgetragen von Hrn.  Karl Keller, erstem Flötenspieler im Dienste Sr. Majestät des Königs von Würtemberg.

6. Duett aus der Oper Camilla, von Fioravanti, gesungen von Mdme. Borgondio und Hrn. Forti, k. k. Hof-Opernsänger.

7. Arie mit dem Thor der Krieger aus dem Oratorium, die Befreyung von Jerusalems von Hrn. Abbe Maximilian Stadler, vorgetragen von Hrn. Barth.

Die obengenannten Künstler, dann die das Orchester und bey Chor bildenden Musikfreunde haben die Mitwirkung, so wie der k. k. Hr. Hossekretar Jgnaz Franz Mosel, die  Oberleitung in Rücksicht auf den wohlthätigen Zweck, aus Gefälligkeit übernommen. Die Eintrittskarten zu fünf Gulden W. W., sind täglich in der Stadt in der Birschefsgasse im Fürst-Erzbischöflichen Pallaste Nr. 920, über die Hauptstiege im ersten Stock links, in der Vereins-Kanzellen, zu bey gewöhnlichen Vor- und Nachmittagsstunden, und am Tage der Aufführung in dem Universitäts-Gebäude zu haben

Reviews

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (January 3, 1818): 7-8.

Musikalische Akademie zum Besten des Central Armenverein–Fonds im Universitäts-Saale am 26. Dec. äusgeführt von Dilettanten, unter der Leitung des Herrn v. Mosel, wobey insbesondere Mad. Borgondio, Dlle. [?], die Herren Barth, Forti, Keller, Moscheles mitwirkten.—Cherubini’s Ouverture zur Oper Fanisca wurde zum Anfang, in mehreren Stellen aber nicht präcise genug gegeben. Dlle. Coda sang eine Arie von Portogallo. Wir haben von dieser braven Sängerinn schon mehrmahlen gesprochen; heute gefiel sie vorzüglich; ein rauschender Beyfall bewies es ihr. Herr Moscheles spielte ein Pianoforte Concert von F. Ries (Cis-moll). Die Leichtigkeit, Sicherheit, Genauigkeit, Rundung und Nettigkeit, womit Herr M. diese äusserst schwere und brillante Composition zur Freude aller Zuhörer besiegte, ist bewundernswerth, und gegenwärtig dürfte hier dieses Concert von niemand andern vollendeter gespielt werden.—Herr C. Keller trug ein Adagio und Variationen über ein beliebtes russisches Thema auf der Flöte vor. Ein höchst artiger Vortrag, ein ruhiges, sicheres Spiel, ein überraschendes Pianissimo sind die besondern Vorzüge, die man billig anerkennen muss. Da er bald selbst ein Concert geben wird, so behalten wir uns hierüber ein erschöpfendes Urtheil vor.—Mad. Borgondio und Herr Forti sangen ein Duett von Fioravanti. Es musste wiederhohlt werden, so allgemein entzückte der Gesang und Vortrag beyder.—Das Chorpersonale (Dilettanten) gab einen Chor von Schulz ohne Instrumental-Begleitung mit grosser Wirkung. Den Schluss dieser vorzüglichen Akademie machte des Herrn Abbé Stadlers herrliche Arie mit dem Krieger-Chor aus dem Oratorium: Die Befreyung von Jerusalem, wobey Herr Barth die Solostimme zu Aller Zufriedenheit gesungen hat. Der Raum dieser Blätter ist zu beschränkt, um alles zum Lobe dieses Meisterwerkes zu sagen; es sey genug, zu bemerken, dass diese herrliche Composition auch hier, wie bey dem grossen Musikvereins–Concerte im vorigen Jahre, mit ungestümer Freude über so viele Vortrefflichkeit aufgenommen wurde.

Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt (January 3, 1818): 8.

Unter den Concerten, welche in der Weihnachtswoche Statt hatten, nimmt das am 26. Dec. Um Mittagstunde im k. k. Universitätsaale zum Vortheil des Central-Armen-Vereinfondes die Oberstelle ein. Mad. Borgondio sang mit Hrn. Forti ein Duett von Fioravanti; Diese Composition wurde aber durch die Talente beyder Sänger gehoben, welche einen Wettkampf der Lieblichkeit zu liefern schienen, worin keines Sieger blieb, keines besiegt wurde. Dlle. Coda glänzte in einer Arie von Portogallo. Ihre Gesangmethode wird jetzt besser gewürdigt als anfänglich; in der That sang sie auch in diesem Concerte ausgezeichnet schön. Außer diesen Künstlern ließ sich Hr. Moscheles in einem äußerst schwierigen Pianoforte-Concert von F. Ries hören, der Flötenspieler Keller trug ein Adagio und Variationen über ein bekanntes russisches Thema vor, das aus Dilettanten bestehende Chorpersonale sang einen Chor von Schulz ohne Instrumental-Begleitung, und endlich beschloß Abbe Stadlers Arie (vorgetragen von Hrn. Barth) mit dem Krieger-Chor, aus dem Oratorium „das befreyte Jerusalem,“ diese wahrhaft genussreiche Akademie, wobey so viele, schöne Talente vereint strebten, etwas vollkommen Gutes darzustellen, welches ihnen auch gelang, und durch die allgemeine Würdigung der in Enthusiasmus versetzten Zuhörer den herrlichsten Künstlerlohn fand.—Hr. von Mosel hatte die Leitung des Sangen übernommen.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (January 6, 1818): 22.

Eine musikalische Akademie,

gegeben am 26. Dez. im k. k. Universitätssaale zur Unterstützung der Nothleidenden, gehört zu den interessantesten, der in diesem Winter veranstalteten. Wir hörten dort:

1. Die treffliche Ouverture aus Faniska von Cherubini, mit Feuer und Präzision von dem größten Theils aus Dilettanten bestehenden Orchester ausgeführt.

2. In der eben nicht bedeutenden Arie von Portogallo, gesungen von Dlle. Coda, zeigte diese recht viel Geläufigkeit der Stimme und bewies, daß sie gute Schule gemacht haben müsse, was auch vom Publikum mit Beyfall anerkannt wurde. Herr Moscheles spielte

3. das Konzert von Ries aus Cis moll mit gewohnter Virtuosität. Doch hätten wir gewünscht, daß er bey dieser gehaltreichen Komposition etwas mehr aus seiner gewöhnlichen Art herausgegangen wäre und vorzüglich einzelne Stellen im Larghetto mit größerer Hervorhebung des Gesanges und Wärme vorgetragen haben möchte.

