7 October 1824

Ignaz Moscheles’ Concert

Dresden: Saale des Kaufmännischen Vereins

 

Programme

AriaMme Tibaldi; Violin Accomp.: Mr. RollaNiccolini
From Il barbiere di Siviglia
Cavatina, ‘Io son Lindoro’
Mlle FunkMozart
Overture, Anacreon Cherubini
Piano Concerto No.2 in E flat majorMr. MoschelesMoscheles
Piano Fantasia and Variations on the favourite air ‘Au clair de la lune’ with Orchestral Accomp. (Op.50)Mr. MoschelesMoscheles
Free Piano Fantasia, incl. Themes from Preciosa and Die ZauberflöteMr. Moscheles 
Principal Vocalists: Mlle Funk, Mme Tibaldi
Principal Instrumentalists: Messrs. Moscheles, Rolla

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Programme Note: The reviews are contrasting. Whereas one reported that Moscheles performed the piano variations ‘Au clair de la lune’ the other one reported that he performed Piano Variations on an Austrian folk melody in G major. If the latter was performed, the variations may have been either ‘Introduction and Variations, for the piano on an Austrian National, Op.39’ or ‘Grand Variations on an Austrian National Melody for the piano, two Violins, Viola, Violoncello and Double Bass or Without Accompaniment, Op.43.


Carl Maria von Weber Diary Entry:

Abends Moscheles Concert. Einem armen Musiker.

 [C. M. von Weber’s Diary A065080]

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The Harmonicon, vol. II (May 1824): 90.

…He [Moscheles] continues by saying, that it is his intention to make a tour from Carlsbad, to Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, and from the latter place to London.

R. S.

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (December 1, 1824): 413.

Dresden, den 1. November 1824.

Am 6. Oktober, gab Herr Moscheles im Saale des Kaufmännischen Vereins ein Konzert, in welchem er ein neues Konzert in Es, Variationen über ein östereichisches [sic] Lied (in der Flora bey Artaria zu finden) und zum Schluss eine freie Fantasie vortrug. Das Konzert (mit 3 obligaten Pauken) enthält der hübschen Motive, brillanten und überschweren Passagen genug, und scheint uns (nach einmaligem Anhören) auch solider gearbeitet als das in E. Dessen ungeachtet aber schien es auf das kleine Publikum (Herr Moscheles hatte zu hohe Preise gesetzt) wenig zu wirken, obwol es höchst vollendet vorgetragen wurde. Der Grund hiervon scheint uns also doch in der Kompositions-Manier zu liegen, obwol von unsern überhaupt schwer zu erregenden Publikum weit schwächere, aber gefühlvollere und gefühlvoller vorgetragen Kompositionen günstiger aufgenommen worden sind. Für blosse staunenerregenden Dinge mögen die Pariser mehr Empfänglichkeit haben. Die Variationen hatten denselben Erfolg. Nur am Schluss in der freien Fantasie gelang es Herrn Moscheles durch angenehme und recht glücklich durch geführte Motive das so eisige Publikum nicht nur zu erwärmen, sondern sogar in Feuer und Flammen zu setzen. Das schien uns aber auch natürlich; denn muss es nicht jedem Kunstsinnigen höchst interessant sein, einmal gleichsam Ohren-und Augenzeuge bei einer solchen Tongeburt sein zu können, von der die meisten der, Konzert und Opern besuchenden Menge überhaupt sich gar keine Idee machen können! Noch höhern Reiz gewährt es dem Kenner, den Ideengang des eben schaffenden Künstlers zu verfolgen, der ihn dann, ist er wahrhaft inspirirt, bald auf Höhen, bald in anmuthige Thäler führt, seine Erwartungen bald täuscht, bald übertrifft, und ihn so in immerwährender Spannung erhält. In diesem ewigen Erwarten, getäuscht und überrascht werden aber besteht der eigen thümliche, bezaubernde Reiz der freien Fantasie, die, aller strengen und beengenden Regeln enthoben, unsre Seele in zauberischem Fluge in alle Sphären des Schönen zu führen vermag. Die Fantasie des Herrn Moscheles glich einem angenehmen Morgenspaziergange in einem nett angelegten, etwa dem Weimar’schen Parke.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (December 28, 1824): 1346.