4. Chor von Schulz, ohne Instrumentalbegleitung, bloß von Dilettanten gesungen.

5. Duett aus der Camilla von Fiorananti, in F dur: ah crudel (ist ursprünglich in C dur eine Quinte höher für Sopran und Tenor geschrieben), gesungen von Mad. Borgondio und Hrn. Forti, musste wiederhohlt werden.

6. Variationen für die Flöte, gespielt von Hrn. Keller königl. würtembergischem Kammervirtuosen, fanden viel und verdienten Beyfall. Hr. Keller hat einen sehr schönen Ton auf seinem Instrument, den er auf eine nicht gewöhnliche Art zu modifiziren weiß. Die letzte Variation enthält Figuren, die wohl für’s Klavier, nicht aber für die Flöte, passen (wie arpeggirte verminderte Septimenakkorde) und macht daher bey aller Schwierigkeit keinen entsprechenden Effekt.

7. Arie mit Chor aus dem befreyten Jerusalem von Hrn. Abbé Stadler, gut gesungen von Hrn. Barth.                                                                                                                                                  r.

Zeitung für die elegante Welt (January 17, 1818): 103-104.

Korrespondenz und Notizen.

Aus Wien,

Ende Decembers 1817.

….In dem hiesigen universitätssaale wurden zu wohlthätigem Zwecke zwei Konzerte veranstaltet; im ersteren gewährte uns diese liebliche Sängerin, die uns ihre Schwester, Mad. Sjeidler, vollkommen ersetzt, viel Vergnügen, besonders in dem Duet aus Sargines, das Sie mit Hrn. Sibboni sang. Sehr auffallend ist es, daß von letzterm bei Gelegenheit seiner Gastrollen als Licinus in Ferdinand Cortez allgemein bemerkt wurde, er habe nur noch Verdient als Schauspieler, doch als Sauger fehle ihm viel, nämlich manche Sprosse seiner Stimme oder Tonleiter, nun aber trat er als Konzertsänger auf und befriedigte!

Variationen auf der Violine vom jungen Böhm gespielt erhielten rauschenden Beifall, der junge Mensch scheint in der Gunst des Publikums Hrn. Mayseder nadnfolgen

-Dem. Coda, eine Schülerin der Mad. Catalani, sang auch gleichfalls in zwei Konzerten. Eine schöne Stimme, große Leichtigkeit und Kunstfertigkeit erwarben ihr vielen verdienten Beifall. Nur wünschten wir zu unserm Vergangen, und zum Nutzen der Direktion des Theaters an der Wien, von der sie seit einiger Zeit engagirt si, sie möchte bald als Operasängerin erscheinen. Es wäre um so nöthiger, damit wir wieder von der Existenz der mälichen Oper etwas erführen.

….Hr. Moscheles trug das Fortepiano, Konzert (in cis Moll) von Ries meisterhast vor, und Mad. Borgondio entzuckte nicht nur durch ihre melodische Stimme, sondern auch durch die Bereitwilligkeit, das mit Hrn. Forti gesungene Duett aus Camilla von Fioravanti (nicht von Pär) in wiedeholen. Die zahlreich versammelten Zuhorer und Zuhörerinnen waren gleich dem bei solchen Gelegenheiten sich einfindenden bios zusehenden Publikum vorkommen zufrieden. Ein äußerst seltener Fall.

Allgemeine musikalische Zeitung (January 28, 1818): 73-74.

Am 26sten war im k. k. Universitätssaale zum Vortheile des Central–Armen-Vereinfonds eine Mittagsunterhaltung folgenden Inhalts: 1. Cherubinis Ouverture ans Faniska, deren Ausführung Manches zu wünschen übrig liess. 2. Arie von Portogallo, ges. von Dem. Coda. 3. Pianoforte–Concert von Ries, worin Hrn. Moscheles Spiel sich wol nicht überbieten liess. 4. Adagio und Variationen für die Flöte über ein russisches Thema, ausgeführt von dem kön. würtemb. Kammervirtuosen, Hrn. Keller, der durch einstimmigen Beyfall belohnt wurde. 5. Vocal–Chor von Schulz. 6. Duett von Fioravanti, ges. von Mad. Borgondio und Hrn. Forti. 7. Arie und Kriegerchor aus des Hrn. Abbé Stadlers Oratorium, die Befreyung von Jerusalem, wobey Hrn. Barths feuriger Vortrag der Hauptstimme eine ausgezeichnete Würdigung erhielt.

23 November 1817

Franz Pecháček’s Private Entertainment

Vienna: Römischen Kaiser Saale

↓Programme

CavatinaMiss LinhardMorlacchi
Song, ‘Adelaide’Mr. JägerBeethoven
Caprice and Potpourri Concertante for Piano
and Violoncello [Op.37]

Messrs. Moscheles, Merk
Moscheles
String Quartet in F major [for Two Violins,
Viola and Violoncello, Op.4] (new)
Mr. Pecháček, [?], [?], [?]Pecháček
Violin Polonaise with Orchestral Accomp.Mr. Pecháček 
Principal Vocalists: Miss Linhard; Mr. Jäger
Principal Instrumentalists: Messrs. Moscheles, Merk, Pecháček

 

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Review

Allgemeine musikalische Zeitung (January 7, 1818): 18.

[Wien, November] Am 23sten gab der Tonkünstler Péhatscheck eine Privatunterhaltung im Saale zum römisch. Kaiser. Er spielte ein neues Violinquartett von seiner Composition in F dur, wovon besonders die neckische Menuet und Trio, so wie das äusserst schwere, und durch das schnelle Tempo- und ein fortwährendes Staccato sehr ermüdende Finale in F moll allgemein ansprachen. Noch mehr furore machte zum Schlusse eine brillante Polonoise mit vollem Orchester, die wol von wenigen Virtuosen besser ausgeführt werden kann. Ausserdem sangen Dem. Linhard eine Cavatine von Morlacchi, Hr. Jäger Beethovens Adelaide; und die Hrn. Moscheles und Merk spielten einen vom Ersteren gesetzten Potpourri für Pianoforte und Violoncell mit gewohnter Meisterschaft.

21 September 1817

Benefit Concert for the Support of the Needy

Vienna: Augarten Festsaale

Time: Noon

Tickets: Hall, 5 Gulden; Gallery, 3 Gulden

Programme 

Part I  
Overture, La clemenza di Tito Mozart
Violin PolonaiseMr. NeulingMayseder
From Il filosofo di campagna: AriaMme BorgondioMosca
Piano Polonaise in E flat major with
Orchestral Accompaniments
Mr. MoschelesMoscheles
From Artemisia: AriaMr. TarquinioCimarosa
Part II  
Trumpet VariationsMr. WernerWerner
From Virginia: TrioMesdames Campi, Borgondio, Mr. BarthFederici
From La Sentinelle: ‘Der Dank der Armen’,with Solos, Choir and VariationsMessrs. Barth, Guiliani, Moscheles, MaysederHummel
From Timotheus: ChorusChoirHandel
Principal Vocalists: Mesdames Campi, Borgondio; Messrs. Barth, Neuling, Tarquinio
Principal Instrumentalists: Messrs. Giuliani, Mayseder, Moscheles, Werner
Conductor: Mr. Joseph Weigl

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The Piano Polonaise was later added as the third movement ‘Allegretto. Tempo di polacca’ Moscheles’ Piano Concerto No.2 in E flat major


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Oesterreichisch-Kaiserliche pirivilegirte Wiener Zeitung (September 15, 1817): 846.

Grosse musikalische Akademie

im neu gebauten Fest-Saale im k. k. Augarten.

Sonntag am 21. September d. J. wird zum Vortheile des zur Unterstützung der Nothleidenden in Wien bestehen den Zentral Verein-Fonds, im neugebauten Fest-Saale im  k. k. Augarten, unter den Mittagsstunden, eine grosse musikalische Akademie gegeben werden, bey welcher mehrere der ausgezeichnersten Künstler und Künstlerinnen und Dilletanten, als: Mad. Borgondio, Mad. Campi, Herr Tarquinio Sopransänger, Hr. Barth, Hr. Kavellmeister Weigl, Hr. Moscheles, Hr. Giuliani, Hr. Mayseder, Hr. Merk, Hr. Neuling, Hr. Werner, in Berücksichtigung des wohlthätigen Zweckes, mitzuwirken die Gefälligkeit, haben werden.

 Der weitere Anschlagzettel wird das Nähere zu erkennen geben.

 Die Eintrittskarten zu fünf Gulden W. W. in dem Saal, und zu drey Gulden auf die Gallerie sind von heute an, bey allen Filial Vereinen, und auch in der Stadt in der Zentral-Vereinskanden im fürstlich Schwarzenbergischen Hause, am neuen Markt im ersten Stock zu den gewöhnlichen Vor-und Nachmittagsstunden zu haben.

 Von dem Zentral-Vereine

 zur Unterstützung der Nothleidenden.

Oesterreichisch-Kaiserliche pirivilegirte Wiener Zeitung (September 16, 1817): 852.

Grosse musikalische Akademie

im neu gebauten Fest-Saale im k. k. Augarten.

Sonntag am 21. September d. J. wird zum Vortheile  des zur Unterstützung der Nothleidenden in Wien bestehen den Zentral Vereinsfondes, im neugebauten Fest-Saale im  k. k. Augarten, unter den Mittagsstunden, eine grosse musikalische Akademie gegeben werden, bey welcher mehrere der ausgezeichnetsten Künstler und Künstlerinnen und Dilletanten, als: Mad. Borgondio, Mad. Campi, Herr Tarquinio Sopransänger, Hr. Barth, Hr. Kapellmeister Weigl, Hr. Moscheles, Hr. Giuliani, Hr. Mayseder, Hr. Merk, Hr. Neuling, Hr. Werner, in Berücksichtigung des wohlthätigen Zweckes, mitzuwirken die Gefälligkeit, haben werden.—Der weitere Anschlagzettel wird das Nähere zu erkennen geben.—Die Eintrittskarten zu fünf Gulden W. W. in dem Saal, und zu drey Gulden auf die Gallerie sind von heute an bey allen Filial-Vereinen, und auch in der Stadt in der Zentral-Vereins-Kanzley, am neuen Markt [*]. Schmarzebergischen hause im ersten Stock zu den gewöhnlichen Vor-und Nachmittagsstunden zu haben. Wien den 14. September 1817.

 Von dem Zentral-Vereine

 zur Unterstützung der Nothleidenden.

Reviews

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (September 24, 1817): 216-217.

Große musikalische Akademie

im neu erbauten Festsaale im Augarten von dem Wohlthütigkeitsnereine zum Vortheile der Armen den 2l. Sept. in der Mittagsstunde, gegeben. Die Bestandtheile derselben waren: eine Ouverture von Mozart’s Titus mit Präzision und Feuer ausgeführt; eine Polonaise, komponirt von Mayseder, gespielt von Herrn Neuling mit großer Kunstfertigkeit und Reinheit; eine Arie von Moska, vorgetragen von Signora Borgondio mit der ihr eigenen, das Herz nie verfehlenden, Weichheit der Stimme; Einleitung und Konzertpolonaise für das Pianoforte, komponirt und gespielt von Herrn Moscheles, im Satz merklich nach Originalität strebend, im Vortrage ausgezeichnet kunstgerecht; eine Arie von Cimarosa, gesungen von Herrn Tarquinio, dessen Sopranstimme und gebildete Singmethode sich lauten Beyfall erwarben; Variationen auf der Klappen trompete, gespielt von Herrn Werner, mit einer ausdrucksvollen Sicherheit und Gewandtheit; ein Terzett aus der Oper Virginia, gesungen von Signora Borgondio, Madame Campi und Herrn Barth mit Lieblichkeit, Kraft und Fülle; der Dank der Armen nach der lieblichen Komposition la Sentinelle, und Händels schöner Schlußchor aus dem Timotheus. Man kann den Kunstgeschmack der Anordner dieser Akademie in der Wahl und Zusammenstellung der Stücke und die treffliche Ausführung nicht genug loben. Die aufmerksame Theilnahme der Zuhörer wurde—und wie selten ist dieser Fall!—durchaus aufrecht gehalten; ja selbst gesteigert und jede Erwartung befriedigt. Die Versammlung war glänzend und überaus zahlreich; sie both indem geschmackvollen Saale ein herrliches Schauspiel dar. Der lobenswerthe Zweck der Akademie ist vollkommen erreicht; der Wohlthätigkeitssinn der Einwohner dieser Hauptstadt hat sich auf’s Neue bewährt, und eine Einnahme von vielleicht 12,000 fl. geliefert. Möge er im Danke der Armen die Wiedervergeltung finden.

Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt (September 30, 1817): 468.

Am 21. Sept. um die Mittagsstunde wurde in dem neuerbauten Festsaale im k. k. Augarten von dem Central-Vereine zur Unterstützung der Nothleidenden eine große Akademie gegeben.—

Die Ouverture aus Mozarts Clemenza de Tito begann, gleichsam als wollte man auf die Herrlichkeit der innern Gemächer aufmerksam machen, indem man den teutschen Amphion an die Pforte stellte. Dann spielte Herr Neuling eine Polonaise für die Violine von Mayseder. Als Dilettant leistet er genug.—Eine Arie von Mosca, gesungen von Mad. Borgondio, hatte einen langweiligen Eingang; in der Folge kam es jedoch besser und die herrliche Sängerinn ist ganz geeignet, auch den schwächsten Componisten zu Ehren zu bringen.—Hr. Moscheles spielte eine Concert-Polonaise für Pianoforte mit Orchesterbegleitung mit außerordentlicher Fertigkeit und Präcision. Es ist beynahe unmöglich, es auf diesem Instrumente weiter zu bringen.—Ein neuer Sopranfänger, Hr. Tarauinio, sang [*] Arie von Cimarosa. Hr. T. hat eine schöne, reine Stimme und eine ungewöhnliche Höhe. Das hohe D schlägt er mit Leichtigkeit an. Da er bisher der Bühne fremd blieb, so hat er sich jene Theatralmethode noch nicht aneignen können, die man von männlichen Sopranisten zu fordern scheint. Dies machte seinen Vortrag auch etwas einförmig. Seine Tiefe ist nicht bedeutend. Mit diesem Musikstücke schloß sich die erste Abtheilung. Die zweyte begann mit Variationen, componirt und gespielt von Hrn. Werner auf der von ihm selbst neu organisirten Trompete. Der Vortrag dieses Instrumentes hat ungemeine Schwierigkeiten; daß Hr. Werner glücklich überwand, macht seiner Geschicklichkeit und seinem Fleße Ehre.—Ein Terzett aus der Oper Virginia von Federici, vorgetragen von den Damen Campi und Borgondio, nebst Hrn. Barth, bewies neuerdings, welches Juwel wir an Mad. Campi besitzen. Hr. Barth hat eine sehr angenehme Tenorstimme und einen lieblichen Vortrag.—Der Dank der Armen, nach der Melodie: la sentinelle, gedichtet von einem Vereinsmitglied, vorgetragen von Hrn. Barth mit dem Chor, wobey die Herren Moscheles, Mayseder und Giuliani neue von ihnen componirte Variationen einlegten, war die Krone des Concertes. Die schöne Stimme des Hrn. Barth, das freundliche Eintreten des Chors, das küstlerische Rivalisiren dreyer so großen Virtuosen, welche, nachdem sie ihre Kräfte einzeln versucht hatten, am Schlusse selbe vereinigten; all dieses machte eine ganz eigene gute Wirkung. Nur das Rallentando am Schlusse jeder Strophe hätten wir gerne vermißt, da es mit einer Marsch-Melodie nicht wohl vereinbar ist.—Den Beschluß machte der wohlbekannte Händel’sche Chor aus Timotheus, recht gut vorgetragen, aber für die Hörer nicht genügend, welche ihn in dem viel größeren Locale der Reitschule, von einem dreymahl stärkeren Personale ausführen hörten.—Diese Akademie, bey welcher uns auch erfreulich war, das in neuerer Zeit hinzukommende Darsprechen und Darstellen (Declamiren und Tableaur) als einen entbehrlichen Flitter vermieden zu sehen, hat den Erwartungen vollkommen entsprochen; der gedrängtvolle Festsaal bewies, daß der wohlthätige Sinn der Bewohner unserer Hauptstadt nur der gehörigen Richtung bedarf, um zu den edelsten Zwecken in Thätigkeit gesetzt zu werden. Die Einnahme betrug 11,724 fl.

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (October 2, 1817): 347-348.

Akademie

im neugebauten Festsaale im k. k. Augarten, am 21, Sept. Mittags; gegeben von dem Central-Vereine zur Unterstützung der Nothleidenden.

1. Ouverture: La Clemenza di Tito, von Mozart. 2. Polonaise für die Violine, von Mayseder; gespielt von Herrn Neuling 3. Arie, gesungen von Mad. Borgondio. 4. Concert-Polonaise für Pianof. mit Orchesterbegleitung, comp. und gespielt von Herrn Moscheles. 5. Arie von Cimarosa, gesungen von dem Sopran-Sänger, Hrn. Tarquinio. 6. Variationen für die Trompete, comp. und gespielt von Herrn Werner auf der von ihm selbst neu organisirten Trompete. 7. Terzett aus der Oper: Virginia, von Federici; vorgetragen von Mad. Campi, Borgondio mid Herrn Barth. 8. Der Dank der Armen, nach der Melodie: La Sentinelle (?!) mit Chor, wobey die HH. Barth, Moscheles, Mayseder, Giuliani die Solo-Stimmen hatten, und letztere drey von ihnen neu componirte einlegten. 9. Grosser Chor aus Timotheus, von Händel.

Konnte man eines herrlichen Genusses schon im Voraus versichert seyn, da unser braves k. k. Hoftheater-Orchester, welches noch durch mehrere vorzügliche Instrumentisten verstärkt war, unter der Leitung des Opern-Director Herrn Jos. Weigl, ferner die hochgefeyerten Sängerinnen Mad. Campi und Borgondio, die Virtuosen Moscheles, Mayseder und Giuliani, der liebliche Tenorist, Herr Barth, uns denselben bereiteten, den überdiess ein Sopranist, welchem der beste Ruf voraus ging, und das Spiel auf einer organisirten Trompete noch erhöhen sollten, so wurde die Erwartung des zahlreichen Auditoriums in der Ausführung sämmtlicher Musikstücke dennoch bey weitem übertroffen.—Die Ouvertüre wurde herrlich gegeben; mit dem Spiele des Herrn Neuling, welcher sich (sehr vorsichtig) zuerst hören liess, hatte man Ursache, zufrieden zu seyn; Mad. Campi, Mad. Borgondio, Herr Barth entzückten allgemein, Stimme, Kunst und Empfindung war wohl nicht bald in einem schöneren Verein; Moscheles entwickelte alle mechanischen Fähigkeiten, sein Spiel, die Begleitung war in allen Nuancen äusserst interessant; die neuen Variationen auf die beliebte Melodie: La Sentinelle, das ausdrucksvolle Spiel der benannten Künstler erhielten ungetheilten Applaus. Herr Tarquinio hat eine reine, schöne Sopranstimme; wir werden Gelegenheit erhalten, das Schöne, aber auch das Gute und Wahre ein ander Mahl zu detailliren. Herr Werner leistet sehr vieles auf seinem Instrumente; vorzüglich gelingen ihm die chromatischen Fortschreitungen; das Ende (wenn Ref. Nicht irrt) der 3. Variation erheischt noch mehr Übung; die Tiefe dieser neuorganisirten Trompete scheint gut; um sie dennoch genau zu beurtheilen, muss man Hrn. Werner in der Nähe und öfter hören, Händels Chor wurde ebenfalls sehr gut gegeben, und nur bey dem, der ihn in der k. k. Reitschule von einem mehr denn dreymahl grosseren Sing-Personale hörte, konnte der Eindruck geringer seyn; kurz, jedes Musikstück erhielt den rauschendsten Beyfall; jedermann verliess zufrieden diese herrliche, glänzende Unterhaltung, in der sich überdiess der Sinn der hiesigen Einwohner für die Unterstützung ihrer nothleidenden Mitbrüder aufs neu sehr wirksam bestätigtez.