Dresden, im October 1824.

….Einen hohen unvergeßlichen Genug gewährte uns das Concert, welches der berühmte Moscheles hier am 7. Οctober gab. Er spielte sein neuestes Concert aus Es-dur, welches noch Manuskript ist, eine originelle und sehr geschmackvolle Composition, mit solcher Grazie, so seelenvollem Ausdruck und so vollendeter Meisterschaft ausgeführt, daß auch dem strengsten Beurtheiler nichts zu wünschen übrigblieb. Als zweytes Stück trug er Variationen vor mit Orchester-Begleitung auf die Romanze: „Au clair de la lune,“ und am Schluß des Concerts spielte er eine freye Phantasie, worin sich sein herrliches Talent auf das glänzendste entfaltete. Er trug das erste Thema vierstimmig und fugirt vor, webte dann das Thema des Zigeunermarsches aus Webers Preciosa hinein, und führte dies! mit solcher Phantasie, Fülle der Ideen, immer steigender Begeisterung und so herrschender Gewalt über alle Schwierigkeiten, und dich zugleich so klar und fasilich aus, das! alle Zuhörer zur höchsten Bewunderung hingerissen wurden. Wir hörten ihn vor mehrern Jahren schon einmal hier, er hat aber seit seinem Aufenthalt in England noch unendlich gewonnen. Die originelle, schön, Ouvertüre der Oper Anakreon von Cherubini eröffnete dieß reizende Tonfest, unsere treffliche Costanze Tibaldi sang eine Arie von Nicolini, von dem schönen Violinspiel des Hrn. Rolla begleitet, und Mlle. Funk rug Morlacchi’s liebliche Variationen auf: „io son Lindoro,“ vor, beyde ausgezeichnet brav.

Allgemeine musikalische Zeitung (January 26, 1825): 66-67.

Von fremden Künstlern gaben Concerte: Hr. Ign. Moscheles am 7ten October. Ohngeachtet er in dem kleinen Saale des kaufmännischen Vereins spielte, so war auch dieser nicht ganz gefüllt!! Er trug sein neuestes Pianofortconcert in Es (Manuscript) und seine Variationen über ein österreichisches Volkslied in g vor. Seine Fertigkeit und Leichtigkeit in allen Arten von Passagen und Trillern ist bewundernswürdig, dabey ist sein Ausdruck so gefühlvoll, wie er es nur bey wenigen Pianofortespielern ist. Die Composition seines Concerts ist höchst interessant, Und hat das Gute, dass sie nicht so lang und breit ausgesponnen ist, und den Zuhörer dadurch ermüdet. Er schloss mit einer freyen Phantasie, in welcher er zwey Themen aus der Zauberflöte und aus Preciosa kunstvoll verwebte und endlich beyde verband.

28 September 1824

Concert for the Royal Family

Dresden: Pillnitz

Time: Evening

 

Programme

Piano Concerto No.4 in E majorMr. MoschelesMoscheles
Piano Fantasia and Variations on
the favourite air ‘Au clair de la Lune’
Mr. MoschelesMoscheles
Principal Instrumentalists: Mr. Moscheles

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Charlotte: Schon in den ersten Tagen dieser Dresdener Wochen erhielt Moscheles die Einladung, in Pillnitz zu spielen, und zwar wieder bei Tafel! Es speisten an dieser öffentlichen Tafel ausser den Majestäten Prinz Friedrich mit seiner österreichischen, Prinz Johann mitseinerbayerischen Gemahlin, die Prinzessinnen Amalie und Auguste, Grossfürst Constantin und sein Gesandter, Herr v. Reitzenstein u. A. Moscheles spielte das E-dur-Concert und Clair de lune. Nach überstandener Oeffentlichkeit hatten die Künstler ein gemüthliches Diner, später wurde ihm eine goldene Dose, auf welcher der Königstein in Emaille abgebildet war, und ein Thaler überreicht. Ein verjährter Gebrauch hiess es, die Künstler sollten ihre Handschuhe dafür kaufen. „Passt zum Vandalismus des Tafel-Concerts! dachte ich. [AML I, 89.]