Brünner Politische Zeitung (October 6, 1817): 1097.

Wien.

Die große musikalische Akademie, welche Sonntags den 21. v. M. in dem im k. k. Augarten, von dem Bothschafster Sr. allergetreuesten Majestät, Marquis v. Marialva, neu erbauten, und dem Verein zur Unterstützung der Nothleidenden allhier, zur Benützung überlassenen Festsaale Statt fand, hat abermal die Gesinnungen der Großmuth und der Wohltätigkeit aller Klassen der Bewohner dieser Koiserresidenz bewahrt. Es ward beschlossen, zum Vertheile des Fonds des gedachten Vereins am obigen Tage eine musikalische Akademie zu geben. Mit der edelsten und Menschenfreundlichsten Bereitwilligkeit haben sogleich die ersten, beliebtesten und ausgezeichnetsten Künstlerinnen und Künstler, die an sie gemachte Einladung angenommen, um dabey mit Berücksichtigung des wohlthätigen Zweckes, aus Gefälligkeit mitzuwirken. So übernahmen Mme. Borgondio und Mme. Campi, dann Hr. Tarquinio, Sopransänger (welcher seine bereits bestimmte Abreise bloß wegen des wohltätigen Zweckes dieser Akademie verschob), so wie Hr. Barth, Dilettant, die Ausführung der verschiedenen gewählten Gesänge; ferner die als Künstler des ersten Ranges bekannten HH. Moscheles, Mayseder und Giuliani, so wie Hr. Neuling und Hr. Werner, jene der Instrumentalstücke, und der Hof-Operndirektor und Kapellmeister, Hr. Joseph Weigl die Leitung des Orchesters. Eine zahlreiche Versammlung von mehr als 2400 Personen, die das Jnnere des Saales und dessen Gallerie füllten, und das prächtige, zu einer günstigen Wirkung für die Musik vorzüglich geeignete Lokale, in welchem ein amphitheatralisch gebautes, mit Draperieen geziertes, und mit mehr als 130 Personen besetztes Orchestes, eigends zugerichtet war, gab dieser musikalischen Unterhaltung ein schönes festliches Ansehen. Den wohlthätigen Gaben so vieler anwesenden Gutthäter; der reichen Spende Sr. kaiserl. Hoheit des Kronprinzen, Ihrer königl. Hoheit der Erzherzogin Maria Beatrix, Sr. königl. Hoheit des Erzherzogs Maximilian, und Sr. königl. Hoheit des Herzogs Alsbert von Sachsen-Teschen, dann des Herrn Fürsten von Trautmansdorff, Obersthofmeisters Sr. Majestät des Kaisers, und des Herrn Finanzministers Grafen von Stadion, so wie auch insbesondere dem großmüthigen Beytrage des Herrn Fürsten Innocenz Odescalchi. Vorstehers des dritten Filial-Vereins, welcher die Bestreitung des größten Theils der hierbey aufgelaufenen Unkosten auf das menschenfreundlichste übernahm; endlich auch der persönlichen Mitwirkung des fünften Filial-Vereins, welcher das Kasse-Verrechnungs, und das Billeiten-Kontrollirungs-Geschäft besorgte, verdankt der Central-Verein die hiebey erhaltene Einnahme von 11,724 Gulden W. W., und findet sich neuerdings in dem glücklichen Fall, das Organ des wärmsten und segenvollen Dankes der Armen gegen ihre erhabenen und edeln Wohlthäter zu werden.

Allgemeine musikalische Zeitung (December 3, 1817): 841.

[Wien, September] Am 21sten wurde zur Unterstützung der Nothleidenden im Augarten-Festsaale eine musikal. Akademie folgenden Inhalts gegeben: 1. Mozarts Ouverture aus la Clemenza di Tito. 2. Violin–Polonoise von Mayseder, sehr brav vorgetragen von seinem Schüler, Hrn. Vinzenz Neuling. 3. Arie aus der Oper, il filosofo, von Mosca, mit allgemeinen Beyfall gesungen von Mad. Borgondio. 4. Concert-Polonoise für das Pianoforte, comp. und meisterlich gesp. von Hrn. Moscheles. 5. Arie aus Artemisia, von Cimarosa, ges. von Hrn. Tarquinio, einem Soprano, mit einer angenehmen Stimme von seltener Höhe. 6. Variationen für die Trompete, comp., und mit einer überraschenden Fertigkeit vorgetragen von Hrn. Werner, Orchester-Mitglied des k. k. Theaters an der Wien. 7. Terzett aus Virginia von Federici, ges. von den Damen Borgondio und Campi, und dem Hrn. Barth. 8. Der Dank der Armen, nach der Melodie: la Sentinelle, mit Solos, Chor und Variationen, ausgeführt von den Hrn. Barth, Moscheles, Mayseder und Giuliani. Allgemeiner, wohlverdienter Beyfall. 9. Chor aus Händels Timotheus.

18 August 1817

Benefit Concert for the Poor

Vienna: Unter-Meidling Theater

Programme 

From Tancredi: Act I Rossini
Flute Variations (new)Mr. BognerBogner
Violin Variations in G majorMr. BöhmPolledro
Song, ‘Adelaide’Mr. BarthBeethoven
Caprice and Potpourri Concertante for
Piano and Violoncello [Op.37]
Messrs. Moscheles, MerkMoscheles
  
From L’ Italiana in Algeri: Trio, ‘Pappataci’Messrs. Bevilacque,
Epinger, Mozatti
Rossini
Potpourri for Two GuitarsMessrs. Giuliani, SchulzGiuliani
From Tancredi: Duet, ‘Ah! se de’ mali miei’Mrs. von P., Mr. CornetRossini
Potpourri for Piano and Violin (new)Messrs. Payr, BöhmPayr & Böhm
Double Vocal Quartet, ‘Der Dank der
Armen’ (words by Castelli)
 Payr
Principal Vocalists: Mrs. von P. Messrs. Barth, Bevilacque, Cornet, Epinger, Mozatti
Principal Instrumentalists: Messrs. Bogner, Böhm, Giuliani, Moscheles, Merk, Payr, Schulz

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Review

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (August 28, 1817): 302-303.

Mimisch-plastisch-musikalische Abendunterhaltung am 18. August im Theater zu Unter-Meidling, gegeben von mehreren Künstlern zum Vortheile der Armen.

Musik-Stücke: 1. Introduction des ersten Actes aus der Oper: Tancredi. 2. Variationen für die Flöte, neu componirt und vorgetragen von Herrn Ferd. Bogner. 3. Adelaide von Beethoven, gesungen von Herrn Joseph Barth 4. Eine ganz neue Caprice, verbunden mit einem Pot-pourri für Pianof. und Violoncell von Moscheles, gespielt von demselben und Hrn. Merk.5. Terzett-Papataci—aus der Oper: L’ Italiana in Algeri, gesungen von den HH. Mozatti, Chevalier Bevilacque, und Eppinger, Doctor der Rechte. 6. Pot-pourri für zwey Guitarren von Giuliani, von ihm und Herrn Schulz gespielt. 7. Duett-ah se de mali miei—aus Tancredi, gesungen von Fräulein v. P. und Herrn Cornet. 8. Pot-pourri für Pianoforte und Violine, neu componirt von den Herren Hyron. Payr und Joseph Böhm, von beyden vorgetragen. 9. Ein doppelt besetztes Vocal-Quartett: Der Dank der Armen von Castelli, mit Musik von Hyr. Payr.—Benannte Instrumental-Stücke sing als Kammercompositionen durchgebends brav gearbeitet. Die Schwierigkeiten, welche die Herren Bogner, Payr, Böhm überwanden, verschafften ihnen rauschenden Beyfall, das herrliche Spiel der Herren Moscheles, Merk und Giuliani entzückte allgemein, das Accompagnement das Hrn. Schulz verdient ebenfalls Lob. Auch die Vocal-Stücke wurden gut vorgetragen; Hr. Cornet, welcher in der Introduction auch den Tenor-Solopart hatte, sang mit heller reiner Stimme; sein Vortrag nähert sich der italienischen Manier sehr und gefiel allgemein Dlle. v. P. wünschen wir öfter zu hören, um sie gehörig würdigen zu können. Hr. Barth trug die Adelaide mit einer Empfindung, einem Ansdruck vor, welcher seine herrliche für ein kleineres Local angemessene Stimme noch mehr erhob, und ihn als einen unserer vorzüglicheren Kammersänger bewährte. Auch Herr Mozatti leistete vollkommen Genügel nicht so die Herren Eppinger und Bevilacqua. Der Schlusschor war zu wenig für den Gesang und Effect berechnet; die Quartett-Begleitung bey der Introduction und Herrn Bogners Variationen liess viel zu wünschen übrig.—Zwey ziemlich artig geordnete Tableau’s mit Veränderungen von Hrn. Rainoldi waren zu wenig beleuchtet, in der dritten Veränderung des zweyten Tableau’s war an einige Charaktere zu grell komisch. Im Ganzen gehört diese Unterhaltung zu den vorzüglicheren und amusantesten. Die Einnahme war ergiebig.

26 May 1817

Mauro Giuliani’s Concert

Karlsbad: Kleiner Redoutensaal

Programme 

Overture Cherubini
Guitar Concerto in F major: MaestosoMr. GiulianiGiuliani
Cavatina (new)Miss BondraGiuliani
Variations on Cavatina ‘Di Tanti Palpiti’
for Two Guitars (new)
Messrs. Guiliani, N.Giuliani
From Tancredi
     Scene and Rondo: ‘Perchè turbar la calma’
Mme BorgondioRossini
Grand Potpourri National for Guitar and PianoMessrs. Giuliani, MoschelesHummel
Principal Vocalists: Miss Bondra, Mme Borgondio
Principal Instrumentalists: Messrs. Giuliani, Moscheles

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Review

Allgemeine musikalische Zeitung (June 18, 1817): 431.

In dem, von eben genanntem Hrn. Giuliani am 26sten im kleinen Redoutensaale gegebenen Concerte hörten wir: 1. Ouverture von Cherubini. 2. Maestoso des neuen Guitarre—Concerts in F dur, comp. und gesp. von M. Giuliani. 3. Neue Cavatina von M. Giul., ges. von Dem. Bondra. 4. Neue Variationen für zwey Guitarren, von Giuliani, Sohn, über das Thema: di tanti palpiti, ausgeführt von M. Giul. und Hrn. N. 5. Scene und Rondo: Perché turbar la pace, aus Tancredi, ges. von Mad. Borgondio. (Viele Hände sollen noch wund seyn, wegen des übergewaltigen Klatschens.) 6. Neues grosses National-Potpourri von Hummel, für Pianoforte und Guitarre, gesp. von Hrn. Moscheles und dem Concertgeber, der in allen seinen Leistungen die wohlverdiente Auszeichnung, als einer der ersten Virtuosen auf seinem Instrumente, empfing.