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The Harmonicon, vol. II (May 1824): 90.

…He [Moscheles] continues by saying, that it is his intention to make a tour from Carlsbad, to Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, and from the latter place to London.

R. S.

Reviews

Berliner allgemeine musikalische Zeitung (October 13, 1824): 355-356.

Am 28. September liess sich Moscheles vor dem Königl. Hofe in Pillnitz während der Tafel mit seinem 4ten Konzert in E–dur, und in einer Fantasie hören. Es steht nicht zu läugnen, seine Fertigkeit ist Staunen erregend, sein Anschlag ganz wundervoll und sein Vortrag höchst elegant und brillant, wir gestehen aber ganz offen und ohne Furcht, dass wir trotz allem Staunen dennoch, weder durch die Komposition noch durch den Vortrag, was man so sagt, erwärmt worden wären. Den Kompositionen des Herrn Moscheles lassen sich weder hübsche, nette Gedanken, noch höchst brillante und sogenannte dankbare Passagen absprechen, aber sie scheinen uns weder in wahrhaft künstlerischer Begeisterung empfangen noch ausgeführt, sondern mit zu viel kalter Berechnung auf Effekt ausgedacht und aus geklügelt, wodurch sie natürlich des innern, alles fortreissenden Geistes ermangeln müssen. Haupt-Mittel- und Schlusssätze entbehren meist die nothwendige innere Bedingung, so wie auch die meisten Kompositionen der Herrn Kalkbrenner, Field u. s. m, so dass wir auf den Gedanken gekommen sind, vorzuschlagen, derlei Kompositionen künftig unter der Rubrik „Spekulationsmusik“ anzuzeigen. Doch eben solche Sachen, ohne Geist erschaffen und eben deshalb auch ohne viel Geist leicht aufzufassen, sind jetzt gerade die beliebtesten, und wir verehren zu sehr die allgemeine Meinung, als dass wir es mit ihr, durch weitere Ausführung obigen Thema’s so-ganz und gar verderben sollten. Und wir gestehn gern ein, dass es nur eine (bei uns nun freilich nicht mehr auszumerzende) Marotte ist, gerade an den altväterischen Grundsätzen eines Mozart, Beethoven und Konsorten so fest zu hangen. Ist es ja doch nur der Glaube, der jeden beseeligt, und wer hält nicht den seinen stets für den besten?!

Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens (October 14, 1824): 496.

Am 28. September d. J. wurde zu Pillnitz der Dresden unter Mitwirkung der königlicher sächsischen Kapelle und der ersten Hofopernsängerinnen ein großes Concert abgehalten, welches der königlich sächsische hof und der Großfürst Constantin durch Ihre hohe Gegenwart verherrlichten. Unser vaterländischer ruhmbekränzter Musikheros J. Moscheles hatte bey diesem herrlichen Concerte Gelegenheit, von seiner klassischen Virtuosität abermahls die schönsten Proben an den Tag zu legen, und sich neue Lordbeern in seinen Künstlerkranz zu flechten. Die grösten Schwierigkeiten der gewählten Composition überwand er mit gewohnter Leichtigkeit und Sicherheit. Präcision und Eleganz, Wärmer und Nuancirung waren in seinem Vortrage vorherrschend und erwarben ihm einmüthigen Beyfall. Se. Majestät der König ließen dem Tonkünstler durch den Hrn. Baron von Könneriß, Intendanten der Hofmusik, eine sehr schöne emalirte Dose mit den schmeichelhaftesten Ausdrücken zum Zeichen voller Zufriedenheit zustellen.

Laibacher Zeitung (October 15, 1824): 340.

Der berühmte Virtuos auf dem Pianoforte, Hr. Moscheles, hatte am 28. v. M. die Ehre, vor dem Königl. sächsischen Hofe zu Pillniß in einem großen Concert, welches, unter Mitwirkung der königl. Capelle und der vorzüglichsten Sänger gegeben wurde, zu spielen, und mit einer goldenen emaillirten Tabatiere, begleite von den Ausdrücken der Zufrieden Sr. Majestät des Königs, beschenkt zu werden.