6 April 1817

Benefit Concert for the Public Charity Institutions

Vienna: Kaiserliches und Königliches Hoftheater zu Wien

Programme 

Overture, Sophonisba Paër
Declamation, ‘Elise in der Neujahrsnacht’Mme SchwarzValudo
Violin PolonaiseMr. BöhmBöhm
Violoncello Rondo with Orch. Accomp.Mr. Merk 
Guitar PotpourriMr. TöpferTöpfer
Overture, Medea Cherubini
Declamation, ‘Der Kynast’Mr. CastelliKörner
AriaMme CampiGyrowetz
Declamation, ‘Das Hemd des Glücklichen’Mr. CastelliCastelli
Variations for Flute, Oboe and TrumpetMessrs. Alois Khayll, Joseph
Khayll, Anton Khayll
Weiss
Overture, Der Thurm von Gothenburg Dalayrac
Principal Vocalists: Mesdames Campi, Schwarz; Mr. Castelli
Principal Instrumentalists: Messrs. Alois Khayll, Anton Khayll, Böhm, Joseph Khayll, Merk, Moscheles, Töpfer

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Programme Notes: Mr. Moscheles was indisposed. He would have performed a Caprice and Potpourri Concertante for Piano and Violoncello with Mr. Merk. Due to his indisposition, Mr. Merk performed a Violoncello Rondo with orchestral accompaniments instead.


Reviews

Wiener allgemeine Theaterzeitung (April 12, 1817): 176.

Musikalische Akademie.

Am 6. April wurde in dem k. k. Hoftheater. nächst dem Kärntnerthor eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung zum Vortheil der Wohlthätigkeits-Anstalten gegeben. Obschon die Wahl der Stücke weder neu noch interessant war, so fand sich doch das Publikum sehr zahlreich ein. Die Ouvertüre aus »Sofonisbe« von Pär, machte den Anfang. Es ist unbegreiflich, warum dieses schöne musikalische Tonstück so kalt aufgenommen wurde, da doch der Vortrag desselben nichts zu wünschen übrig ließ, und Rossini, dessen Ouvertüre zu »Tancredi« immer so rauschenden Beyfall erhielt, hieraus die Hauptgedanken entlehnte, und nur mit einer unbedeutenden Abänderung beybehielt. Der Ouvertur folgte eine Deklamation der Demoiselle Schwarz, welche den Talenten und Anlagen dieser hoffnungsvollen Anfängerinn angemessen aufgenommen wurde. Eine Polonaise für die DiolMe, gesetzt und vorgetragen von Hrn. Böhm, erhielt rauschenden Beyfall, wie es das Musikstück und Herr Böhm mit vollem Rechte verdiente. Hr. Castelli, welcher seit einiger Zeit als Deklamator fast auf allen Anschlagszetteln zu lesen ist, sprach die Körner’sche Ballade: Der Kynast. Allein sein leiser, matter Vortrag ließ kalt. Hr. Töpfer spielte ein Potpourri!!! auf der Guitarre. Hrn. Töpfers Fertig keit auf diesem Instrument wurde in diesen Blättern schon oft gerühmt, und verdient auch dieses Mahl gerechte Anerkennung, nur wäre es zu wünschen, er möchte sich zum öffentlichen Vortrag ein Mahl doch ein Musikstück eines bessern Compositeurs wählen. Seine Composition, welche er gewöhnlich Phantasie oder Potpourri taufet, ist ein Melodien-und Passagen-Chaos, welches weder Geschmack verräth, noch den Regeln des Tonsatzes entspricht. Durch ein Werk Guiliannis oder Diabellis würde er die Zuhöhrer mehr unterhalten, zugleich das Vorurtbeil von sich abwenden, als könne ec sonst nichts als seine schon hundertmahl gespielten und öffentlich zu Markte getragenen Passagen; und würde demnach Gelegenheit haben, seine bedeutende Kunstfertigkeit zu zeigen. Wegen plötzlicher Unpäßlichkeit des Hrn. Moscheles unterblieb das angekündete Potpourri für Fortepiano und Violoncell, und Hr. Merk spielte an dessen Stelle ein Rondo auf dem Violoncell mit Orchester- Begleitung. War dieser angehende Künstler dießmahl nicht recht gelaunt, oder lag der Fehler im Instrumente, kurz, Hr. Merk spielte nicht so fleißig als sonst, man hörte öfters ein unangenehmes Scharren des Bogens und unreine Töne. Es ist eine Verletzung des öffentlichen Wohlstandes, welchen der Künstler zu beobachten verpflichtet ist, wenn derselbe nicht allen Fleiß aufbiethet, der in seinen Kräften liegt, das Publikum zu un terhalten, und sträflich ist es, wenn derselbe eine Privatlaune öffentlich äußert und fühlen läßt. Eine vorzügliche Eigenschaft jedes Künstlers, besonders eines jungen, emporkeimenden, ist Bescheidenheit im Benehmen und Achtung gegen das Publikum. Möchten doch mehrere unserer Musen-Söhne diesen wahren Satz beherzigen und beobachten!—Cherubinis meisterhafte Ouvertüre zur »Medea« wurde gut executirt, erfordert aber ein stärkeres Orchester um den gehörigen Effekt hervorzubringen Hr. Heurteur sprach Reils Erzählung: »Der Pulver thurm,« mit Gefühl und Wahrheit; er befriedigte Aller Erwartungen, und bezeigte sich würdig der Ehre des lärmenden Empfanges und einstimmigen Hervorrufens. Mad. Campi bewies in einer Arie von Gyrowetz, daß sie noch immer die große Sängerinn sey, welche Wien schon seit Jahren in ihr verehrt, auch sie wurde hervorgerufen. Die Deklamation des Gedichtes: Das Hemd des Glücklichen, entsprach mehr als die Körnerische Ballade der Individualität des Hrn. Castelli. Er trug dieses artige von ihm selbst geschriebene Gedicht mit vieler Wahrheit und Laune vor, und erntete dadurch all ­ gemeinen Beyfall. Die drey Brüder Khayll spielten die bereits einige Mahle mit großem Antheile vorgetragenen Variationen für die Flöte, Hoboe und Klappentrompete, auch bey dieser Abendunterhaltung mit vielem Geschmack und großer Kunstfertigkeit, jedoch bemerkte man bey der Trompete einen geringeren Grad von Reinheit, als bey der letzten Produktion int Burgtheater Den Beschluß machte die Ouvertüre von d’Allayracs herrlichen Oper: »Der Thurm von Gothenburg.« Es wäre sehr zu wünschen, wenn diese gute Oper, welche schon so lange vom Repertoir verschwunden ist, neuerdings gegeben würde.

Wiener-Moden-Zeitung und Zeitschrift für Kunst, schöne Literatur und Theater (April 9, 1817): 236.

Eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung,

gegeben im Kärntnerthortheater am 6. April zum Vortheile der öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten, fing mit einer Ouvertüre von Pär an und schloß mit einer Ouverture von d’Allayrak. So etwas ist merkwürdig. Vielleicht beginnt man in der Folge mit einem Finale. Einige Verehrer, besser, einige blinde Anbether Rossini’s, wollen sich noch immer nicht überzeugen, daß derselbe einen großen Theil des Ruhms, den er sich durch die Komposition des Tancredi erworben, Pär’s Sophonisbe verdankt. Darüber muß man nicht böse werden. Es kann ja auch in der musikalischen Welt eben so gut eine Gleichheit der Ideen Statt finden, wie in der poetischen und prosaischen. Mir selbst ist ein Dichter bekannt, der in seinem neuen Werke dreyßig oder vierzig Verse—gereimte Alexandriner—aufnahm, welche ich in einem alten, vor dreyßig oder vierzig Jahren bereits erschienenen Buche wörtlich verzeichnet gefunden hatte und der dennoch glaubwürdig versicherte sothanes altes Buch nie gelesen zu haben. Ob sich solche Erscheinungen nicht durch den Magnetismus erklären liegen? Es wäre doch eine köstliche Sache, wenn der Geist wirklich im Magen säßen! Unwillkührlich richten sich jetzt die Blicke nach Preußen, wo eine Prämie von dreyhundert Dukaten den großen Streit für und wider den Magnetismus entscheiden soll. Wer wird aber Schiedsrichter seyn? Die Herren van pro oder die Herren van contra, oder eine comission mixa??

Um auf die Abendunterhaltung zurück zu kommen, wurde außer den beyden genannten Ouvertüren noch eine dritte von Cherubini gehört. Omne trinum perfectum. Dieser Satz hat sich hier nicht ganz bestätigt; die Aufführung war gar nicht perfekt. Dann trug ein Kunstredner, Herr I. F. Castelli, eine Ballade von Körner: der Künast, und ein selbst gedichtetes oder nachgedichtetes Mährchen, das Hemd des Glücklichen, vor, für welche besondere Gefälligkeit er applaudirt wurde. Recht artig sprach Mlle. Schwarz ein Gedicht von Valudo, Elise in der Neujahrsnacht; Madame Campi sang eine von Herrn Gyrowetz komponirte Arie; Herr Böhm spielte mit Anniuth und Kunstfertigkeit eine Polonaise auf der Violine; Herr Töpfer ergetzte mit einem niedlichen Potpourri für die Guitarre; Herr Moscheles konnte nicht bewundert werden, weil die versprochene Kaprize für das Fortepiano durch die eingetretene Kaprize der Krankheit vereitelt war; die Gebrüder Khayll wiederhohlten ihre Variationen für Flöte, Oboe und Trompete; die Geschickte vom Pulverthurm kam auch noch ein Mahl zum Vorschein und die Akademie war beendigt.

Allgemeine musikalische Zeitung (May 28, 1817): 380.

[Wien, April] Am 6ten—im Kärnthnerthortheater, zum Vortheil der öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten: 1. Ouverture aus Sophonisbe von Pär. 2. Declamation. 5. Polonoise für die Violin, comp., und mit wahrer Vollendung vorgetragen von Hrn Böhm. 4. Declamation. 5. Caprice und Potpourri für Pianoforte und Violoncello, von Moscheles, gespielt von demselben und Hrn. Merk. 6. Potpourri für die Guitarre, gesetzt und ausgeführt von Hrn. Töpfer. 7. Ouverture aus Medea von Cherubini. 8. Declamat. 9. Arie von Gyrowetz, gesung. von Mad. Campi. 10. Declamation. 11. Das beliebte Trio für Flöte, Hoboe und Trompete von Weiss, geblasen von den Gebrüdern Khayll. 12. Ouverture aus dem Thurm von Gothenburg von Dallayrac

2 March 1817

Joseph Böhm’s Musical Entertainment

Vienna: Mr. Zizius’s Residence

Programme 

String Quartet in D minorMr. Böhm, [?], [?], [?]Haydn
CavatinaMiss Vranický 
Violin Variations in G majorMr. BöhmPolledro
Caprice and Potpourri Concertante for
Piano and Violoncello [Op.37]
Messrs. Moscheles, MerkMoscheles
BoleroMiss VranickýBlangini
Violin Polonaise (new)Mr. BöhmBöhm
Principal Vocalists: MissVranický
Principal Instrumentalists: Messrs. Böhm, Moscheles, Merk

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Reviews

Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat (March 13, 1817): 85.

Am 2. Marz gab Hr. Joseph Böhm eine musikalische Abendunterhaltung, in der Wohnung des Doctor Zizius.

Inhalt:

1. Quartett von J. Haydn aus D-moll.—Da wir von diesem grossen Meister so viele classische Quartetten besitzen, so ist schwer zu begreifen, warum Hr. Böhm gerade dieses in musikalischen Zirkeln so oft spielt?

2. Cavatine, vorgetragen von Dlle. Wranitzky.—So oft man diese angehende junge Künstlerinn hört, bemerkt man ihr Fortschreiten in der Kunst.

3. Variationen für die Violine von Polledro (G-dur), vom Concertgeber mit grosser Fertigkeit vorgetragen.

4. Neues Pot-pourri für Pianoforte und Violoncello, componirt von Hrn, Moscheles, gespielt von demselben und Hrn. Merk.—Die Ausführung war so schön, als man sie von diesen Künstlern erwarten konnte.

5. Boleros von Blangini, von Dlle, Wranitzky vortrefflich gesungen.

Den Schluss dieser Unterhaltung machte

6. Eine neue Polonaise für die Violine componirt und gespielt vom Concertgeber.—Obschon sich die Composition keineswegs durch Originalität auszeichnet, so kommen doch darin einige glanzende Passagen vor; die Hrn. Böhm auch recht gut gelangen.

Das Auditorium verliess diesen Wohnsitz der Musen aüsserst zufrieden.

Allgemeine musikalische Zeitung (May 28, 1817): 380.

An eben die sem Tage gab Hr. Böhm bey dem humanen Kunstfreund, Hrn. v. Zizius, eine Abendunterhaltung, wobey er selbst ein Quartett von Jos. Haydn, Variationen von Polledro, und eine neue, selbst compon. Polonoise zur allgemeinen Zufrieden heit vortrug. Ausser dem sang Dem. Wranitzky eine Cavatine, und einen Boleros von Blangini, ganz vortrefflich, so wie Hr. Moscheles in seinem Pianoforte-Potpourri, welchen Hr. Merk mit dem Violoncell begleitete, nichts zu wünschen übrig liess